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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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NITSCH ZU DANKEN – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

May 24, 2026 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Florentina Holzinger hat mit ihren Perfomerinnen den nächsten großen Aufschlag hingelegt: Auf Einladung der Witwe von Hermann Nitsch gastierte sie über Pfingsten unter anderem am früheren Spielort des Orgien Mysterien Theaters. "Pfingstspiel" ist ein neunstündiges Spektakel, das den Holzinger-Kanon nochmal verfeinert.

24. Mai 2026. Und natürlich sind wieder Leute umgekippt. Wie so oft bei den Arbeiten von Florentina Holzinger kann dies nicht mit Bestimmtheit der Heftigkeit ebenjener Arbeiten zugeschrieben werden. Es kann auch an der Hitze an diesem Pfingstsamstagnachmittag liegen. Die Sonne brannte herunter auf den Platz des Wiener Eislauf-Vereins, Schatten gab es keinen.

Hier, gleich neben Konzerthaus und Akademietheater, fahren die Einheimischen im Winter Schlittschuh. Gelegentlich steht auch ein Zirkuszelt auf dem weitläufigen Platz. Diesmal stieg hier der Auftakt zu einer einmaligen Aktion von Florentina Holzingers "Pfingstspiel" im Rahmen der Wiener Festwochen. Die in den Augen Vieler wichtigste Künstlerin der Gegenwart war kurz auf Heimatbesuch aus Venedig, wo sie mit dem österreichischen Biennale-Pavillon Aufregungen verschiedenster Art befeuert.

Verfeinerung des Kanons

Auf dem eisfreien Eislaufplatz gab es also: ein nacktes Orchester, das eine fast liebliche Komposition spielte; Bláthin Eckhardt, die die Fassade des angrenzenden Hotels Intercontinental hinunterspazierte, ein Zitat von Trisha Browns oft kopiertem "Man Walking Down the Side of the Building"; ein an Rückenpiercings hereingezogenes Auto; darauf turnend Holzinger mit durch beide Wangen gestochener Sprühkerze, während das Auto in einem Affentempo seitlich im Kreis fuhr.

Holzinger und ihr Trupp veranstalten solche "Etüden" öfter. Dabei geht es weniger darum, die eigenen künstlerischen Mittel weiterzuentwickeln, sondern sie zu verfeinern. Im Prinzip lässt sich das mit dem aktuellen "Star Wars"-Film "The Mandalorian and Grogu" vergleichen: Es passiert nichts Entscheidendes für den Kanon, aber die Fans dürfen ihre Lieblinge wiedersehen und freuen sich umso mehr auf den nächsten großen Aufschlag des Franchise.

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In Autor Tags Performance, Kritik, Kunst, Nachtkritik, Wiener Festwochen, Festival

KULTUR HEUTE – Radiokritik von den Wiener Festwochen im Deutschlandfunk

May 21, 2026 Martin Pesl

© The Tinfoil Biter

Von den vielen Objekten, mit denen Narcissister die Bühne für ihre Performance „Voyage Into Infinity“ vollgestellt hat, fällt eines beim Einlass am wenigsten auf: Erst, als die Show beginnt und ein Schweinwerfer das Vogelhäuschen am linken vorderen Bühnenrand anstrahlt, richten sich die Blicke des Publikums darauf. Und erleben gleich den ersten Trick! Nachdem eine als Alpenpüppchen im Dirndl gekleidete Performerin herausgeklettert ist, bleibt wundersamerweise immer noch Platz für einen Kerzenständer. Und für noch eine Person. Und noch eine. Ihre Gesichter sind alle von Masken bedeckt, die aufgemalten Augen stets offen, wie jene der US-amerikanischen Künstlerin Narcissister selbst – angeblich spielt sie an diesem Abend in Wien auch persönlich mit.

