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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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„TAKE IT OR LEAVE IT“ – Interview mit Béla Tarr im Falter 23/19

January 6, 2026 Martin Pesl
© Béla Tarr

© Béla Tarr

Der große Avantgarde-Filmer Béla Tarr realisiert bei den Festwochen ein Projekt mit Wiener Obdachlosen. Ein Gespräch über Wiederholungen im Leben, seine Heimat Ungarn und darüber, ob man Film lehren kann

Wäre die Welt einer seiner Schwarz-Weiß-Filme, Béla Tarr würde glatt darin verschwinden. Vor seinem Hotel in der Josefstadt steht der ungarische Regisseur klein, grau, gezeichnet und müde und sagt: „Ich rauche hier jetzt noch zwei Zigaretten, dann können wir anfangen.“

Avantgarde-Kenner verehren Tarr als einen der prägendsten Regisseure der Kinogeschichte. Vor allem „Satanstango“ nach dem Roman von László Krasznahorkai steht in zahlreichen Cineastenlisten weit oben. Der 1994 erschienene Film dauert sieben Stunden, hat aber nur etwa 150 Einstellungen. Er schildert den Verfall eines Dorfes in den letzten Jahren des ungarischen Kommunismus und galt lange als verschollen. 2007 kündigte Tarr an, sein nächster Film „Das Turiner Pferd“ werde sein letzter sein. Daran hielt er sich eisern. Umso sensationeller ist es, dass die Wiener Festwochen den stillen Star für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Das Projekt „Missing People“ wird in der Halle E im Museumsquartier mit Obdachlosen aus Wien erarbeitet und dort auch als Installation mit Bewegtbild und Live-Musik gezeigt.

Der Falter trifft Béla Tarr schon im März im Zuge seiner Castings für das Projekt. Trotz seiner erst 64 Jahre hat der gesundheitlich angeschlagene Mann die Aura eines alten Weisen. Durch den Interviewer auf Ungarisch ehrfürchtig gesiezt, beharrt Tarr in seinen Antworten auf dem Du. Seine Stimme ist sonor und sanft. Wenn er über das Schicksal der Obdachlosen spricht, wird er leise wie bei einer Meditation. 

Herr Tarr, was hat Sie zu dieser Filminstallation mit Wiener Obdachlosen inspiriert?

Tarr: Einmal die Architektur der Halle E. Das Zweite war, dass am Tag meiner Ankunft in Wien ein ungarisches Gesetz in Kraft trat, wonach Obdachlose, die auf der Straße leben, ins Gefängnis gesteckt werden dürfen wie Verbrecher. Am selben Tag hat die Bürgermeisterin von Paris angekündigt, dass sie für die Wintersaison das Rathaus für Obdachlose öffnet.

Wien liegt ja zwischen Ungarn und Paris und wurde jüngst wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt ernannt. Welche Rolle spielt die Stadt in Ihrem Projekt?

Tarr: Ich muss sagen, dass ich Wien nicht kenne. Was ich kenne, ist das Wien der Obdachlosen. Was ich kenne, sind der Gürtel und die Außenbezirke. Ansonsten komme ich abends ins Hotel, esse, schlafe. In der Früh geht es dann wieder los. Aber eines ist sicher: Diese ganze Sache ist viel schwieriger, als ich je gedacht hätte. Ganz anders als einfach einen Film zu machen. Man wird auf ganz existenzielle Dinge aufmerksam. Man ist ja nicht gefühllos, und solche Menschenleben zu sehen, das laugt einen geistig völlig aus. 

Wie lief das Casting?

Tarr: Ich versuche, die Menschen kennenzulernen. Denn jeder Mensch ist anders. Jeder spricht eine andere Sprache, hat eine andere Kultur und Lebensgeschichte. Das Endergebnis ist gleich, aber auf die verschiedenen Wege dorthin muss ich mich einlassen. Ich habe ein einigermaßen umfassendes Gesamtbild des Projekts. Das versuche ich jetzt in eine Dramaturgie, in eine sehr lose Form zu packen. Das wird ja kein Film, den wir projizieren. Das werden Bruchstücke, Stimmungen, menschliche Gesichter.

