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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Salzburger Festspielen auf Deutschlandfunk Kultur

August 17, 2022 Martin Pesl

Rosa Thormeyer als Iphigenia © SF/Krafft Angerer

Auftrag

Live-Kritik der Premiere „Iphigenia“ bei den Salzburger Festspielen im Gespräch mit Andrea Gerk

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Beim griechischen Tragödiendichter Euripides, im 4. Jahrhundert vor Christus, ist Iphigenie das perfekte Opfer. Böse getäuscht vom Vater Agamemnon wird sie nicht mit dem Helden Achilles verheiratet — und willigt am Ende in ihre eigene Opferung ein, damit günstige Winde wehen und der große Krieg gegen Troja beginnen kann. Die Göttin Artemis rettet Iphigenie von der Schlachtbank — dafür muss sie jedoch lange Jahre weit weg von Zuhause im Land der Taurer als Priesterin dienen. Von dort schickt Johann Wolfgang von Goethe sie 1779 als Frau in den Kampf um Humanität. Dass sie sich und ihren Bruder Orestes retten kann, verdankt sie bei Goethe nicht nur der Überzeugungskraft des deutschen Idealismus, sondern auch den Gefühlen, die sie bei Thoas, dem König der Taurer, weckt.

Durch die Zeiten hinweg bleibt Iphigenie eine Projektionsfläche: Eine Frau rettet den Vater — und das ganze griechische Volk, indem sie sich selbst opfert. Eine Frau, die weibliche Güte und Vergebung verkörpert, sich gegen den Krieg und für die geistige Stärke des Menschen ausspricht, die den ewigen Kreislauf der Rache (denn Schicksal ist keine Bestimmung!) unterbricht und als nachsichtige und vorausschauende Humanistin in die Geschichte eingeht.

Die Autorin Joanna Bednarczyk und die Regisseurin Ewelina Marciniak wollen mit ihrer modernen Interpretation der Iphigenia an aktuelle Diskurse anknüpfen. Sie nutzen die Folie von Euripides und Goethe, um eine eigene, eine zeitgemäße Geschichte zu erzählen. Wer könnte die junge Frau Iphigenia heute sein? Wer ist die Frau hinter dem Mythos, hinter der kollektiven Erzählung der Geopferten? Und wie befreit man sie aus dieser Erzählung?

Fazit – Kultur vom Tage

18. August 2022, ab 23:05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur

Ewelina Marciniak inszeniert in Salzburg "Iphigenia" als Uraufführung
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Theater, Salzburg, Kritik, Festival

SCHURKENSTÜCKE: TITO ARNAUDI – Kolumne in der Buchkultur 203

August 17, 2022 Martin Pesl

In meinem 2016 erschienenen „Buch der Schurken“ versammelte ich 100 der genialsten Bösewichte der Weltliteratur in einem Minilexikon. Einige blieben dabei auf der Strecke. Schändlicherweise. Hier begleiche ich nach und nach die schurkische Schuld.

Wann hat das aufgehört, dass Journalisten in Saus und Braus lebten, mit Ausschweifungen und völlig sinnlosen Gehältern? Und vor allem warum? Nein, bitte sparen Sie sich die Antwort auf diese Frage, sie ist recht schurkisch und nicht ganz ernst gemeint. Vor 100 Jahren hatte ein Turiner namens Dino Segre (vielleicht bekannt unter dem Pseudonym „Pittigrilli“) noch Geschichten parat, die das heutige Journaillenpräkariat vor Neid und Scham erblassen lassen. Selbst als Redakteur für verschiedene Zeitungen tätig, schickte er 1922 in seinem Roman „Kokain“ eine fiktionalisierte Version seiner selbst nahezu um die ganze Welt. Was er dort aufführt, verstieß nicht nur in den Augen der Faschisten gegen die guten Sitten, sondern auch in jenen der Kirche: Der Roman wurde mehrfach verboten.  

Tito Arnaudi heißt der junge Student, der, weil seine Geliebte von ihren Eltern in die Besserungsanstalt gesteckt worden ist, in den Zug nach Paris steigt. Dort lässt er sich als Erstes mehrere Visitenkarten drucken, die ihn als „Professor Doktor“ ausweisen, und zieht – wegen der Adresse – in eine unbeheizte Kammer im Hotel Napoleon. Durch selbstbewusste Angeberei erschleicht er sich eine Anstellung bei einer Pariser Zeitung und schreckt in einer Ära vor dem Fact-Checking nicht davor zurück, sensationelle Geschichten einfach zu erfinden, so lange, bis der Chefredakteur sein Gehalt unter der Voraussetzung erhöht, dass er keinesfalls auch nur eine einzige Zeile schreibe. In einer Redaktion, wo auch die herrliche Figur des „Mannes, von dem keiner weiß, wer er ist“, ein und ausgeht, verkommt Journalismus zum Lebensstil.

