• Aktuell
  • Blog
  • Autor
  • Übersetzer
  • Sprecher
  • Lektor
  • Kontakt
Menu

Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

Street Address
Vienna
Phone Number

Your Custom Text Here

Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

  • Aktuell
  • Blog
  • Autor
  • Übersetzer
  • Sprecher
  • Lektor
  • Kontakt

DAS LEXIKON DER GEHIRNWÄSCHE – Nachtkritik von den Sommerspielen Melk

June 18, 2026 Martin Pesl

Isabella Knöll © Daniela Matejschek

Lose an George Orwell orientiert ist die packende Diktaturerzählung "Das Ministerium der Wahrheit" von Jérôme Junod. Alexander Hauer, Chef der Sommerspiele Melk, eröffnet mit ihr seinen Festivalsommer. Eine eisige Brise Wortkunst weht durch den Stiftort.

18. Juni 2026. Altsprech und Neusprech, Ozeanien oder Ostasien – die Begrifflichkeiten hat Jérôme Junod direkt George Orwells Literaturklassiker "1984" entnommen. Auch "Das Ministerium der Wahrheit", das seinem neuen Stück den Titel leiht, bot schon bei Orwell Arbeit im autoritär regierten Überwachungsstaat.

Dennoch bringt Junod nicht den Roman auf die Bühne. Seine Figuren heißen Nora, Wenzel, Severin, und ihr Neusprech ist ein recht umgangssprachliches Österreichisch ("Passt schon") mit grammatischen Vereinfachungen: "Erster" und "dritter Kanal" heißen "einster und dreister".

Am Fuß von Stift Melk

Der Schweizer Junod ist zwar auch Regisseur (und nebenbei Leiter eines neuen Studiengangs "Stage Narration" an der Uni Krems). Dennoch hat für diesen Abend nach einer dreijährigen Regiepause der Chef der Sommerspiele Melk wieder selbst das Ruder übernommen: Alexander Hauer. Ob er wohl gemeint ist mit "dem Erzintendanten", Junods Variation auf Orwells Big Brother? Es würde ihm womöglich schmeicheln; Hauer leitet die Sommerspiele Melk seit 2013.

Das Konzept ist jeden Sommer ähnlich: Bekannte Autor:innen erhalten Stückaufträge zu großen, oft historischen oder mythologischen Themen. Abwechselnd steht in der Wachauarena mit Blick aufs imposante Stift Melk eine thematisch irgendwie dazu passende Musikrevue auf dem Programm. Sie ist dem puren Entertainment verschrieben (diesmal mit Hits der Eighties!), während das Schauspiel, wenngleich höchst variabel im Zuschnitt, regelmäßig zu den inhaltlich anspruchsvollsten Programmpunkten des bunten niederösterreichischen Festspielsommers gehört – und diesen mit einer Premiere Mitte Juni meist auch eröffnet.

Weiterlesen …

In Autor Tags Nachtkritik, Theater, Festival, Niederösterreich

NIEMAND STIRBT SCHÖNER – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

June 12, 2026 Martin Pesl

© Ximena y Sergio

Die Regisseurin Angélica Liddell ist fasziniert vom Tod und insbesondere vom Suizid. Ihre neue Arbeit "Seppuku" widmet sie dem japanischen Schriftsteller Yukio Mishima und seinem spektakulären Lebensende.

12. Juni 2026. Japan toll finden, das geht leicht. Insofern hält sich die Originalität in Grenzen, aus der eigenen Besessenheit von der für uns fernst-östlichen aller Kulturen Theater zu machen. Es sei denn, man ist Angélica Liddell. Denn die spanische Performancekünstlerin hat sich von allem Japanischen das Abgründigste ausgesucht, um davon besessen zu sein: Seppuku, auch bekannt als Harakiri, verleiht ihrer neuesten Arbeit den Titel.

Eros und Thanatos

Und es stimmt ja auch: Niemand umarmt den Tod schöner, grausamer, dramatischer als die alten Japaner. Die Anleitung dazu liest anfangs der Performer und Nō-Schauspieler Kazan Tachimoto mit tiefer Stimme und geradezu grotesker Erregung vor. Sie stammt von Yukio Mishima, einem Tokioter Autor (1925–1970), mit dem Liddell die Lust zu sterben teilt – und Lust ist durchaus erotisch gemeint. 1970 nahm sich der Schriftsteller 46-jährig auf genau die Art das Leben, die er immer angekündigt und erträumt hatte.

In einem Bühnenbild aus Elementen eines japanischen Schreins schildert Liddell über den Abend verteilt, was sie alles mit Mishima verbindet. Das Publikum sieht etwa Fotos davon, wie sie 2010 ihre eigene Erhängung vorbereitete, nackt, nur mit einer Unterhose im Kniebereich. Schon in ihrer ersten Performance im Alter von 25 Jahren, berichtet Liddells Stimme vom Band, kam eine Selbstmörderin "à la japonaise" vor, obwohl sie damals mit dem Œuvre Mishimas noch gar nicht vertraut war. Als dieser 1966 seinen Selbstmord in einem Kurzspielfilm thematisierte, befand sich sein Superfan noch im Mutterleib.

Weiterlesen …

In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Japan, Wiener Festwochen, Festival

ANNALENA BAERBOCK KANN WARTEN – Nachtkritik von den Wiener Festwochen im Schauspielhaus Wien

June 3, 2026 Martin Pesl

© Inés Bacher

3. Juni 2026. In Kooperation mit den Festwochen bringt das Schauspielhaus Wien einen Abend mit vier Stücken heraus, die sich mehr oder weniger assoziativ mit den Anschlägen vom 11. September befassen. Beteiligt sind unter anderem Claudia Rankine, Ozan Zakariya Keskinkılıç und Sivan Ben Yishai. Und ja, es wird wild!