Es gibt also keine Handlung?

Tarr: Nein, so wie es auch im Leben dieser Menschen keine Handlung gibt. Ich sage ja immer: Eine Story führt uns nur an der Nase herum, denn sie spiegelt uns vor, dass irgendetwas passiert. Diese Menschen haben so eine Starre, die mir manchmal einen Stich in die Brust versetzt. Sie bewegen sich von der nächtlichen Unterkunft, wo sie zwischen 18 Uhr und 7 Uhr bleiben können, an eine Tagesstätte, wo sie sich aufwärmen. Die wird aber um 15 Uhr zugesperrt. Dann gehen sie ein bisschen betteln, die Mutigeren stehlen oder tun etwas dergleichen, was natürlich gesetzeswidrig ist. Dieser Kreislauf ist die ganze Bewegung.

Und die Menschen rechnen auch gar nicht mehr damit, aus diesem Kreislauf auszubrechen?

Tarr: Für manchen ist der große Traum, Straßenkehrer zu sein. Davon kann er sich aber noch lange keine Wohnung leisten, höchstens Zigaretten und was zu trinken. Einige von ihnen leben seit acht Jahren auf der Straße und tragen ihr ganzes Leben mit sich herum.

bewege sich, und jetzt gehen wir wieder unter. Mich schmerzt dabei nicht so sehr, dass es verantwortungslose Politiker gibt, sondern dass die Menschen ihnen glauben. Aber ich will gar nicht hoffnungslos sein. Dass die Berliner Mauer je fallen könnte, hätte ich damals auch nicht gedacht. Die Welt lässt sich verändern, aber es hängt halt von uns ab.

Schon 2007 haben Sie erklärt, Ihr damals nächster Film „Das Turiner Pferd“ sei Ihr letzter. Wieso wussten Sie das damals schon?

Tarr: Ich habe dreißig Jahre lang Filme gemacht. Schritt für Schritt hat sich dabei ein Stil herausgebildet, der immer sauberer, klarer und eindringlicher wurde. Wenn man dann anfängt, vom Ende des Lebens zu erzählen, wie im „Turiner Pferd“, und das auch noch in einer sehr puren, minimalistischen Filmsprache, dann ließe sich das schon wiederholen – man könnte zehn solche Filme machen, aber es wäre einfach nur lächerlich. Daher weiß man: Das Paket ist jetzt hübsch verschnürt und zur Übergabe bereit. „Take it or leave it“, wie der Engländer sagt.

Nach dem Erscheinen von „Das Turiner Pferd“ 2011 waren Sie vor allem mit Unterrichten beschäftigt.

Tarr: Ja, ich habe eine internationale Filmschule in Sarajevo aufgebaut. Aus allen Ecken der Welt kamen junge Filmemacher, mit denen wir gearbeitet haben, und ältere Filmemacher, die schon mehr Erfahrung hatten. Es war wie eine Werkstatt, in der alle zusammen gelebt und gearbeitet haben, ganz anders als sonstige Filmakademien. Ich habe immer schon die Meinung vertreten, dass man Film nicht lehren kann, weil jeder Filmemacher eine andere Sprache hat. „No education, just liberation“, das war vier Jahre lang unser Geist.

Warum war es dann vorbei?

Tarr: Weil das eine Fakultät einer Privatuniversität war. Man hat mich immer nach dem Profit gefragt, den es selbstverständlich nicht gab. Im Gegenteil: Die anderen Fakultäten haben Gewinn gemacht, wir haben ihn verjubelt. Außerdem wurden wir ins Bologna-System aufgenommen, was einen strengen Lehrplan erforderte. Wie soll ich da erklären, dass ein Apichatpong Weerasethakul mit den Studierenden meditiert? Carlos Reygadas wiederum ging mit ihnen schwimmen, der Schauspielstar Gael García Bernal formierte sie zu einer Fußballmannschaft, die dann gegen die heimischen Straßenkinder verlor. Irgendetwas wurde immer daraus, aber das kann ich ja nicht in einen Lehrplan fürs Ministerium schreiben. Irgendwann hatte ich auch genug. 

