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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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EINE HOSE IST EINE HOSE IST EINE HOSE – Festivalbericht vom steirischen herbst auf Nachtkritik.de

September 28, 2026 Martin Pesl

Ekaterina Degot © Martin Thomas Pesl

Als internationales Festival hat der Steirische Herbst in Graz Bedeutung und Tradition. Seine Zukunft ist hingegen ungewiss. Zu Beginn der vorletzten Ausgabe von Festivalleiterin Ekaterina Degot liefen nun Arbeiten, die inhaltlich klare Punkte setzten.

28. September 2026. Reden gehören eher selten zu den Highlights von Festivals. Der Steirische Herbst in Graz schert hier aus. Ekaterina Degot leitet das Festival seit 2018. Persönliche Gespräche führt die Russin lieber auf Englisch. Die traditionelle Ansprache zur Eröffnung jedoch hält sie auf Deutsch. Dabei spricht sie frei, unter weitgehender Ignoranz des Skripts, das ihre Presseabteilung zuvor mit Sperrfrist an Journalist:innen versandt hat. Mit dem bösesten Humor sagt sie die klügsten Sachen, dabei kommt sie einem vor wie die Nachbarin, die man gerade auf einen Tratsch in der Waschküche getroffen hat.

Dieses Jahr war es besonders lustig. Der Auftakt fand bei gerade aufreißendem Spätsommerhimmel nachmittags auf dem Karmeliterplatz hinter dem Grazer Schauspielhaus statt, vor einem Gebäude der steirischen Volkspartei. Es heißt, dass Ekaterina Degot ihre Rede gern vom dortigen Balkon aus gehalten hätte. Das ging nicht, also nutzte sie das Bühnenbild der Eröffnungsperformance und ließ sich maximal effektvoll mit einem Baulift in die Höhe fahren. Über der Menge schwebend konstatierte sie dann beispielsweise lakonisch – man stelle sich unbedingt den russischen Akzent dazu vor: "Manchmal ist eine Lederhose einfach eine Lederhose."

Festival-Zukunft derzeit ungewiss

Ja, aber manchmal ist derart demonstrativer Patriotismus eben auch ein Warnsignal. "Red Flags" lautet das Motto des steirischen herbst 2026, das stadtweit in Grün und Rot von öffentlichen Verkehrsmitteln und Plakaten prangt. Wie schon vor zwei Jahren, da hieß es "Horror Patriae", versteckt sich die Gefahr dabei in Volkstümelei, falsch verstandenem Traditionsbewusstsein und Geschichtsverzerrung. Der Alarm schlägt keine Sekunde zu früh. Degots Vertrag läuft aus, 2027 leitet sie ihre letzte Ausgabe. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Den steiermärkischen Landeshauptmann stellt die rechte FPÖ, die mehr "Volkskultur" will, und die Stadt Graz hat zwar eine sehr beliebte kommunistische Bürgermeisterin, aber absolut kein Geld.

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In Autor Tags Festival, Bericht, Steiermark, Nachtkritik

DOCH NOCH SCHWEIN GEHABT IN SALZBURG – Doppelkritik von den Salzburger Festspielen im Falter 34/26

August 19, 2026 Martin Pesl

© Ole Lagerpusch (links) und André Szymanski SF/Armin Smailovic

Bei den Salzburger Festspielen bringt das Schauspielprogramm zwei Großereignisse: ein erwartetes und eine Überraschung

Es konnte nur besser werden, und es wurde viel besser. Für den manierierten „Faust“ und die prätentiösen Uraufführung des neuen Textes von Peter Handke entschädigten die letzten Premieren des Schauspielprogramms bei den Salzburger Festspielen vollends. In beiden Fällen durften Regieteams ans Werk, die Lust am Experiment hatten.

Im Falle von „Unter Tieren“ erfolgte das Spektakel mit Ansage. Das angeblich letzte Theaterstück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek handelt von Tieren, die mit Begriffen rund um Geld und Wirtschaft hantieren. Regisseur Nicolas Stemann erklärte im Vorfeld, er werde mit Band und siebenköpfigem Ensemble eine knapp vierstündige „Textumsetzungsmaschine“ auffahren. Einen Teil inszeniere eine KI, und vielleicht käme eine Live-Schaltung zum Milliardär Peter Thiel zustande.

Ein gelungener Witz, der auf den Skandal bei den heurigen Wiener Festwochen anspielte und mediale Aufmerksamkeit erzeugte. Thiel war natürlich nicht wirklich eingeladen, dafür gab eine bewusst schlechte KI-Animation seines Konterfeis ein Interview und rezitierte ein paar Zeilen Jelinek. Darüber hinaus ist „Unter Tieren“ das Happening geworden, als das es angekündigt wurde. Kaum ein künstlerisches Mittel wird gescheut, um den wortspielfreudigen Jelinek-Text zu feiern, aber auch zu fordern.

