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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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FACEBOOK-STAMMTISCH AUS FLEISCH UND BLUT – Kritik aus dem Strandgasthaus Birner im Falter 5/26

January 28, 2026 Martin Pesl

Thomas Frank, Bettina Schwarz © Thomas Lieser

Bernhard Dechant ist ein sehr politischer Mensch. Dieses Jahr wird der Wiener Schauspieler und Autor 50. Er gehört also der Generation Facebook an und bekommt mit, wie sich Menschen in scheinbar harmlosen Kontexten radikalisieren.

Seit acht Jahren beobachtet Dechant als Mitglied die Facebook-Gruppe „Ich wohne auf der richtigen Seite der Donau (21., 22. Bezirk)“, gegen die der SPÖ-Parlamentsklub 2018 wegen hetzerischer Postings im Mantel der Satire erfolglos Anzeige erstattete. Ermittlungen wurden keine aufgenommen, die Administratoren schritten dennoch ein: Eine Zeitlang durften nur Mitglieder in der Gruppe posten und liken. Deren Zahl stieg indes auf über 20.000.

Für sein Theaterprojekt „Die richtige Seite“ versetzt Dechant den virtuellen Stammtisch in ein äußerst analoges Wirtshaus, den urigen Birner in Floridsdorf. Die verschiedenen „Profile“ nehmen Fleisch und Blut an: Babett Arens als Wirt/Admin zapft hinter der Budl Drinks als Belohnung für reichweitenstarke Beiträge, der Hilfsdiener (Johnny Mhanna) wirft Münzen in den Wurlitzer, um das nächste Thema auszuwählen. Dauerbrenner: Genderterror und „das Fremde“.

Weiterlesen im Falter 5/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Falter, Wien

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Radiokritik aus dem Akademietheater auf Deutschlandfunk Kultur

January 28, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Auftrag

Kritik der Premiere „Der irrende Planet“ im Gespräch mit Gabi Wuttke

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Der Schweizer Schriftsteller Robert Walser ist, in rund 40 Sprachen übersetzt, ein Weltdichter. Dabei scheint sein Interesse nicht den großen Weltdeutungen zu gelten, sondern den vermeintlich kleinen Dingen am Rande des Daseins. Dort, an den Rändern, finden seine dichterischen Spaziergänge statt, von denen Susan Sontag sagte, sie verwandelten „obsessiv Zeit in Raum“.

Wer so neugierig und demütig spaziert wie Walser, erforscht nichts weniger als das ganze Leben. Auf Walsers Fährte erkunden wir die zarte Schönheit der Existenz – aber der Abgrund bleibt uns nicht erspart.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Gabi Wuttke
Mittwoch, 28. Januar 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Theater, Wien, Kritik, Burgtheater, Schweiz

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Schauspielhaus Zürich im Deutschlandfunk

January 18, 2026 Martin Pesl

© Arno Declair

Auf dem Bühnenvorhang prangt ein QR-Code. Mit der Handykamera gescannt, führt er in den Familienchat der drei Schwestern – samt Emojis. Vor allem aber bietet der Code ein vergnügliches erstes Bild an diesem Abend im Schauspielhaus Zürich, wenn er sich nämlich in eine Live-Projektion des Bühnenbilds aus der Vogelperspektive verwandelt: Die Altbauwohnung, in der sich die Migrantinnen aus einem Balkanland im ersten Wiener Gemeindebezirk günstig eingemietet haben, sieht von oben aus wie ein riesiger, giftgrüner QR-Code. Hier liegen sie rum, wie verwachsen mit der Bettwäsche, die Haare am Kissen festgeklebt. Erschöpft.

Lejla: Ich unterrichte und schreibe mehr als jemals zuvor. Am Abend lese ich, zum Entspannen stricke ich. Ich bin müde. Müde wie ein HUND! Ich bin müde von Trends und Anpassung, ich bin müde von den Diskussionen, in denen alle immer denken, die Moral auf ihrer Seite zu haben auf Kosten der Schwächsten. Ich bin müde von eurem Nicht-Hinterfragen und von meinem Hinterfragen. Und weil ich so erschöpft bin, schlafe ich oft mitten in einer Situation ein. Das kann passieren.

Nina: Du könntest kündigen.

Geflüster: Kündigen!

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Sonntag, 18. Januar 2026, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Kritik, Schweiz

WEISST DU NOCH, DAMALS? – Nachtkritik aus dem Schauspielhaus Graz

January 17, 2026 Martin Pesl

© Lex Karelly

Einen Berg voll unheilbarer Verluste baut Rebekka David in ihrer neuen Stückentwicklung auf. Er fußt mitten im Herzen von Graz.

17. Januar 2026. Wahrscheinlich ist es einfach an der Zeit. Die Rezeptionsglocke klingelt nicht, die Telefonleitungen in den Zimmern sind defekt, und der Herr Rudolf vom Empfang kann sich den Namen des neuen Hoteldieners nicht merken, der in Gestalt Dominik Puhls eifrig den güldenen Gepäckwägen umplatziert. Der Anruf einer Frau Kommerzialrat schockiert Personal und Kundschaft gleichermaßen: Das Grand Hotel Steirerhof muss schließen, um zwölf kommt die Planierraupe.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Dieses Hotel gab es wirklich, am Grazer Jakominiplatz. Es galt als erste Adresse der Stadt, bis es Anfang der Neunziger abgerissen wurde. Heute steht da eine Mall mit Fitnesscenter, Restaurant und Rolltreppen, zuvor aber mieden viele Einheimische lange den zentralen Jakominiplatz, weil sie die Leerstelle nicht ertrugen. Das ist reale Historie, dem wissenden Gemurmel im Saal nach zu schließen, als Schauspielhaus-Urgestein Rudi Widerhofer in seiner Rolle als Herr Rudolf dieses Szenario skizziert. Er tut es freilich als visionäre Kassandra, denn noch erlebt das Fünf-Sterne-Hotel ja seine letzten Stunden. Wir schreiben das Jahr 1989, und es gibt Wählscheibentelefone mit Wahlwiederholungstaste.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Steiermark, Geschichte
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