Diese drei Charaktere nun, von denen man nicht weiß, ob man sie niedlich oder gefährlich finden soll, streifen staunend durch einen Wald aus wie zufällig aufgestellten Konstrukten: Zahlreiche Eimer sind auszumachen, Bretter und Leitern, verschiedene Variationen von Schaukeln und eine Hebebühne. Und dann passiert es: Mit den Kerzenflammen zu nah an eine Schnur gekommen, brennt diese durch. Dadurch löst sich die Spannung an einer an der Decke hängenden Leiter – diese kippt nach links, bringt eine hölzerne Walze ins Rollen: Schließlich sprühen Funken, und es kommt zu einer kleinen Explosion.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Donnerstag, 21. Mai 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

"Voyage into Infinity" - Die Performerin Narcicisster bei den Wiener Festwochen
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Performance, Wiener Festwochen, Festival, Wien, USA, Kunst, Deutschlandfunk, Kritik

LANDKRANK IM MUSEUM – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

May 19, 2026 Martin Pesl

© Marie Rouge

19. Mai 2026. Schwarz geht es los, tiefschwarz. Den Raum regiert diese ehrfurchtgebietende Totalschwärze, wie sie im Theater nur möglich ist, wenn der Saaldienst die Notausgangsschilder bedeckt. Kurz nur, klar, aber es genügt, um eine Stimmung der Aufmerksamkeit zu kreieren.

Alice Diop wird sie eine gute Stunde lang halten, indem sie nichts anderes tut, als einen Text zu rezitieren. Sobald das Licht wieder auf den Schreibtisch scheint, dessen penible Ordentlichkeit, mit Lämpchen und kleingedruckter Fachliteratur, das Publikum der Wiener Festwochen schon während des Einlasses ins Schauspielhaus betrachten konnte, sitzt Diop dahinter und beginnt zu sprechen. Sie schlüpft dabei gewissermaßen in eine Rolle, jene der Autorin Robin Coste Lewis, die in Ich-Form von einer mentalen Schiffsreise berichtet.

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In Autor Tags Nachtkritik, Theater, Kritik, Wiener Festwochen, Festival, Kunst

„TAKE IT OR LEAVE IT“ – Interview mit Béla Tarr im Falter 23/19

January 6, 2026 Martin Pesl
© Béla Tarr

© Béla Tarr

Der große Avantgarde-Filmer Béla Tarr realisiert bei den Festwochen ein Projekt mit Wiener Obdachlosen. Ein Gespräch über Wiederholungen im Leben, seine Heimat Ungarn und darüber, ob man Film lehren kann

Wäre die Welt einer seiner Schwarz-Weiß-Filme, Béla Tarr würde glatt darin verschwinden. Vor seinem Hotel in der Josefstadt steht der ungarische Regisseur klein, grau, gezeichnet und müde und sagt: „Ich rauche hier jetzt noch zwei Zigaretten, dann können wir anfangen.“

Avantgarde-Kenner verehren Tarr als einen der prägendsten Regisseure der Kinogeschichte. Vor allem „Satanstango“ nach dem Roman von László Krasznahorkai steht in zahlreichen Cineastenlisten weit oben. Der 1994 erschienene Film dauert sieben Stunden, hat aber nur etwa 150 Einstellungen. Er schildert den Verfall eines Dorfes in den letzten Jahren des ungarischen Kommunismus und galt lange als verschollen. 2007 kündigte Tarr an, sein nächster Film „Das Turiner Pferd“ werde sein letzter sein. Daran hielt er sich eisern. Umso sensationeller ist es, dass die Wiener Festwochen den stillen Star für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Das Projekt „Missing People“ wird in der Halle E im Museumsquartier mit Obdachlosen aus Wien erarbeitet und dort auch als Installation mit Bewegtbild und Live-Musik gezeigt.

Der Falter trifft Béla Tarr schon im März im Zuge seiner Castings für das Projekt. Trotz seiner erst 64 Jahre hat der gesundheitlich angeschlagene Mann die Aura eines alten Weisen. Durch den Interviewer auf Ungarisch ehrfürchtig gesiezt, beharrt Tarr in seinen Antworten auf dem Du. Seine Stimme ist sonor und sanft. Wenn er über das Schicksal der Obdachlosen spricht, wird er leise wie bei einer Meditation. 

