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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Salzburger Festspielen auf Deutschlandfunk Kultur

July 27, 2026 Martin Pesl

© SF/ Ruth Walz

Auftrag

Kritik der Premiere „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ im Gespräch mit Charlotte Oelschlegel

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Wie erzählt man von der Welt, ohne sie zu erklären? Ohne sie besitzen zu wollen? Wie spricht man über das Ich, ohne es festzulegen? Wie klingt Erinnerung? Und was soll dieses Leben überhaupt?

Peter Handke hat die Welt stets neu vermessen – mit Sprache und im Widerstand gegen ihre Abnutzung. Auch in seinem neuen Text bleibt er diesem poetischen Forschen treu – vielleicht radikaler, vielleicht zarter denn je, jedoch nicht ohne jenen feinen Humor, jene Selbstironie, mit der er auch seinen eigenen Ernst nonchalant unterläuft. Alles „Schnee von gestern“? Und wenn?

Ein Mensch unterwegs, kein fest umrissener Charakter, sondern ein Kreuz-und-Quer-Gehender, einer, der sich mal tastend, mal springend durch innere wie äußere Landschaften bewegt. Eine Selbstbefragung vielleicht, eine Abschiedsmelodie möglicherweise, ein stilles Lachen, das Hintersinn suggeriert. „Oder auch nicht.“ Im Gehen trägt er zusammen, was ihm begegnet. Und aus diesen Splittern entsteht ein magisches Tableau des Weltbeobachtens, das sich dem großen Ganzen verweigert – und es gerade darin aus der Tiefe des Einzelnen, aus seiner rücksichtslosen Subjektivität heraus offenbart. „Oder auch nicht“ – eine sprachliche Wendung, mit der uns Handke immer wieder auf uns selbst und unsere eigene Wahrnehmung zurückwirft. Handke tanzt mit der Sprache, spielt mit sich und uns, fordert heraus, reiht Sprichwörter, Theatersätze, Nonsens-Sprüche, Assoziationen und Reflexionen aneinander, geht mit uns und sich ins Gericht, erlaubt sich Abschweifung, Albernheit, Staunen – und verliert sich mit voller Absicht: in einem Raum, der weder Anfang noch Ende kennt, sondern nur Bewegung. Bis der eine, der da unentwegt spricht, zurücktritt, aufbricht, verschwindet und ein anderer übernimmt: „Angeblich soll er vor einiger Zeit noch gesehen worden sein, als letzter Fahrgast hinten zusammengekauert im allerletzten Nachtbus.“

Peter Handke, 1942 in Kärnten geboren, wurde 2019 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nicht erst seither wurde gestritten: um Fragen nach der Verantwortung von Literatur, nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit – Debatten, die in der mäandernden Suche von Handkes außerordentlichen, gleichsam poetischen wie provozierenden Texten immer schon angelegt waren. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Essays, Drehbücher, Übersetzungen und Gedichte. Das Theater revolutionierte er mit seinem ersten, inzwischen legendären Stück Publikumsbeschimpfung (1966) und weiteren Texten wie beispielsweise Die Stunde da wir nichts voneinander wußten(1992), ein Stück, das gänzlich ohne jedes gesprochene Wort auskommt. Für das dramatische Epos Immer noch Sturm, das 2011 im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführt wurde, fand der Autor in dem Schauspieler Jens Harzer nicht nur einen begeisterten Leser, sondern einen Künstler, der Handkes Sprache kongenial auf die Bühne zaubert.

Schnee von gestern, Schnee von morgen wird auf ausdrücklichen Wunsch Peter Handkes in Salzburg – jener Stadt, mit der er eng verbunden ist – uraufgeführt. Regie führt der für seine feinsinnigen Inszenierungen bekannte, vielfach ausgezeichnete Schauspiel- und Opernregisseur Jossi Wieler, der bereits seine achte Produktion für die Salzburger Festspiele realisiert. Gemeinsam mit Jens Harzer und Marina Galic, beide Mitglieder des Berliner Ensembles, widmet er sich nun Handkes jüngstem Text, der vom Verlag explizit als „ein Stück für die Bühne“, „ein Lied ohne Kehrvers“ angekündigt wurde – ein Text also, der nicht nur gelesen, sondern unbedingt gespielt werden will. Ein musikalischer Text, ein Text über die theatrale Kraft des Erzählens selbst, über das Fragen und Ertragen und den Jubel im Moment des Verschwindens. „Welch ein Glück in diesem deinem Leben, und was für ein Glück erst wird dich erwarten im nächsten!“

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Charlotte Oelschlegel
Montag, 27. Juli 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Uraufführung in Salzburg: Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen"
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk Kultur, Salzburg, Festival

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Wiener Festwochen auf Deutschlandfunk Kultur

June 18, 2026 Martin Pesl

Gob Squad © Christine Fenzl

Auftrag

Kritik zur Premiere „Doppelgänger/Doppelganger“ im Gespräch mit Marietta Schwarz

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

“No one makes themselves. (...) We all make and unmake one another.”
Naomi Klein – Doppelganger

Wo fangen wir an? Im wahrsten Sinne des Wortes: Wo fangen wir und das, was wir als „uns“ betrachten, was du als „dich“ betrachtest, – wo fängt das an?