Auch bei den Festwochen halten Sie eine Masterclass. Findet die auch im Freibad statt?

Tarr: Nein, nein. Da versuche ich zu formulieren, was ich beim Film für wichtig halte und wie ich seinerzeit gearbeitet habe.

Sie kritisieren offen die Regierung Orbán. Wie ist Ihr Stand in Ihrer Heimat? Kennt man Sie, nimmt man Sie an?

Tarr: Man weiß, wer ich bin. Aber ich bin sehr selten in Ungarn, weil ich dort nicht arbeiten kann. Also reise ich viel.

Bedauern Sie das?

Tarr: Selbstverständlich. Wer möchte nicht gerne im eigenen Bett schlafen? Der Mensch hat so ein instinktives Heimweh.

Wo ist denn im Moment Ihr Lebensmittelpunkt?

Tarr: Ich habe keinen. Allein in diesem Kalenderjahr war ich zweimal in Paris, habe in Deutschland einen Workshop gegeben, habe in Lille unterrichtet. Wo zum Geier war ich denn noch? Hier in Wien natürlich. Zu Hause war ich vielleicht zehn Tage. Nach diesem Projekt steht eine kleine Pause an, das spüre ich. Eigentlich sollte ich mich aber hinsetzen und ein Buch schreiben. Ein Verleger wartet darauf. 

Eine Autobiografie?

Tarr: Nein. Das wird wieder so etwas Undefinierbares. Es war nie meine Art zu erzählen, was mir passiert ist. Aber was ich wie sehe oder was mich mitnimmt, das ist etwas anderes. Je älter man wird, desto mehr sieht man Details. Und nur die Details werden wichtig. Denn im Großen und Ganzen wiederholt sich ja doch alles.

 

Zur Person:

Béla Tarr wurde 1955 im ungarischen Pécs geboren. Seinen ersten Film „Family Nest“ realisierte er mit Mitte 20. Ab dem Fernsehfilm „Macbeth“ (1982) entwickelte er seinen eigenen Stil mit wenigen, langen Einstellungen, oft in Schwarz-Weiß. Seit 1988 arbeitete er eng mit seinem Landsmann, dem Schriftsteller László Krasznahorkai zusammen. So entstanden etwa „Verdammnis“ (1988) und Tarrs siebenstündiges Opus magnum „Satanstango“ (1994). 2011 zog sich Béla Tarr, dessen Filme oft in Ko-Regie mit seiner Ehefrau Ágnes Hranitzky entstanden, endgültig aus dem Kino zurück.

In Autor Tags Interview, Falter, Film, Kunst, Wiener Festwochen, Ungarn, Ungarisch

KULTUR HEUTE – Beitrag über das Gold & Pech Theater im Deutschlandfunk

December 9, 2025 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Eggersdorf bei Graz heißt der Ort, oder auch Höf-Präbach oder Ries, nordöstlich der steirischen Landeshauptstadt, auf dem Weg nach Wien. Direkt an der Autostraße liegt, kaum bemerkt, ein neues Theaterhaus.

Jula Zangger: Und hier war die, die  Gastroküche, in diesem Bereich. Da vorne beginnt der Neubau, da, wo diese Schwelle is ...

Es ist nur wenige Monate her, dass die Schauspielerin Jula Zangger, 37, einen Kredit aufnahm, das Gebäude kaufte und um einen Theatersaal für 120 Personen erweiterte – bis vor nicht allzu langer Zeit fungierte es als Gasthaus.

Zangger: Und daran erinnert noch: die Kühlkammer. Die haben wir uns behalten für erhitzte Regisseurinnen und Regisseure, wenn’s mal nicht mehr weitergeht emotional, dann kann man das da drinnen parken.