Herr Tarr, was hat Sie zu dieser Filminstallation mit Wiener Obdachlosen inspiriert?

Tarr: Einmal die Architektur der Halle E. Das Zweite war, dass am Tag meiner Ankunft in Wien ein ungarisches Gesetz in Kraft trat, wonach Obdachlose, die auf der Straße leben, ins Gefängnis gesteckt werden dürfen wie Verbrecher. Am selben Tag hat die Bürgermeisterin von Paris angekündigt, dass sie für die Wintersaison das Rathaus für Obdachlose öffnet.

Wien liegt ja zwischen Ungarn und Paris und wurde jüngst wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt ernannt. Welche Rolle spielt die Stadt in Ihrem Projekt?

Tarr: Ich muss sagen, dass ich Wien nicht kenne. Was ich kenne, ist das Wien der Obdachlosen. Was ich kenne, sind der Gürtel und die Außenbezirke. Ansonsten komme ich abends ins Hotel, esse, schlafe. In der Früh geht es dann wieder los. Aber eines ist sicher: Diese ganze Sache ist viel schwieriger, als ich je gedacht hätte. Ganz anders als einfach einen Film zu machen. Man wird auf ganz existenzielle Dinge aufmerksam. Man ist ja nicht gefühllos, und solche Menschenleben zu sehen, das laugt einen geistig völlig aus. 

Wie lief das Casting?

Tarr: Ich versuche, die Menschen kennenzulernen. Denn jeder Mensch ist anders. Jeder spricht eine andere Sprache, hat eine andere Kultur und Lebensgeschichte. Das Endergebnis ist gleich, aber auf die verschiedenen Wege dorthin muss ich mich einlassen. Ich habe ein einigermaßen umfassendes Gesamtbild des Projekts. Das versuche ich jetzt in eine Dramaturgie, in eine sehr lose Form zu packen. Das wird ja kein Film, den wir projizieren. Das werden Bruchstücke, Stimmungen, menschliche Gesichter.

Es gibt also keine Handlung?

Tarr: Nein, so wie es auch im Leben dieser Menschen keine Handlung gibt. Ich sage ja immer: Eine Story führt uns nur an der Nase herum, denn sie spiegelt uns vor, dass irgendetwas passiert. Diese Menschen haben so eine Starre, die mir manchmal einen Stich in die Brust versetzt. Sie bewegen sich von der nächtlichen Unterkunft, wo sie zwischen 18 Uhr und 7 Uhr bleiben können, an eine Tagesstätte, wo sie sich aufwärmen. Die wird aber um 15 Uhr zugesperrt. Dann gehen sie ein bisschen betteln, die Mutigeren stehlen oder tun etwas dergleichen, was natürlich gesetzeswidrig ist. Dieser Kreislauf ist die ganze Bewegung.

Und die Menschen rechnen auch gar nicht mehr damit, aus diesem Kreislauf auszubrechen?

Tarr: Für manchen ist der große Traum, Straßenkehrer zu sein. Davon kann er sich aber noch lange keine Wohnung leisten, höchstens Zigaretten und was zu trinken. Einige von ihnen leben seit acht Jahren auf der Straße und tragen ihr ganzes Leben mit sich herum.

Wie haben Sie diese Menschen für Ihr Projekt gewonnen?

Tarr: Das entwickelt sich. Ich gehe hin, dann gewöhnen sie sich langsam an mich. Dann beginnen wir zu kommunizieren. Aber ganz locker. Es gibt keine Regeln, kein Rezept. Man muss ja jeden Menschen anders ansprechen. Aber ob man dafür den richtigen Ton findet, das steht ständig auf Messers Schneide.

Sie brauchten ja wahrscheinlich auch einen Dolmetscher?

