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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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NESTROY 2026 – Jurymitglied

October 19, 2026 Martin Pesl

Die NESTROY-Jury, bestehend aus meinen sechs Kolleg:innen und mir und unter dem Vorsitz von Alexandra Althoff, hat die Nominierungen für die diesjährigen NESTROY-Preise bekanntgegeben. Hier die vollständige Liste.

Die Gala findet am 22. November 2026 ab 19 Uhr im Volkstheater Wien statt.

In Sprecher Tags Nestroy, Jury, Wien, Theater

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Burgtheater im Deutschlandfunk

October 17, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Muhen, Unruhe, Lachen. Darüber Off-Text: 

Da ist eine Kuh im Burgtheater! Keine echte natürlich. Zwei Personen stecken in einem Kostüm und zwängen sich durch die Publikumsreihen. Amüsant umständlich ist das und gibt einigen Zuschauenden die Möglichkeit, ein falsches Tier zu streicheln. Mit Ach und Krach schaffen es die beiden auf die Bühne, legen ihre Kuhhaut ab – und stellen sich als die Stars des Abends heraus: Stefanie Reinsperger als Vater Ubu und Sebastian Wendelin als Mutter Ubu in Alfred Jarrys Kultgroteske aus dem späten 19. Jahrhundert.

VATER UBU: Schreiße.

Dem eingebauten „r“ zum Trotz sorgte das allererste Wort des Stückes bei der Uraufführung für Tumulte. Heute erwartet man nichts anderes, zumal von einer Stefanie Reinsperger, die sich mit Wiener Zunge und Mut zur Derbheit seit ihrer Rückkehr an die Burg aus Berlin in die Herzen des Publikums gespielt hat. Stefan Bachmann weiß das gut einzusetzen. Reinsperger und ihr Kollege Sebastian Wendelin erfreuen das Publikum eine Stunde lang mit kleinen improvisierten Tricks. Dennoch bringen sie Jarrys absurde Handlung voran: Die Ubus beschließen, den polnischen König vom Thron in den Tod zu stoßen. 

MUTTER UBU: Dabei könntest du auf deiner Birne die polnische Krone tragen!

VATER UBU: I versteh wirklich kein Wort!

MUTTER UBU: Du bist einfach zu dumm!

VATER UBU: Der König Wenzel lebt noch vergnügt, und selbst wenn der König Wenzel tot wäre, der hat doch unzählige Kinder!

MUTTER UBU: Ja, aber wer hindert dich denn, die ganze Familie zu massakrieren und dich an ihren Platz zu setzen?

Dass zu dem Königsmord schließlich ein Freiwilliger aus dem Publikum überlistet wird, ist eine witzige und nahbare Idee. Kurz darauf erklärt das neue Königspaar einzelne Zuschauende zu Adeligen, die der Usurpator Ubu „enthirnt“, also köpft. Ein anarchisches Schauspiel, das Jarrys Stil des Grand Guignol, also des grotesken Horrortheaters, unterhaltsam in die Gegenwart überträgt und gleichzeitig mühelos Referenzen auf Regierende wie Donald Trump zulässt. Wendelin und Reinsperger sind ein unschlagbares Comedy-Duo, dem man gern zusieht. Da stört es auch gar nicht, dass über eine Stunde lang der Vorhang nicht aufgeht. Der ganze dreckige Spaß spielt sich bei zumindest schwachem Saallicht auf der Vorderbühne und unter den Leuten ab.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Anja Reinhardt
Samstag, 17. Oktober 2026, 17:30 Uhr

"König Ubu" - Stefanie Reinsperger in Alfred Jarrys Klassiker an der Wiener Burg
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk, Burgtheater, Wien

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik aus dem Burgtheater auf Deutschlandfunk Kultur

October 16, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Auftrag

Kritik der Premiere „König Ubu“ im Gespräch mit Andrea Gerk

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Angestachelt von ihrer Gier nach Macht ermorden Vater und Mutter Ubu den König von Polen und reißen die Krone an sich. Als Regierende herrschen sie mit Willkür, führen wahnwitzige Steuern ein und lassen das Volk hinrichten. Im Krieg gegen Russland werden sie gestürzt und müssen fliehen. Im Haus eines Wissenschaftlers nisten sie sich ein und treiben in der Welt des Spießbürgertums ihr Unwesen. Schließlich zieht es sie zurück nach Frankreich. Dort beginnen sie ein neues Leben – überzeugt davon, dass nur in der Sklaverei Freiheit liege. 