Weiter in der Buchkultur 203

In Autor Tags Buchkultur, Kolumne, Schurke, Italien, Journalismus

RANG 1 – DAS THEATERMAGAZIN – Bericht vom Sommerfestival auf Kampnagel bei Deutschlandfunk Kultur

August 13, 2022 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Auftrag

Erstellen eines Beitrags für „Rang 1 – Das Theatermagazin“

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Ein früher Abend in Hamburg, und die Welt ist in Ordnung.

Auf Kampnagel strahlt die Sonne, aber nicht mehr mit so unerträglicher Hitze wie tagsüber.

Die Stimmung ist gut, die Menschen trinken Bier am Vorplatz, lachen und harren der gleich zwei internationalen Premieren und zahlreichen anderen Aufführungen.

Einige haben sich flamboyant in der Festivalfarbe gekleidet: rosa!

Heute sind Corona, Krieg und Klima mal vergessen, vergessen auch das Damoklesschwert Publikumsschwund, heute ist einfach Sommer. Sommerfestival. Kampnagel-Sommerfestival. Das zehnte unter der künstlerischen Leitung von András Siebold.

Kaum betritt man das Foyer, von dem aus es zu den schier endlosen verschiedenen Veranstaltungssälen geht, regiert neben Glitzer und Glamour auch Ordnung und Vernunft. Die eine Company hat durch den Ansager ausrichten lassen, sie wünsche sich vom Publikum, dass es mit Masken im Saal sitze, die andere schickt eine Triggerwarnung: Man werde Blut zu sehen kriegen und Nadeln, die durch die Haut gehen – aber, beruhigt die junge Frau vom Publikumsdienst, nicht die ganze Zeit, nur an einzelnen Stellen der Aufführung. Wenn hier später im Festival Florentina Holzinger mit ihrer „Divine Comedy“ auftritt, wird diese Ansage deutlich länger ausfallen.

Weiter geht es bei Rang 1 mit André Mumot am 13. August nach 14:05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur und hier:

Musikalische Moskitos und anarchisches Leben beim Sommerfestival auf Kampnagel
Deutschlandradio Kultur
In Autor Tags Theater, Bericht, Hamburg, Festival, Sommer, Performance, Rang 1

JÖ SCHAU, A RADAU IN LITSCHAU – Vorschau auf das Festival Hin & weg 2022 im Falter 32/22

August 10, 2022 Martin Pesl

„Cables“ © Danila Amodeo

Der Grazer Theatermacher Christian Winkler – als Regisseur nennt er sich Franz von Strolchen – lässt sich schwer einordnen. Seine Stücke changieren zwischen Performance, Theater und Installation. Worum es in dem englischsprachigen Stück „Cables“ geht, lässt sich jedoch eindeutig sagen: um Kabel. Ein nordmazedonischer Musiker (Ivica Dimitrijevi) bereitet seinen Auftritt vor und trifft dabei auf die Veranstaltungstechnikerin (Nina Ortner). Eine konfliktbeladene Begegnung, denn ein Kabel ist kaputt. Wie Winkler in diese Situationskomik Philosophie und Politik einbringt, möge das Publikum selbst verfolgen. Aus „Cables“ stammt übrigens auch das aktuelle Coverfoto der Falter:Woche.

 

Auch für Kinder bietet das Hin & weg Programm. In den Theatergarten „Fishing for Shadows“ dürfen sie zwar nur in Begleitung Erwachsener hinein, aber da haben die meisten Kinder eh nix dagegen. Große und kleine Puppen, Musik und Soundeffekte, Automaten und Spielzeug erwarten das Publikum in der Wunderwelt, die von den Stränden und Gletschern Neuseelands inspiriert ist. Von hier stammt die Puppenspielerin Rebekah Wild (Bild). Dank einiger Performerinnen und Performer und der Fantasie der Kinder werden die angetroffenen Objekte zu Geschichten versponnen.

  

Schon im allerersten Jahr gastierten die Performerin Barbara Gassner und der Musiker Kmet mit diesem unkonventionellen Heimatstück beim Hin & weg. Gassner forscht mit Video, Musik und markerschütterndem Jodeln der Geschichte ihres Großvaters Siegfried Schwabl nach. Der Sohn eines russischen Kriegsgefangenen ließ sich um 1930 im Pinzgau nieder. Für Barbara Gassner ist die Recherche Anlass, ihre eigene Beziehung zu dieser Heimat zu überprüfen. Nicht zufällig lautet das Motto des heurigen Hin & weg: „Vorfahren!“

Mehr im Falter 32/22

In Autor Tags Festival, Vorschau, Falter, Theater, Performance, Musik, Niederösterreich
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