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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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WIDER DAS KLISCHEE – Vorschau auf Eun-Me Ahn in der ImPulsTanz-Beilage zum Falter 26/26

July 22, 2026 Martin Pesl

© Sukmu Yun & Jiyang Kim

Mit ihrem Kultstück „North Korea Dance“ und der aktuellen Arbeit „Post-Orientalist Express“ kommt die südkoreanische Choreografin und Tänzerin Eun-Me Ahn in diesem Jahr erstmals zu ImPulsTanz. Ist sie wirklich die Pina Bausch Asiens?

Wenn Eun-Me Ahn als Asiens Pina Bausch bezeichnet wird, beruht das auf zwei großen Missverständnissen. Erstens: Was heißt das überhaupt: Asien? Dieses Thema hat die 1963 geborene Choreografin schon in mehreren ihrer Stücke behandelt. Der Kontinent, der sich über fast 200 Längen- und 90 Breitengrade erstreckt, umfasst knapp 50 souveräne Staaten, die dennoch von vielen Menschen im Westen in einen Topf geworfen werden. Für ihr Stück „Dragons“ arbeitete Eun-Me Ahn mit etlichen Tänzer:innen aus verschiedenen dieser Länder, alle mit Geburtsjahrgängen um 2000.

Die Arbeit entstand unter erschwerten Bedingungen – Proben auf Zoom! – während der Corona-Pandemie und sollte im März 2022 eigentlich als erstes Österreich-Gastspiel der Eun-Me Ahn Company im Festspielhaus St. Pölten gezeigt werden. Wegen Krankheit (ironischerweise Covid) fiel der Auftritt aus. Das tanzaffine österreichische Publikum wird die bunten Großproduktionen der bekanntesten Korea-grafin nun also bei ImPulsTanz kennenlernen. Nicht „Dragons“ ist zu sehen, sondern eine neuere und eine ältere Produktion. Außerdem stellt sich Ahn in der Roten Bar des Volkstheaters den Fragen des Publikums.

„Post-Orientalist Express“, das neueste Stück der Company, stammt aus dem Jahr 2025 und nimmt sich, ähnlich wie „Dragons“, lustvoll der Asien-Klischees an, die nicht nur in Europa und den USA, sondern auch auf dem eigenen Kontinent herrschen: Ost und West als leidenschaftliche Liebesbeziehung, in der ständig aneinander vorbeigeredet wird, weil keine Seite die andere so richtig versteht – genau das aber als besonders sexy empfindet. Um innerhalb der Fernbeziehung ein bisschen Nähe herzustellen, startet Ahn eine rasante „postorientalistische“ Fahrt an all jenem vorbei, was als asiatisch wahrgenommen werden könnte, aber eben nicht so, wie wir es uns vorstellen.

Weiterlesen in der ImPulsTanz-Beilage zum Falter 26/26

In Autor Tags Vorschau, Falter, Impulstanz, Festival, Wien, Tanz
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