Mit der Figur Ubu schuf der Bohemien Alfred Jarry eine grelle Satire auf Herrschaft, Gewalt und Ideologien. Seine Vision sprengte das traditionelle Theater. Stefan Bachmann erweitert das ubueske Universum um die weniger bekannten Stücke UBU HAHNREI und UBU IN KETTEN. Jarrys „pataphysische Welt“ steht kopf und wird zur grotesken Spiegelung unserer eigenen.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Andrea Gerk
Freitag, 16. Oktober 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

"König Ubu" am Wiener Burgtheater mit Wendelin und Reinsperger
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Theater, Kritik, Burgtheater

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Kritik von den Salzburger Festspielen auf Deutschlandfunk Kultur

August 16, 2026 Martin Pesl

© SF/Arno Declair

Auftrag

Kritik der Premiere „Unter Tieren“ im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Die Wege des Geldes sind unergründlich. Für manche führen sie zielstrebig bergauf, für andere erweisen sie sich als Sackgasse oder als Pfad in Richtung Prekariat. Alternative Routen existieren anscheinend nicht: Geld regiert die Welt und uns und unser Leben und deshalb bleibt ihm Elfriede Jelinek als Chronistin und Kassandra hartnäckig und folgerichtig auf den Fersen – und manchmal ist sie ihm auch ein paar entscheidende Schritte voraus.

Jelineks jüngstes Drama Unter Tieren holt weit aus und zielt dabei treffgenau in die Untiefen unserer verlogenen und ideell ausgehöhlten Gesellschaftswelt. Von der Bibel bis zu René Benko wird nichts ausgelassen: Es geht um unstillbare Raffgier, um phrasendreschende Politiker und Wirtschaftsbosse, um geheuchelte Systemkritik und um Begriffe wie soziale Gerechtigkeit oder Chancengleichheit, die mittlerweile nur noch Worthülsen zu sein scheinen. Es geht um menschliche Käuflichkeit und um unverschämte, skrupellose Korruption. Und natürlich um eine scheinbar nicht kleinzukriegende Rüstungs­industrie, um Kriege, um Geld verschlingende, mörderische Kriege.

Wir leben in einer trotz ihrer Dysfunktionalität erstaunlich resilienten Wirtschafts- und Finanzwelt, die immer mehr auf den Hund kommt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Elfriede Jelinek die unendliche Geschichte des Mammons aus der Sicht von Tieren erzählt. Immer verständnisloser, dafür mit wachsendem Sarkasmus quieken, muhen, gurren und brummen hier Bären, Kühe, Schweine, Tauben, das Lamm Gottes oder auch der „Für und Widder“ und erzählen uns Menschen von „Notaren, die nichts notieren, Wirtschaftsprüfern, die nichts prüfen, Anwälten, die nicht walten, Wandelanleihen, die nicht wandeln, und Zinsen für laufende Kredite, die nicht rechtzeitig davongelaufen sind“.

Unter Tieren ist ein Stück darüber, wie wir konsequent an unserem selbstverschuldeten Unglück arbeiten. Wir weigern uns, unsere Lektion zu lernen und rasen wider besseres Wissen sehenden Auges in die Apokalypse des Kapitalismus. Denn klar ist in Unter Tieren: Die Welt ist aus den Fugen, und der Finanzmarkt wird es nicht richten.

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die im Jahr 2026 ihren 80. Geburtstag begeht, beweist mit diesem Stück erneut, dass sie die bedeutendste deutschsprachige Dramatikerin ist. Ihre künstlerische und politische Radikalität hat die Theaterlandschaft für immer revolutioniert. Es gibt nur wenige Regisseur·innen, mit denen sie so kontinuierlich und erfolgreich gearbeitet hat wie mit Nicolas Stemann – und so zeichnet dieser nun auch für die Urauf­führung von Unter Tieren verantwortlich.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Eckhard Roelcke
Sonntag, 16. August 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Nicolas Stemann inszeniert in Salzburg Jelineks "Unter Tieren"
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Theater, Kritik, Festival, Burgtheater, Salzburg, Jelinek, Tier
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