Zangger leitet das bisher so benannte Hoftheater Höf-Präbach. Ursprünglich an einem Bauernhof angesiedelt, kam die Spielstätte vor einigen Jahren nach einem Zerwürfnis mit den Eigentümern abhanden. Seitdem durchwanderten Zangger und ihr Team die Pampa und bewiesen Kreativität bei der Adaption unwirtlicher Räume. Dass sich ihr Programm dabei an die kunstferne Dorfbevölkerung anbiederte, kann man wahrlich nicht behaupten. Zangger neigt zum Experiment, besonders die moderne bildende Kunst hat es ihr angetan. Abende über Frida Kahlo, Jeff Koons und Marina Abramović waren zu sehen.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Änne Seidel
Dienstag, 9. Dezember 2025, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

In Sprecher, Autor Tags Theater, Interview, Steiermark, Deutschlandfunk

„ICH HATTE SOLCHE EHRFURCHT, DASS NIE ETWAS GEPASST HAT“ – Interview mit Leon Engler auf buchkultur.net

August 25, 2025 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Ein Roman voller Sätze, die ein ganzes Leben auf den Punkt zu bringen scheinen: »Botanik des Wahnsinns« heißt der Debütroman von Leon Engler.

Über 400 Fassungen gab es in fünf Jahren, das Endprodukt hat sogar die große Siri Hustvedt zu einem Blurb bewegt: Martin Thomas Pesl hat Leon Engler vorab der Veröffentlichung von »Botanik des Wahnsinns« zum Gespräch in Wien getroffen.

—

Buchkultur: Leon Engler, wir sind hier im Café Jelinek in Wien-Mariahilf. Ihrem Stammcafé?

Leon Engler: Es war eines. Ich habe um die Ecke gewohnt und war fast jeden Tag hier. Ich kenne die Kellner auch noch sehr gut – aber sie mich nicht.

Jetzt wohnen Sie nicht mehr in Wien?

Leider nein, sondern in Berlin. Da mache ich noch die Ausbildung zum Psychotherapeuten fertig. Ich habe aber schon beim österreichischen Sozialministerium angefragt, ob sie mich hier arbeiten lassen. Das entscheiden die aber erst, wenn ich in Deutschland die Approbation habe. Vielleicht muss ich noch Prüfungen nachholen.

Wenn Sie fertig sind, möchten Sie dann mehr schreibender Therapeut oder therapierender Autor sein?

Am liebsten 55 % Autor, 45 % Psychotherapie. So mache ich es gerade auch. Ich sehe an zweieinhalb Tagen die Woche schon Patienten. Den Rest schreibe ich. Das war immer mein Traum, jetzt hat es tatsächlich einigermaßen geklappt.

Gerade bei diesem Buch wäre es verlogen, nicht nach dem autobiografischen Kontext zu fragen. Der Protagonist heißt Leon, auch wenn das nur einmal in Form eines umgedrehten »Noel« zugegeben wird. Soll man als Leser/in denken, dass Sie mit Ihrer Erzählerfigur ident sind?

Es ist nicht autobiografisch, sondern autofiktional. Im ersten Kapitel steht ein Zitat von Siri Hustvedt, wonach Erinnerungsvermögen und Vorstellungskraft nicht voneinander zu trennen sind. Das ist Programm. Auch von Flaubert gibt es ein schönes Zitat: »Alles, was erfunden ist, ist wahr. Die Bovary leidet gerade in zwanzig Dörfern Frankreichs.« Und ich denke, die Familie, von der ich schreibe, leidet in zwanzig Städten Deutschlands und Österreichs. Natürlich ist mir auch unangenehm, dass das so ein autofiktionales Debüt ist. Das wollte ich eigentlich überhaupt nicht. Sonst habe ich immer Sachen geschrieben, die ganz weit weg von mir waren, zum Beispiel über einen Typen, der in den Outskirts von Moskau eine Mars-Simulation mitmacht und dann in sein altes Leben zurückkommt. Das waren Theatertexte, Kurzgeschichten. Deshalb ist es seltsam, dass mein erster Roman diese Realitätsanleihen hat. Die Hoffnung ist, dass sich in dem Persönlichen auch etwas Allgemeines spiegelt. Gleichzeitig gehört es zur Psychotherapie-Ausbildung auch dazu, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Der Satz steht auch im Buch: »Bevor du die Geschichte von anderen verlangst, musst du dich mit deiner eigenen konfrontieren.«

