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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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KÖNIG KILLEN LEICHT GEMACHT – Kritik aus dem Volkstheater Wien im Falter 38/26

September 17, 2026 Martin Pesl

© Marcella Ruiz Cruz

Am Volkstheater macht Regisseurin Rieke Süßkow aus Shakespeares „Macbeth“ zum Saisonauftakt ein Computerspiel

Dem Feldherrn Macbeth wird vorhergesagt, er werde König von Schottland. Angestachelt von seiner Frau tötet er den aktuellen Regenten und setzt sich dessen Krone auf. Doch Schuldgefühle treiben das Paar in den Wahnsinn.

„Macbeth“ gilt als kürzeste Shakespeare-Tragödie. Da passt es ganz gut, dass Rieke Süßkows einstündige Inszenierung vermutlich der kürzeste Abend ist, mit dem das Volkstheater je eine neue Spielzeit eröffnet hat. Es ist die zweite unter Direktor Jan Philipp Gloger. Die erste geriet höchst erfolgreich, dank eines Programms, das insgesamt darauf aus war, zu gefallen.

Indem Gloger nun den Saisonstart seiner Hausregisseurin überlässt, zeigt er, dass er auch Sperriges schätzt. Süßkow liebt die Verfremdung, sucht für jeden Stoff eine eigene Form. So ist diese Inszenierung, obwohl sie mit einer gängigen Übersetzung arbeitet, eine „nach William Shakespeare“.

Das Setting überrascht zunächst, leuchtet dann aber sehr schnell ein: Zwei Menschen treffen sich online, um Computerspiele auszuprobieren. Sie (Karoline Reinke) ist offenbar Soldatin im Dienst, er (Nicolas Frederick Djuren) wohnt dem Umfeld nach zu schließen noch in seinem alten Kinderzimmer. Bühnenbildnerin Mirjam Stängl hat ihre jeweiligen Aufenthaltsorte am linken beziehungsweise rechten Bühnenrand detailreich ausgestaltet.

Weiterlesen im Falter 38/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Falter, Wien, Volkstheater, Shakespeare, Krieg

WIEDERGELESEN: UNGEREIMTHEITEN – Klassikerrezension in der Buchkultur 227

September 8, 2026 Martin Pesl

Homer und sein frisch verfilmtes Epos: Rechtzeitig zum Start von Christopher Nolans „Odyssee“-Film erschien eine Schmuckausgabe auf Deutsch. Die bietet einige Überraschungen und sieht gar nicht aus wie ein Versepos.

Da spielen ja gar keine alten Griechen mit! Die Rüstungen: halbwegs akkurat, aber nicht perfekt. Und wie die daherreden, das würde ja mehr wie Ithaca, New York, klingen als wie Ithaka, die altgriechische Heimat des altgriechischen Helden Odysseus, seiner Frau Penelopeia und seines Sohnes Telemachos!

Ziemlich harte Kritik, die Christopher Nolans programmierten Hit „The Odyssey“ traf, lange bevor er die Kinos diesen Sommer tatsächlich erreichte – fast, als hätte Nolan sich an einer historischen Begebenheit vergriffen und nicht eine fantasievolle Sage mit einäugigen Riesen und in Schweine verwandelten Reisenden bebildert. Am lautesten war der Aufschrei von gewisser Seite erwartungsgemäß, als bekannt wurde, dass eine Person of Color Helena spielen würde, irdische Gewinnerin eines göttlichen Schönheitswettbewerbs, in dessen Folge der Trojanische Krieg überhaupt ausbrach.

Aber erstens ist Lupita Nyong’o nun einmal die schönste Frau der Welt, da kann man halt nichts machen, und zweitens spielt Helena in Homers „Odyssee“ eh keine besonders große Rolle mehr, woran – unter anderem – die Neulektüre von Karl Ferdinand Lempps Prosaübertragung aus 1985 erinnert. Noch eine Überraschung bietet das Werk, das der Insel Verlag kürzlich „in neuem Glanz“ als Schmuckausgabe mit Motiv-Farbschnitt präsentiert hat: Die Irrfahrten des Odysseus, die Odyssee innerhalb der „Odyssee“ also, nehmen kaum mehr als vier der 24 Gesänge ein. Der Rest beschäftigt sich zuerst mit den Göttern, die über das Schicksal des tapferen Kämpfers beraten, und mit dem Chaos, das in dessen Abwesenheit daheim vonstatten geht.

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In Autor Tags Rezension, Literatur, Buchkultur

TAFELRUNDE, EXCALIBUR UND GRALSSUCHE: IRONISCHE ZAUBERREISE INS MITTELALTER – Kritik im Falter 37/26

September 8, 2026 Martin Pesl

Sarah Viktoria Frick © Tommy Hetzel

So monumental ist das berühmteste Werk des schreibenden Ehepaares Tankred Dorst und Ursula Ehler, dass sich seit der Fertigstellung 1981 nur wenige trauten, „Merlin oder Das wüste Land“ aufzuführen. Der für bildstarke und verspielte Inszenierungen bekannte Regisseur Antú Romero Nunes versucht es, indem er die Handlung zusammenfasst – dreieinhalb Stunden bleiben übrig – und sehr frei mit dem Text umgeht.

In dieser philosophischen Interpretation des mittelalterlichen Artus-Stoffes ist der Zauberer Merlin der Sohn des Teufels, will aber dessen Plan, die Menschheit ins Böse zu führen, vereiteln und stattdessen Sinn schaffen. So macht er denjenigen zum König, der es schafft, das Schwert Excalibur aus einem Stein zu ziehen – es ist Artus. Der soll mithilfe einer technischen Innovation, des runden Tisches, verfeindete Ritter zusammenbringen und an einer neuen Gesellschaftsordnung arbeiten lassen.

Weiterlesen im Falter 37/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Burgtheater, Wien, Falter

IN TINTE VERSCHWOMMEN – Romanrezension in der Buchkultur 227

August 19, 2026 Martin Pesl

Romandebüt mit 81: Rumiana Eberts „Schwimmen in der Tinte“

Im bulgarischen Plowdiw geboren, wanderte Rumiana Ebert nach Deutschland aus, wo sie nicht nur als Chemikerin promovierte, sondern sich auch einen Namen als – deutschsprachige – Lyrikerin, Übersetzerin und Verfasserin von Kurzgeschichten machte. Jetzt hat die 81-Jährige, das ist für sich genommen bemerkenswert, ihren ersten Roman herausgebracht. „Schwimmen in der Tinte“ ist autobiografisch gefärbt: Sowohl die Ich-Erzählerin als auch eine in der dritten Person beschriebene Protagonistin namens Marie stammen aus Bulgarien und bauen sich schließlich ein Leben in Deutschland auf. Dass es sich um denselben Menschen handeln könnte, ist über weite Strecken zu erahnen, trägt aber nicht unbedingt zum Genuss der Erzählung bei.

Weiterlesen in der Buchkultur 227

In Autor Tags Buchkultur, Literatur, Rezension
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