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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ALLES FLIESST. NICHT. – Nachtkritik aus dem Volkstheater Wien

December 14, 2024 Martin Pesl

© Marcel Urlaub

Was passiert, wenn alles stillsteht? Nach dem Kollaps? Am Beispiel des Containerschiffs Ever Given, das 2021 sechs Tage lang den Suezkanal und damit den globalen Handel blockierte, erzählt Rimini Protokoll-Mitgründerin Helgard Haug vom kapitalistischen Immer-weiter und dem erzwungenen Stopp.

14. Dezember 2024. Es beginnt mit dem Ende. Der Prolog ist die Zugabe. Absurd startet Helgard Haug, des Kollektivs Rimini Protokoll wohl experimentierfreudigstes Gründungsmitglied, in ihren neuen Abend "Ever Given. Eine Kipp-Punkt-Revue": Da kommt eine Band auf die Bühne, die das Publikum nicht kennt, und spielt einen Song, den es zum ersten Mal hört, aber so hyper, als handle es sich um den Hit der Saison, den die tosenden Massen eingefordert haben.

In Etappen kreisend

Doch die Linearitätsdekonstruktion nimmt noch kompliziertere Ausmaße an. Zwischen den Prolog, der auch eine klassische Vorstellrunde für die Protagonist:innen beinhaltet, und den kurzen Epilog zweieinhalb Stunden später hat Haug sechs "Etappen" gefasst. Die Bezeichnung bezieht sich auf eine Route wie die des titelgebenden Containerschiffs, das sich 2021 im Suezkanal quer- und den weltweiten Warenverkehr tagelang lahmlegte. Aber auch Hana Hazem Arabis Schilderung seiner Flucht aus Syrien verläuft in Etappen.

Das Konzept ist für die technischen Gewerke wahrscheinlich mühsamer als für das Publikum ergiebig: Die sechs Etappen schließen einen Kreis, in den jede Vorstellung woanders einsteigt. Bei der Premiere im Volkstheater Wien ging es mit der vorletzten Etappe los, sie trägt den Titel "Wendepunkt". Hana wartet in einem Café in Österreich und fragt sich, was die Bedienung wohl über ihn denkt. Wenn es Stunden später um die zermürbenden Versuche geht, den Pushbacks zwischen der Türkei und Griechenland zu entgehen, wissen wir also schon, dass die Geschichte für ihn gut ausgehen wird.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Volkstheater, Wien

KRUMMER RÜCKEN VOM ZOCKEN – Nachtkritik aus dem Schauspielhaus Graz

December 7, 2024 Martin Pesl

© Lex Karelly

Vom Deutschen Buchpreis auf die Grazer Bühne: Tonio Schachingers preisgekrönter Roman "Endzeitalter" über ein Jugendleben mit Schuldrill und Computerspielkarriere wird von einem Regiekollektiv uraufgeführt. Stilecht mit Bildern aus "Age of Empires".

7. Dezember 2024. Als der österreichische Autor Tonio Schachinger 2023 den Deutschen Buchpreis gewann, war die Überraschung darüber nirgendwo so groß wie in Österreich. Treffend und sehr vergnüglich ist sie ja, diese Beschreibung einer achtjährigen Schullaufbahn an einem Wiener Elitegymnasium. Aber Buchpreis?

Wie so oft liegt der Verdacht nahe, dass im Nachbarland für genial erfundene Satire gehalten wurde, worauf man hierzulande sagt: "Ja, eh. So isses." (Was der Kritiker nur bestätigen kann als Abgänger einer Wiener Schule mit gewissen Ähnlichkeiten zum Theresianum, das Schachinger besuchte und in seinem Roman ohne großen Verschleierungsaufwand als Marianum fiktionalisiert.)

Zwischen Computerspiel und Schule

Wie dem auch sei: Buchpreis bedeutet Dramatisierung. Bevor der Stoff im Januar in Wien als Jugendtheaterstück herauskommt, liefert das Schauspielhaus Graz die Uraufführung. Gleich drei Menschen führen Regie: Das Duo F. Wiesel, das hier die Spielstätte "Konsole" betreibt und sowohl mit Figurentheater als auch mit Virtual Reality experimentiert, hat sich Timon Jansen zur Unterstützung geholt. Gemeinsam mit Intendantin und Dramaturgin Andrea Vilter haben sie zu viert die Spielfassung erstellt.

