Homer und sein frisch verfilmtes Epos: Rechtzeitig zum Start von Christopher Nolans „Odyssee“-Film erschien eine Schmuckausgabe auf Deutsch. Die bietet einige Überraschungen und sieht gar nicht aus wie ein Versepos.
Da spielen ja gar keine alten Griechen mit! Die Rüstungen: halbwegs akkurat, aber nicht perfekt. Und wie die daherreden, das würde ja mehr wie Ithaca, New York, klingen als wie Ithaka, die altgriechische Heimat des altgriechischen Helden Odysseus, seiner Frau Penelopeia und seines Sohnes Telemachos!
Ziemlich harte Kritik, die Christopher Nolans programmierten Hit „The Odyssey“ traf, lange bevor er die Kinos diesen Sommer tatsächlich erreichte – fast, als hätte Nolan sich an einer historischen Begebenheit vergriffen und nicht eine fantasievolle Sage mit einäugigen Riesen und in Schweine verwandelten Reisenden bebildert. Am lautesten war der Aufschrei von gewisser Seite erwartungsgemäß, als bekannt wurde, dass eine Person of Color Helena spielen würde, irdische Gewinnerin eines göttlichen Schönheitswettbewerbs, in dessen Folge der Trojanische Krieg überhaupt ausbrach.
Aber erstens ist Lupita Nyong’o nun einmal die schönste Frau der Welt, da kann man halt nichts machen, und zweitens spielt Helena in Homers „Odyssee“ eh keine besonders große Rolle mehr, woran – unter anderem – die Neulektüre von Karl Ferdinand Lempps Prosaübertragung aus 1985 erinnert. Noch eine Überraschung bietet das Werk, das der Insel Verlag kürzlich „in neuem Glanz“ als Schmuckausgabe mit Motiv-Farbschnitt präsentiert hat: Die Irrfahrten des Odysseus, die Odyssee innerhalb der „Odyssee“ also, nehmen kaum mehr als vier der 24 Gesänge ein. Der Rest beschäftigt sich zuerst mit den Göttern, die über das Schicksal des tapferen Kämpfers beraten, und mit dem Chaos, das in dessen Abwesenheit daheim vonstatten geht.
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