Tarr: Es war das reinste Sprachgewirr. Aber es gibt ziemlich viele ungarischsprachige Obdachlose in Wien. Slowakische Ungarn, rumänische Ungarn, Ungarn aus Ungarn oder aus der Vojvodina – aus der Diaspora landen einige hier.

Wird dieser Film ...

Tarr: Bewegtbilder! Filme mache ich keine mehr.

Werden diese Bewegtbilder schwarz-weiß sein, so wie wir es von Ihnen gewohnt sind?

Tarr: Wahrscheinlich schwarz-weiß, aber nicht so, wie wir es gewohnt sind.

Und man wird die Bilder nach dem Festival nie wieder sehen können?

Tarr: Sie entstehen hier und nur für hier. Ich würde sie ungern wiederverwerten, das ist nicht mein Stil. Als wir vor ein paar Jahren in Amsterdam eine Ausstellung gemacht haben, haben wir dafür auch einiges Material gedreht, das möchte ich auch nicht mehr herzeigen. Denn sie sind Teil einer Zusammensetzung. 

Über diese Ausstellung haben Sie gesagt, dass Sie Ihr Lebenswerk in sich birgt. Für diejenigen, die sie nicht gesehen haben: Wie würden Sie Ihr Lebenswerk zusammenfassen?

Tarr: Diese Ausstellung hat vieles in einen anderen Kontext gesetzt. Sie bestand aus einzelnen Kapitel, deren Sichtung insgesamt zweieinhalb Stunden dauerte. Ich kann darüber nicht sprechen. Wenn ich es könnte, hätte ich keine Ausstellung dazu gestalten müssen. Es ging ungefähr darum, wie wir heute Leben und wo wir stehen. Sonst nichts. 

Sie haben immer wieder düstere, postapokalyptische Schwarz-weiß-Bilder aufgezeichnet. Diese Bilder sind heute angesichts des erstarkten Rechtspopulismus noch besser verständlich. Hat sich die Welt in den letzten zehn Jahren besonders stark verändert?

Tarr: Ich habe ein Déjavu. Schließlich wurden mir vierzig Jahre meines Lebens vom sogenannten „Sozialismus“ geraubt – in sehr großen Anführungszeichen, denn das war im Prinzip auch nur ein feudalistisches System. Aber es gab zwanzig Jahre, in denen man meinen konnte, das sei jetzt vorbei und etwasbewege sich, und jetzt gehen wir wieder unter. Mich schmerzt dabei nicht so sehr, dass es verantwortungslose Politiker gibt, sondern dass die Menschen ihnen glauben. Aber ich will gar nicht hoffnungslos sein. Dass die Berliner Mauer je fallen könnte, hätte ich damals auch nicht gedacht. Die Welt lässt sich verändern, aber es hängt halt von uns ab.

Schon 2007 haben Sie erklärt, Ihr damals nächster Film „Das Turiner Pferd“ sei Ihr letzter. Wieso wussten Sie das damals schon?

Tarr: Ich habe dreißig Jahre lang Filme gemacht. Schritt für Schritt hat sich dabei ein Stil herausgebildet, der immer sauberer, klarer und eindringlicher wurde. Wenn man dann anfängt, vom Ende des Lebens zu erzählen, wie im „Turiner Pferd“, und das auch noch in einer sehr puren, minimalistischen Filmsprache, dann ließe sich das schon wiederholen – man könnte zehn solche Filme machen, aber es wäre einfach nur lächerlich. Daher weiß man: Das Paket ist jetzt hübsch verschnürt und zur Übergabe bereit. „Take it or leave it“, wie der Engländer sagt.

Nach dem Erscheinen von „Das Turiner Pferd“ 2011 waren Sie vor allem mit Unterrichten beschäftigt.