Doppelgänger/Doppelganger ist eine performative Reise in die verschlungenen Tiefen und Abgründe einer Spiegelwelt, wo das, was wir glauben zu sein – einzigartig und unverwechselbar – sich zu vervielfältigen beginnt. In dieser Welt der Verdopplungen und Projektionen, des Vergessens und Erinnerns und der ewigen Selbstbeschwörung stecken die Performer:innen von Gob Squad in einer endlos scheinenden Party fest.
Aber niemand scheint noch zu wissen, was es eigentlich zu feiern gibt. Hatte nicht jemand Geburtstag? Es gibt Kuchen und Luftballons und alles wird mit der Kamera festgehalten: Jemand hat ein Foto gemacht! Und darauf sehen wir doch aus, als hätten wir eine gute Zeit…

Gefangen in dieser Party-Schleife suchen Gob Squad schließlich im Publikum nach Gründen zu feiern. Und nach möglichen Doppelgänger:innen, um sich selbst zu erweitern, zu konfrontieren, vollständig auszuschalten oder sich aufzulösen in Vielen. Der Tanz mit dem Selbst beginnt. Aber wer führt hier wen, und durch wessen Geschichte? Was spricht durch wen und wie viele? Und wer entscheidet überhaupt, was als Nächstes geschieht?

Die Geburtstagsgesellschaft kippt in eine surreale Vision voller unerwarteter Wendungen, in der verschiedene Identitäten und Stimmen unerbittlich darum kämpfen gehört zu werden und uns die geteilte Verantwortung für etwas, das mehr ist als wir selbst, als utopisches Déjà-vu begegnet.


Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Marietta Schwarz
Donnerstag, 18. Juni 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

"Doppelgänger/Doppelganger": Neues Stück von Performance-Kollektiv Gob Squad
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Performance, Wien, Wiener Festwochen, Festival, Deutschlandfunk Kultur, Kritik

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Wiener Festwochen auf Deutschlandfunk Kultur

May 19, 2026 Martin Pesl

© Walter Wodarczyk, Courtesy of the artist and Pioneer Works

Auftrag

Kritik von der Premiere „Voyage Into Infinity“ im Gespräch mit Charlotte Oelschlegel

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Für ihre neueste installative Arbeit stellt die US­-Perfor­mance­-Ikone Narcissistereine übergroße Kettenreaktionsmaschine aus recycelten All­tagsgegenständen auf die Bühne. Drei maskierte Performerinnen treiben sie stetig an: ein fallender Diskuswerfer (Pin-­up-­Boy der Nazipropaganda), eine in Flammen aufgehende Kugelbahn, ein vaginales Feuerwerk – Elemente eines choreografierten Spiels um Ursache und Wirkung. Während im Referenzfilm Der Lauf der Dinge (1987) von Peter Fischli und David Weiss der männliche Eingriff in dieses Spiel (mittels Filmschnitt) ver­heimlicht wurde, stellt Narcissister die weiblichen, teils nackten Performerin­nen als treibende Kräfte in den Vorder­grund. Ausgestattet mit emblemati­schen, puppenartigen Narcissister­ Masken werden sie zu Projektionsflä­chen und verkörpern einen unheimli­chen Kommentar zu tief verwurzelten Schönheitsidealen und zur Objektivie­rung von Frauen. Voyage Into Infinity ist Humor, Kritik und visuelles Spektakel in einem – rohe Energie und Punk-­Spirit.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Charlotte Oelschlege
Mittwoch, 20. Mai 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Wiener Festwochen: "Voyage Into Infinity" von der US-Künstlerin Narcissister
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Performance, Kritik, Festival, Wiener Festwochen, Deutschlandfunk Kultur

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Bericht von der Rede an Europa 2026 auf Deutschlandfunk Kultur

May 13, 2026 Martin Pesl

© Mateusz Skwarczek

Auftrag

Bericht von der Rede an Europa von Anne Applebaum im Gespräch mit Charlotte Oelschlegel

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Die renommierte Historikerin und Autorin Anne Applebaum geht in der diesjährigen Rede an Europa – The European Moment – der Frage nach, ob die Stunde Europas gekommen ist und wodurch sich dieser historische Moment auszeichnet. Galten Systeme der Unterdrückung, Gewalt und autoritären Kontrolle im Westen bis vor kurzem als Anomalien, werden sie mittlerweile zunehmend als tragfähige Gesellschafts- und Regierungsmodelle angesehen.
Doch welche Optionen hat Europa angesichts einer zerfallenden Weltordnung? Welche Einsichten aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts werden in diese Entscheidung einfließen? Wird es der „Alten Welt“ gelingen, sich als glaubwürdige Alternative zur Rückkehr rückwärtsgewandter Ideen zu positionieren? Applebaum ist überzeugt: Wie Europa diese Fragen beantwortet, wird nicht nur den Kurs Europas prägen, sondern auch das Schicksal der Welt.

Seit 2019 liefert die von der ERSTE Stiftung initiierte Rede an Europa eine grundsätzliche Reflexion zur Gegenwart und Zukunft Europas. Als Ort dient der Wiener Judenplatz, der daran erinnert, dass Europa nur im Spiegel seiner Geschichte verstanden werden kann. Zu den Redner:innen in den Vorjahren zählen Timothy Snyder, Oleksandra Matwijtschuk, Omri Boehm und Lea Ypi.

Ein gemeinsames Projekt der Wiener Festwochen | Freie Republik Wien, Erste Stiftung und des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen
In Kooperation mit dem Jüdischen Museum Wien

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Charlotte Oelschlegel
Mittwoch, 13 Mai 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Historikerin Anne Applebaum hält in Wien „Eine Rede an Europa“
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Wiener Festwochen, Rede, Bericht
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