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In Autor Tags Falter, Theater, Kritik, Festival, Salzburg

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Kritik von den Salzburger Festspielen auf Deutschlandfunk Kultur

August 16, 2026 Martin Pesl

© SF/Arno Declair

Auftrag

Kritik der Premiere „Unter Tieren“ im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Die Wege des Geldes sind unergründlich. Für manche führen sie zielstrebig bergauf, für andere erweisen sie sich als Sackgasse oder als Pfad in Richtung Prekariat. Alternative Routen existieren anscheinend nicht: Geld regiert die Welt und uns und unser Leben und deshalb bleibt ihm Elfriede Jelinek als Chronistin und Kassandra hartnäckig und folgerichtig auf den Fersen – und manchmal ist sie ihm auch ein paar entscheidende Schritte voraus.

Jelineks jüngstes Drama Unter Tieren holt weit aus und zielt dabei treffgenau in die Untiefen unserer verlogenen und ideell ausgehöhlten Gesellschaftswelt. Von der Bibel bis zu René Benko wird nichts ausgelassen: Es geht um unstillbare Raffgier, um phrasendreschende Politiker und Wirtschaftsbosse, um geheuchelte Systemkritik und um Begriffe wie soziale Gerechtigkeit oder Chancengleichheit, die mittlerweile nur noch Worthülsen zu sein scheinen. Es geht um menschliche Käuflichkeit und um unverschämte, skrupellose Korruption. Und natürlich um eine scheinbar nicht kleinzukriegende Rüstungs­industrie, um Kriege, um Geld verschlingende, mörderische Kriege.

Wir leben in einer trotz ihrer Dysfunktionalität erstaunlich resilienten Wirtschafts- und Finanzwelt, die immer mehr auf den Hund kommt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Elfriede Jelinek die unendliche Geschichte des Mammons aus der Sicht von Tieren erzählt. Immer verständnisloser, dafür mit wachsendem Sarkasmus quieken, muhen, gurren und brummen hier Bären, Kühe, Schweine, Tauben, das Lamm Gottes oder auch der „Für und Widder“ und erzählen uns Menschen von „Notaren, die nichts notieren, Wirtschaftsprüfern, die nichts prüfen, Anwälten, die nicht walten, Wandelanleihen, die nicht wandeln, und Zinsen für laufende Kredite, die nicht rechtzeitig davongelaufen sind“.

Unter Tieren ist ein Stück darüber, wie wir konsequent an unserem selbstverschuldeten Unglück arbeiten. Wir weigern uns, unsere Lektion zu lernen und rasen wider besseres Wissen sehenden Auges in die Apokalypse des Kapitalismus. Denn klar ist in Unter Tieren: Die Welt ist aus den Fugen, und der Finanzmarkt wird es nicht richten.

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die im Jahr 2026 ihren 80. Geburtstag begeht, beweist mit diesem Stück erneut, dass sie die bedeutendste deutschsprachige Dramatikerin ist. Ihre künstlerische und politische Radikalität hat die Theaterlandschaft für immer revolutioniert. Es gibt nur wenige Regisseur·innen, mit denen sie so kontinuierlich und erfolgreich gearbeitet hat wie mit Nicolas Stemann – und so zeichnet dieser nun auch für die Urauf­führung von Unter Tieren verantwortlich.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Eckhard Roelcke
Sonntag, 16. August 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Nicolas Stemann inszeniert in Salzburg Jelineks "Unter Tieren"
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Theater, Kritik, Festival, Burgtheater, Salzburg, Jelinek, Tier

UND ALLE NUR SO YEAH – Kritik von den Salzburger Festspielen für Die deutsche Bühne

August 16, 2026 Martin Pesl

© SF/Armin Smailovic

Die Salzburger Festspiele bringen Molières „Der Menschenfeind“ als Koproduktion mit dem Thalia Theater auf die Bühne. Regisseurin Jette Steckel hält dabei viele ausgefallene Überraschungen für das Publikum bereit.

In Hamburg werden sie das wahrscheinlich alles ganz normal finden. Doch die Premiere von „Der Menschenfeind“, einer Koproduktion mit dem Thalia Theater, fand bei den Salzburger Festspielen statt. Und da fetzt es schon eine Spur mehr, wenn schick aufgeputztes Publikum, eine gediegene Molière-Komödie aus 1666 erwartend, erst mal in ein so lautes wie erlesenes Rap-Konzert gerät, Teil I des Triptychons, als das Regisseurin Jette Steckel ihren Abend ankündigt.

Noch vor dem offiziellen Start der Aufführung startet der Schauspieler Ole Lagerpusch in die erste Nummer, geschrieben vom Hamburger Allrounder UWE, inspiriert von den Themen des Stückes und begleitet von Live-Musiker Matthias Jakisic. „Sie spielen wieder Molière / Und alle nur so yeah“, geht einer der denkwürdigen Reime, ein anderer: „Reicher weißer Mann, du lernst es nie / Das Leben ist zu kurz für Longevity“.

Lagerpusch rockt diese erhabene erste Viertelstunde in seiner Rolle als Dichter Oronte, dessen Verskünste später vom Titel-Antihelden Alceste verschmäht werden. Das Beste daran: Auf der Bühne des Salzburger Landestheaters ist eine Tribüne für knapp 200 Leute aufgebaut, zwei Publikumsgruppen sitzen einander also gut beleuchtet gegenüber. Der Anblick verdatterter Festspiel-Society-Gesichter macht diesen Einstieg locker zum Highlight des österreichischen Theaterjahres.

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In Autor Tags Kritik, Theater, Die deutsche Bühne, Salzburg, Festival
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