Tarr: Ja, ich habe eine internationale Filmschule in Sarajevo aufgebaut. Aus allen Ecken der Welt kamen junge Filmemacher, mit denen wir gearbeitet haben, und ältere Filmemacher, die schon mehr Erfahrung hatten. Es war wie eine Werkstatt, in der alle zusammen gelebt und gearbeitet haben, ganz anders als sonstige Filmakademien. Ich habe immer schon die Meinung vertreten, dass man Film nicht lehren kann, weil jeder Filmemacher eine andere Sprache hat. „No education, just liberation“, das war vier Jahre lang unser Geist.

Warum war es dann vorbei?

Tarr: Weil das eine Fakultät einer Privatuniversität war. Man hat mich immer nach dem Profit gefragt, den es selbstverständlich nicht gab. Im Gegenteil: Die anderen Fakultäten haben Gewinn gemacht, wir haben ihn verjubelt. Außerdem wurden wir ins Bologna-System aufgenommen, was einen strengen Lehrplan erforderte. Wie soll ich da erklären, dass ein Apichatpong Weerasethakul mit den Studierenden meditiert? Carlos Reygadas wiederum ging mit ihnen schwimmen, der Schauspielstar Gael García Bernal formierte sie zu einer Fußballmannschaft, die dann gegen die heimischen Straßenkinder verlor. Irgendetwas wurde immer daraus, aber das kann ich ja nicht in einen Lehrplan fürs Ministerium schreiben. Irgendwann hatte ich auch genug. 

Auch bei den Festwochen halten Sie eine Masterclass. Findet die auch im Freibad statt?

Tarr: Nein, nein. Da versuche ich zu formulieren, was ich beim Film für wichtig halte und wie ich seinerzeit gearbeitet habe.

Sie kritisieren offen die Regierung Orbán. Wie ist Ihr Stand in Ihrer Heimat? Kennt man Sie, nimmt man Sie an?

Tarr: Man weiß, wer ich bin. Aber ich bin sehr selten in Ungarn, weil ich dort nicht arbeiten kann. Also reise ich viel.

Bedauern Sie das?

Tarr: Selbstverständlich. Wer möchte nicht gerne im eigenen Bett schlafen? Der Mensch hat so ein instinktives Heimweh.

Wo ist denn im Moment Ihr Lebensmittelpunkt?

Tarr: Ich habe keinen. Allein in diesem Kalenderjahr war ich zweimal in Paris, habe in Deutschland einen Workshop gegeben, habe in Lille unterrichtet. Wo zum Geier war ich denn noch? Hier in Wien natürlich. Zu Hause war ich vielleicht zehn Tage. Nach diesem Projekt steht eine kleine Pause an, das spüre ich. Eigentlich sollte ich mich aber hinsetzen und ein Buch schreiben. Ein Verleger wartet darauf. 

Eine Autobiografie?

Tarr: Nein. Das wird wieder so etwas Undefinierbares. Es war nie meine Art zu erzählen, was mir passiert ist. Aber was ich wie sehe oder was mich mitnimmt, das ist etwas anderes. Je älter man wird, desto mehr sieht man Details. Und nur die Details werden wichtig. Denn im Großen und Ganzen wiederholt sich ja doch alles.

 

Zur Person:

Béla Tarr wurde 1955 im ungarischen Pécs geboren. Seinen ersten Film „Family Nest“ realisierte er mit Mitte 20. Ab dem Fernsehfilm „Macbeth“ (1982) entwickelte er seinen eigenen Stil mit wenigen, langen Einstellungen, oft in Schwarz-Weiß. Seit 1988 arbeitete er eng mit seinem Landsmann, dem Schriftsteller László Krasznahorkai zusammen. So entstanden etwa „Verdammnis“ (1988) und Tarrs siebenstündiges Opus magnum „Satanstango“ (1994). 2011 zog sich Béla Tarr, dessen Filme oft in Ko-Regie mit seiner Ehefrau Ágnes Hranitzky entstanden, endgültig aus dem Kino zurück.

In Autor Tags Interview, Falter, Film, Kunst, Wiener Festwochen, Ungarn, Ungarisch
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