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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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NIEMAND STIRBT SCHÖNER – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

June 12, 2026 Martin Pesl

© Ximena y Sergio

Die Regisseurin Angélica Liddell ist fasziniert vom Tod und insbesondere vom Suizid. Ihre neue Arbeit "Seppuku" widmet sie dem japanischen Schriftsteller Yukio Mishima und seinem spektakulären Lebensende.

12. Juni 2026. Japan toll finden, das geht leicht. Insofern hält sich die Originalität in Grenzen, aus der eigenen Besessenheit von der für uns fernst-östlichen aller Kulturen Theater zu machen. Es sei denn, man ist Angélica Liddell. Denn die spanische Performancekünstlerin hat sich von allem Japanischen das Abgründigste ausgesucht, um davon besessen zu sein: Seppuku, auch bekannt als Harakiri, verleiht ihrer neuesten Arbeit den Titel.

Eros und Thanatos

Und es stimmt ja auch: Niemand umarmt den Tod schöner, grausamer, dramatischer als die alten Japaner. Die Anleitung dazu liest anfangs der Performer und Nō-Schauspieler Kazan Tachimoto mit tiefer Stimme und geradezu grotesker Erregung vor. Sie stammt von Yukio Mishima, einem Tokioter Autor (1925–1970), mit dem Liddell die Lust zu sterben teilt – und Lust ist durchaus erotisch gemeint. 1970 nahm sich der Schriftsteller 46-jährig auf genau die Art das Leben, die er immer angekündigt und erträumt hatte.

In einem Bühnenbild aus Elementen eines japanischen Schreins schildert Liddell über den Abend verteilt, was sie alles mit Mishima verbindet. Das Publikum sieht etwa Fotos davon, wie sie 2010 ihre eigene Erhängung vorbereitete, nackt, nur mit einer Unterhose im Kniebereich. Schon in ihrer ersten Performance im Alter von 25 Jahren, berichtet Liddells Stimme vom Band, kam eine Selbstmörderin "à la japonaise" vor, obwohl sie damals mit dem Œuvre Mishimas noch gar nicht vertraut war. Als dieser 1966 seinen Selbstmord in einem Kurzspielfilm thematisierte, befand sich sein Superfan noch im Mutterleib.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Japan, Wiener Festwochen, Festival

WIEDERGELESEN: ES GIBT NUR DEN KRIEG – Klassikerrezension in der Buchkultur 226

June 11, 2026 Martin Pesl

Ingeborg Bachmann und ihr Genresprenger von einem Roman: Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. Aufg’legt, dass Suhrkamp ihren einzigen vollständigen Roman „Malina“ neu auflegt. Wie macht er sich bei der Wiederlektüre?

Pink wie der „Barbie“-Film: Das Cover der Zentenariumsedition von Ingeborg Bachmanns „Malina“ behauptet einen positiven Feminismus, an dem sich auch Greta Gerwig versuchte, als sie die langbeinige Mattel-Puppe vor drei Jahren höchst erfolgreich zum Leben erweckte. Im Sommer 2023 konkurrierte ihr Werk mit Christopher Nolans „Oppenheimer“ medienwirksam um Platz eins an den Kassen. Ironischerweise ist das Schwarz-Weiß-Epos über den Vater der Atombombe im Grundton Bachmann um einiges näher.

„Es gibt nicht Krieg und Frieden, es gibt nur den Krieg“, zitiert Elfriede Jelinek sie in ihrem Nachwort der Suhrkamp-Neuausgabe. Die heutige Literaturnobelpreisträgerin hat es zwar schon 1983 verfasst, zehn Jahre nach Bachmanns Tod, im Auftrag des MagazinsSpiegel. Dort bezahlte man sie für ihren Text, druckte ihn aber nicht. Die Redaktion hatte sich wohl Bachmann-Bashing erwartet, Jelinek jedoch – die wieder eine knappe Dekade danach das Drehbuch zu Werner Schroeters „Malina“-Verfilmung schreiben sollte – pries ihre tote Kollegin und Landsfrau und verteidigte sie gegen männliche Übermachtfantasien. Vielleicht rechtfertigt diese Schwesternschaft ja wieder die pinken Buchdeckel.

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In Autor Tags Rezension, Literatur, Buchkultur, Österreich, Jubiläum

SCHOTTEN IM SCHRANK – Romanrezension in der Buchkultur 226

June 11, 2026 Martin Pesl

Douglas Stuart legt mit „John of John“ ein wahrhaft herzzerreißendes Familienepos vor.

Wir schreiben die Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Auf der Hebriden-Insel Harris sprechen viele noch Gälisch. Der Protestantismus hat die Bevölkerung fest in der Hand. John-Calum Macleod, kurz Cal, hat seinen Vater John und seine Großmutter Ella hier zurückgelassen, um auf einem Textilcollege bei Edinburgh zu studieren. Als ihm John im Zuge eines Telefonats – nach den üblichen gemeinsamen Gebeten – erklärt, es stehe schlecht um Ellas Gesundheit, kehrt Cal mit 22 nach Hause zurück (und weil er keinen Job findet).

Nun hüten die Menschen auf Harris aber nicht nur Schafe – und Webstühle –, sondern auch Geheimnisse. Hauptsächlich handelt es sich um eine einzige Sache, die Vater und Sohn einander partout vorenthalten:

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In Autor Tags Rezension, Literatur, Großbritannien, Buchkultur

OHNE GEBÄRBEGEHR – Romanrezension in der Buchkultur 226

June 11, 2026 Martin Pesl

„Um uns nur Dunkelheit“ ist das Romandebüt von Tracey Rose Peyton.

Es klingt irgendwie lustig: die Luzis. Allerdings bezeichnen die sechs versklavten Frauen, die im Jahr 1852, meist im kollektiven „Wir“, ihre Erlebnisse auf einer Baumwollplantage in Texas schildern, mit diesem charmanten Begriff ihren Besitzer – eine Ausgeburt Luzifers –, und seine Frau. Tatsächlich haben Nan, Alice, Patience, Junie, Lulu und Serah sehr wenig zu lachen. Da Mrs. Luzi, die eigentlich Lizzie heißt, Schwierigkeiten hat, ihre Säuglinge zu stillen, kommt ihr Mann auf die Idee, die verfügbaren Sklavinnen schwängern zu lassen, auf dass mehr Muttermilch vorhanden sei, und engagiert eigens Männer zu diesem Zweck. Die Erzählerinnen bezeichnen die Angeheuerten ganz ungeniert als Zuchtn. (nicht nötig, das Wort hier auszuschreiben) und suchen kreative Wege, der Zwangsbefruchtung zu entgehen.

Weiterlesen in der Buchkultur 226

In Autor Tags Rezension, Literatur, Buchkultur, USA
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