Sie sind zwar ein eher später Romandebütant, hatten Ihre erste Veröffentlichung als Theaterautor aber schon mit 22. Dennoch sagt Ihr Erzähler Sätze wie »Schriftsteller sind eine Hochrisikogruppe. Ich will nichts mit ihnen zu tun haben.« Oder in Bezug auf den Vater: »Schlosser schreiben in der Regel keine Autobiografien.« Sind Sie komplett von außerhalb in die Literatur hineingerutscht?

In der Tat gab es bei uns zu Hause keine Bücher, höchstens die Gesamtkollektion der »Lustigen Taschenbücher«. Als ich 16 war, hatte ich eine 20-jährige Freundin, die las die ganze Zeit und strich sich in den Büchern Sachen an. Sie wusste nicht, dass ich so viel jünger war, und um nicht dumm und unbelesen zu wirken, begann ich, die Bücher, die sie las, in der Bibliothek auszuleihen. So hat es bei mir angefangen.

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In Autor Tags Buchkultur, Interview, Literatur, Wien, Theater

„ES SIEHT KOMPLIZIERT AUS, FÄLLT UNS ABER IN WAHRHEIT LEICHT“ – Interview mit Alexander Vantournhout im Falter 30/25

July 22, 2025 Martin Pesl

© Bart Grietens

Zu seinem Impulstanz-Stück: Choreograf und Akrobat Alexander vantournhout über die grenzen zwischen Zirkus und Tanz

In seiner Geburtsstadt Brüssel lernte Alexander Vantournhout erst Zirkuskunst, dann schob er eine zeitgenössische Tanzausbildung hinterher. Bei ImPulsTanz machte seine Compagnie Not Standing im Vorjahr mit dem schwindelerregenden Akrobatikstück „Foreshadow“ auf sich aufmerksam. Dieses Jahr kehrt Vantournhout zum Festival zurück und zeigt etwas völlig anderes: ein kleines, feines Duett mit Bühnenpartnerin Emmi Väisänen. In „every_body“ sezieren die beiden Bewegungen des Alltags, darunter Gehen, Sitzen – und Handschütteln.

Falter: Herr Vantournhout, was hat Handschütteln im Tanz zu suchen?

Vantournhout: Der Handschlag ist etwas sehr Demokratisches. Manchmal kann er übergriffig sein, wenn jemand einen sehr festen Händedruck hat, aber im Prinzip ist er das absolute Minimum an Berührung, auf das wir uns geeinigt haben. Alle wichtigen Leute haben einen choreografierten Handshake, Trump zum Beispiel. Das Interessante ist: Man macht nie die gleiche Armbewegung zurück wie hin, sonst sieht es künstlich aus. Ich habe viel recherchiert, wie ein Handschlag zu komplexeren Griffen mutieren kann. Das wird mitunter recht poetisch, ebenso wie andere Alltagsbewegungen.

Was fasziniert Sie an diesen Bewegungen?

Vantournhout: Gehen zum Beispiel ist etwas extrem Kompliziertes. Es gibt Roboter, die in Wettläufen gegeneinander antreten, aber gegen Menschen haben sie keine Chance. Außerdem verfügen wir alle über einen speziellen Gang. Eine Person ist von weitem anhand ihres Ganges leicht zu identifizieren, aber nicht mehr unbedingt, wenn sie steht. Im Stück bilden meine Kollegin und ich beim Gehen einen Kollektivkörper, halten einander im Gleichgewicht, verschränken die Beine. Es sieht kompliziert aus, fällt uns aber in Wahrheit leicht.

Weiterlesen im Falter 30/25

In Autor Tags Tanz, Zirkus, Falter, Interview, Festival, Impulstanz, Wien
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