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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ERST ANARCHISCH, DANN BRAV – Kritik aus dem Burgtheater im Falter 43/26

October 22, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Stefanie Reinsperger wühlt in der „Schreiße“

Man stelle sich vor, jemand geht auf eine Bühne und ruft: „Merdre!“, zu Deutsch: „Schreiße!“. Da nutzt das r nichts: Als im Jahr 1896 so die Uraufführung von Alfred Jarrys erstem Theaterstück „König Ubu“ begann, kam es zu Tumulten im Zuschauerraum.

130 Jahre später ist der Stoff, den der Franzose zwölfjährig als Travestie auf seinen Physiklehrer entwarf, Kult – und am Burgtheater angekommen. Wenn Stefanie Reinsperger als Vater Ubu das erste Wort äußert – „Schreiße!“ –, lieben sie die Leute dafür. Unruhig war es im Zuschauerraum schon davor, denn Reinsperger und ihr Bühnenpartner Sebastian Wendelin in der Rolle der Mutter Ubu haben ihn noch bei vollem Saallicht in einem riesigen Kuhkostüm betreten und zum allgemeinen Gaudium umständlich versucht, sich durch die Reihen zu winden.

Weiterlesen im Falter 43/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Wien, Burgtheater, Falter

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Burgtheater im Deutschlandfunk

October 17, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Muhen, Unruhe, Lachen. Darüber Off-Text: 

Da ist eine Kuh im Burgtheater! Keine echte natürlich. Zwei Personen stecken in einem Kostüm und zwängen sich durch die Publikumsreihen. Amüsant umständlich ist das und gibt einigen Zuschauenden die Möglichkeit, ein falsches Tier zu streicheln. Mit Ach und Krach schaffen es die beiden auf die Bühne, legen ihre Kuhhaut ab – und stellen sich als die Stars des Abends heraus: Stefanie Reinsperger als Vater Ubu und Sebastian Wendelin als Mutter Ubu in Alfred Jarrys Kultgroteske aus dem späten 19. Jahrhundert.

VATER UBU: Schreiße.

Dem eingebauten „r“ zum Trotz sorgte das allererste Wort des Stückes bei der Uraufführung für Tumulte. Heute erwartet man nichts anderes, zumal von einer Stefanie Reinsperger, die sich mit Wiener Zunge und Mut zur Derbheit seit ihrer Rückkehr an die Burg aus Berlin in die Herzen des Publikums gespielt hat. Stefan Bachmann weiß das gut einzusetzen. Reinsperger und ihr Kollege Sebastian Wendelin erfreuen das Publikum eine Stunde lang mit kleinen improvisierten Tricks. Dennoch bringen sie Jarrys absurde Handlung voran: Die Ubus beschließen, den polnischen König vom Thron in den Tod zu stoßen. 

MUTTER UBU: Dabei könntest du auf deiner Birne die polnische Krone tragen!

VATER UBU: I versteh wirklich kein Wort!

MUTTER UBU: Du bist einfach zu dumm!

VATER UBU: Der König Wenzel lebt noch vergnügt, und selbst wenn der König Wenzel tot wäre, der hat doch unzählige Kinder!

MUTTER UBU: Ja, aber wer hindert dich denn, die ganze Familie zu massakrieren und dich an ihren Platz zu setzen?

Dass zu dem Königsmord schließlich ein Freiwilliger aus dem Publikum überlistet wird, ist eine witzige und nahbare Idee. Kurz darauf erklärt das neue Königspaar einzelne Zuschauende zu Adeligen, die der Usurpator Ubu „enthirnt“, also köpft. Ein anarchisches Schauspiel, das Jarrys Stil des Grand Guignol, also des grotesken Horrortheaters, unterhaltsam in die Gegenwart überträgt und gleichzeitig mühelos Referenzen auf Regierende wie Donald Trump zulässt. Wendelin und Reinsperger sind ein unschlagbares Comedy-Duo, dem man gern zusieht. Da stört es auch gar nicht, dass über eine Stunde lang der Vorhang nicht aufgeht. Der ganze dreckige Spaß spielt sich bei zumindest schwachem Saallicht auf der Vorderbühne und unter den Leuten ab.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Anja Reinhardt
Samstag, 17. Oktober 2026, 17:30 Uhr

"König Ubu" - Stefanie Reinsperger in Alfred Jarrys Klassiker an der Wiener Burg
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk, Burgtheater, Wien

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik aus dem Burgtheater auf Deutschlandfunk Kultur

October 16, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Auftrag

Kritik der Premiere „König Ubu“ im Gespräch mit Andrea Gerk

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Angestachelt von ihrer Gier nach Macht ermorden Vater und Mutter Ubu den König von Polen und reißen die Krone an sich. Als Regierende herrschen sie mit Willkür, führen wahnwitzige Steuern ein und lassen das Volk hinrichten. Im Krieg gegen Russland werden sie gestürzt und müssen fliehen. Im Haus eines Wissenschaftlers nisten sie sich ein und treiben in der Welt des Spießbürgertums ihr Unwesen. Schließlich zieht es sie zurück nach Frankreich. Dort beginnen sie ein neues Leben – überzeugt davon, dass nur in der Sklaverei Freiheit liege. 

Mit der Figur Ubu schuf der Bohemien Alfred Jarry eine grelle Satire auf Herrschaft, Gewalt und Ideologien. Seine Vision sprengte das traditionelle Theater. Stefan Bachmann erweitert das ubueske Universum um die weniger bekannten Stücke UBU HAHNREI und UBU IN KETTEN. Jarrys „pataphysische Welt“ steht kopf und wird zur grotesken Spiegelung unserer eigenen.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Andrea Gerk
Freitag, 16. Oktober 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

"König Ubu" am Wiener Burgtheater mit Wendelin und Reinsperger
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Theater, Kritik, Burgtheater

TAFELRUNDE, EXCALIBUR UND GRALSSUCHE: IRONISCHE ZAUBERREISE INS MITTELALTER – Kritik im Falter 37/26

September 8, 2026 Martin Pesl

Sarah Viktoria Frick © Tommy Hetzel

So monumental ist das berühmteste Werk des schreibenden Ehepaares Tankred Dorst und Ursula Ehler, dass sich seit der Fertigstellung 1981 nur wenige trauten, „Merlin oder Das wüste Land“ aufzuführen. Der für bildstarke und verspielte Inszenierungen bekannte Regisseur Antú Romero Nunes versucht es, indem er die Handlung zusammenfasst – dreieinhalb Stunden bleiben übrig – und sehr frei mit dem Text umgeht.

In dieser philosophischen Interpretation des mittelalterlichen Artus-Stoffes ist der Zauberer Merlin der Sohn des Teufels, will aber dessen Plan, die Menschheit ins Böse zu führen, vereiteln und stattdessen Sinn schaffen. So macht er denjenigen zum König, der es schafft, das Schwert Excalibur aus einem Stein zu ziehen – es ist Artus. Der soll mithilfe einer technischen Innovation, des runden Tisches, verfeindete Ritter zusammenbringen und an einer neuen Gesellschaftsordnung arbeiten lassen.

Weiterlesen im Falter 37/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Burgtheater, Wien, Falter
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