Die bietet, wie der Roman, geschärfte Blicke in zwei Welten: "Gymnasium" und "Age of Empires 2". In ersterer scheitert Protagonist Till Kokorda mit den Jahren zunehmend am Feind – dem erbarmungslosen Klassenvorstand und Deutschlehrer Dolinar –, während er das Videospiel immer besser und besser beherrscht, ja, Profi wird, eine Berühmtheit in der internationalen Gaming-Blase.

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In Autor Tags Kritik, Theater, Nachtkritik, Graz

NACHSPIEL – Glosse zum Davydova-Rauswurf in Salzburg

December 3, 2024 Martin Pesl

Marina Davydova © Vera Martynov

Die Meldung war knapp gehalten: Wegen diverser verdienstlicher Verstöße lösen die Salzburger Festspiele den Vertrag ihrer Schauspielchefin Marina Davydova mit sofortiger Wirkung auf. Man konnte sich richtig vorstellen, wie Intendant Markus Hinterhäuser mit zusammengebissenen Zähnen hinter seiner Pressereferentin steht und knurrt: „Bringen wir’s endlich hinter uns!“

Wir sind in Österreich. Dass jemand Dienstreisen mit Privatem vermischt oder bei einem Kulturfestival im Ausland mitarbeitet, ohne Bescheid zu sagen, ist normalerweise Grund für ein Schulterzucken, nicht für eine Entlassung. Ganz offensichtlich handelt es sich um einen lange gesuchten, willkommenen Anlass für die Trennung.

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In Autor Tags Kommentar, Falter, Salzburg, Festival

IDENTITÄT: WEISS NICHT – Nachtkritik aus dem Residenztheater München

November 22, 2024 Martin Pesl

Lisa Wagner © Birgit Hupfeld

Robert Ickes an heutigen Identitätsdiskursen geschärfte Schnitzler-Bearbeitung "Die Ärztin" macht weiter die Runde. Regisseur Miloš Lolić hat das Stück jetzt am Residenztheater München inszeniert und zeigt, wann Identität eine Rolle spielt.

22. November 2024. Seit der Brite Robert Icke seine Arthur-Schnitzler-Bearbeitung "Die Ärztin" Anfang 2022 selbst am Wiener Burgtheater inszenierte, macht das Drama die Runde im deutschsprachigen Raum. Häusern wie der Burg gibt es die Möglichkeit, zu zeigen: Schaut her, wir haben ein diverses Ensemble. Icke nimmt die Handlung von Schnitzlers "Professor Bernhardi" – ein jüdischer Arzt, der einem katholischen Priester den Zugang zu einer sterbenden Sepsispatientin verweigert, wird Opfer antisemitischer Intrigen – und versetzt ihr in unserer schwierigen Ära identitätspolitischer Schlachten ein paar zusätzliche Drehs.

Dabei spielt Robert Icke geschickt mit einem Meta-Mittel, das in der angloamerikanischen Theaterwelt längst üblich ist, bei uns allerdings noch für Irritation sorgt: der "farbenblinden" Besetzung. Während Frauen mittlerweile recht umstandslos Männerrollen spielen und umgekehrt, wollen gerade in "realistischen" Dramen immer noch optische Illusionen aufrechterhalten werden. Blutsverwandtschaft etwa: Kann eine PoC die Tochter zweier Weißer spielen? Theoretisch natürlich. In der Praxis kommt es kaum vor.

Kluge Auswüchse des Diskurs

Deshalb dauert es in der Regel, bis beim Publikum der Groschen fällt: Dass Cathrin Störmer einen Arzt namens Michael spielt, okay. Aber als nach exakt einer Stunde erstmals erwähnt wird, der betroffene Priester sei ein Schwarzer gewesen, geht auch im Münchner Cuveillèstheater verlässlich ein existenzielles Raunen durch den Saal. Denn Thomas Reisinger ist ein weißer Schauspieler, der bald darauf auch als Vater der verstorbenen Patientin auftritt, und der ist ... weiß man nicht. Identität, das zeigt uns Icke klug auf mehreren Ebenen, spielt eben erst eine Rolle, wenn sie angesprochen wird.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, München, Bayern
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