3. Juni 2026. Wer weiß, was am 11. September passiert ist? Genau: Der Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall überquerte schwimmend die Donau (1834). Das vereinte christliche Heer schaffte die Wende im Krieg gegen die Osmanen, das Ende der Zweiten Wiener Türkenbelagerung wurde eingeleitet (1683). Und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock traf eine Gruppe von Künstler:innen zu einer Diskussion nach dem Motto #respektvollstreiten (2024).

Das alles erfährt man im Rahmen eines vierteiligen Autor:innen-Theaterprojekts am Schauspielhaus Wien. "9/11 Frames per Second" widmet sich den Folgen jenes 11. September 2001, der hier natürlich eigentlich gemeint ist. Der stilistisch, energetisch und inhaltlich bunte Abend ist eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen, die dieses Jahr nach dem Motto "We Need New Gods" dem Religiösen in allem kritisch nachspüren wollen. Die Terrorakte 2001 fanden ebenso wie die Reaktion darauf vorgeblich im Namen des Glaubens statt. Passt also.

Film und Poesie

Wir sind im 25. Jahr danach, und die damals auf der Welt waren, können sich meist noch erinnern, was sie gerade taten, als die Meldung vom ersten Flugzeug kam, das ins World Trade Center krachte. Dennoch gibt es hier keine Flugzeuge, keine einstürzenden Türme – das erste sichtbare Bild ist die Skyline von Manhattan an einem freundlichen Morgen post 9/11. Es ist auf eine von mehreren Leinwänden projiziert, aufgespannt auf der stufenförmigen Bühne, denn das erste Projekt, von Claudia Rankine und Bateira, kombiniert die Kunstformen Film und Poesie. In der Projektion versteckt sich eine PoC-Frau in ihrer modernen New Yorker Wohnung vor der Migrationsbehörde ICE. Indes liest Rankine mit performativer Monotonie einen Text, der das Innenleben der Protagonistin wiedergeben könnte, Überschrift und letzte Worte lauten: "Are You Afraid Yet?"

Weiterlesen …

In Autor Tags Nachtkritik, Theater, Wien, Festival, Wiener Festwochen

NITSCH ZU DANKEN – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

May 24, 2026 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Florentina Holzinger hat mit ihren Perfomerinnen den nächsten großen Aufschlag hingelegt: Auf Einladung der Witwe von Hermann Nitsch gastierte sie über Pfingsten unter anderem am früheren Spielort des Orgien Mysterien Theaters. "Pfingstspiel" ist ein neunstündiges Spektakel, das den Holzinger-Kanon nochmal verfeinert.

24. Mai 2026. Und natürlich sind wieder Leute umgekippt. Wie so oft bei den Arbeiten von Florentina Holzinger kann dies nicht mit Bestimmtheit der Heftigkeit ebenjener Arbeiten zugeschrieben werden. Es kann auch an der Hitze an diesem Pfingstsamstagnachmittag liegen. Die Sonne brannte herunter auf den Platz des Wiener Eislauf-Vereins, Schatten gab es keinen.

Hier, gleich neben Konzerthaus und Akademietheater, fahren die Einheimischen im Winter Schlittschuh. Gelegentlich steht auch ein Zirkuszelt auf dem weitläufigen Platz. Diesmal stieg hier der Auftakt zu einer einmaligen Aktion von Florentina Holzingers "Pfingstspiel" im Rahmen der Wiener Festwochen. Die in den Augen Vieler wichtigste Künstlerin der Gegenwart war kurz auf Heimatbesuch aus Venedig, wo sie mit dem österreichischen Biennale-Pavillon Aufregungen verschiedenster Art befeuert.

Verfeinerung des Kanons

Auf dem eisfreien Eislaufplatz gab es also: ein nacktes Orchester, das eine fast liebliche Komposition spielte; Bláthin Eckhardt, die die Fassade des angrenzenden Hotels Intercontinental hinunterspazierte, ein Zitat von Trisha Browns oft kopiertem "Man Walking Down the Side of the Building"; ein an Rückenpiercings hereingezogenes Auto; darauf turnend Holzinger mit durch beide Wangen gestochener Sprühkerze, während das Auto in einem Affentempo seitlich im Kreis fuhr.

Holzinger und ihr Trupp veranstalten solche "Etüden" öfter. Dabei geht es weniger darum, die eigenen künstlerischen Mittel weiterzuentwickeln, sondern sie zu verfeinern. Im Prinzip lässt sich das mit dem aktuellen "Star Wars"-Film "The Mandalorian and Grogu" vergleichen: Es passiert nichts Entscheidendes für den Kanon, aber die Fans dürfen ihre Lieblinge wiedersehen und freuen sich umso mehr auf den nächsten großen Aufschlag des Franchise.

Weiterlesen …

In Autor Tags Performance, Kritik, Kunst, Nachtkritik, Wiener Festwochen, Festival
Older Posts →

FILTER

Filtern nach Kategorie: Blog
Filtern nach Kategorie:
Filtern nach Kategorie: Übersetzer
Filtern nach Kategorie: Sprecher
Filtern nach Kategorie: Lektor
RSS Feed des Blogs abonnieren

Tags

  • Theater
  • Kritik
  • Falter
  • Wien
  • Festival
  • Nachtkritik
  • Buchkultur
  • Wiener Festwochen
  • Burgtheater
  • Interview
  • Performance
  • Deutschlandfunk Kultur
  • Rezension
  • Tanz
  • Bericht
 


℗ © 2005–2016 Martin Thomas Pesl