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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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KULTUR HEUTE – Beitrag über das Intendanzende am Theater in der Josefstadt im Deutschlandfunk

April 30, 2026 Martin Pesl

© Moritz Schell

Etwas konstruiert ist sie ja, die Spielplan-Eleganz zum Abschied der Direktion Herbert Föttinger. Der Titel passt perfekt: „Was für ein schönes Ende“! Im Wesentlichen wurde ein vierundzwanzig Jahre altes Stück von Peter Turrini leicht überarbeitet und neu etikettiert: „Da Ponte in Santa Fe“. 

Auf jeden Fall schließt sich damit am Theater in der Josefstadt ein schöner Kreis. Denn das Stück, mit dem Föttinger 2006 seine erste Leitungsperiode hier eröffnete, entstand ebenfalls aus einem Schreibauftrag an Peter Turrini. Es hieß „Mein Nestroy“ und handelte vom Wiener Volksstückdichter Johann Nepomuk Nestroy. Davor wurde das Theater in der Josefstadt ein paar Jahre von Helmuth Lohner interimistisch geleitet, weil Hans Gratzer, von Publikum und Kritik abgelehnt, nach nur einer Saison aufgegeben hatte. Dementsprechend begann die Inszenierung in Föttingers Regie mit einem symbolträchtigen Bild: Das Ensemble versucht ächzend, den Eisernen Vorhang aufzukriegen.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Karin Fischer
Donnerstag, 30. April 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

"Was für ein schönes Ende" - Zum Ende der Intendanz H. Föttinger in Wien
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Josefstadt, Wien

ENDLICH APPLAUS – Nachtkritik aus dem Theater in der Josefstadt

April 30, 2026 Martin Pesl

© Moritz Schell

Nach 20 Jahren endet die Ära von Direktor Herbert Föttinger am Theater in der Josefstadt. Mit einem Stoff aus Mozarts Zeiten, aus der Feder von Peter Turrini, der damit einst das Publikum in Salzburg verstimmte. Aber diesmal geht es anders aus.

30. April 2026. Hat jemand eigentlich schon eine Aufstellung der letzten Titel gemacht, die eine Intendanz auf den Spielplan hebt (beziehungsweise: wäre das nicht was, Spiralblog)? Das letzte Stück der Direktion Kušej am Burgtheater etwa hieß "Zentralfriedhof", passend zum morbiden Auftreten des Chefs.

Das Finale am Wiener Theater in der Josefstadt nach stolzen zwanzig Jahren unter Herbert Föttinger benennt sich weniger hintergründig, dafür mit einem gewissen Cuteness-Faktor. "Was für ein schönes Ende" heißt das Stück, das Föttinger bei einem von Österreichs renommiertesten Dramatikern, Peter Turrini, in Auftrag gab. Es handelt von Mozarts Librettisten Lorenzo da Ponte und ist eine Neufassung (seien wir ehrlich, eher eine Neuverpackung) von Turrinis "Da Ponte in Santa Fe", uraufgeführt von Claus Peymann 2002 bei den Salzburger Festspielen.

Unerhörte Begebenheit aus der Jugendzeit

Das mag etwas beliebig und auch antiklimaktisch anmuten. Die süße Spielplan-Eleganz, und sei sie noch so konstruiert, wird aber dadurch wiederhergestellt, dass Föttinger seine Direktion 2006 mit einem Turrini-Auftragswerk eröffnete, ebenfalls einer dramatischen Künstlerbiografie: "Mein Nestroy" bot Einblicke ins Privatleben des beliebten Wiener Volksstückdichters.

"Was für ein schönes Ende!" soll das Publikum nun also ausrufen. Es wird vermutlich (Föttingers Nachfolgerin Marie Rötzer stellt ihre Pläne erst in drei Wochen vor) das letzte Mal nicht nur den Direktor selbst auf dieser Bühne gesehen haben, sondern auch die 83-jährige Doyenne des Hauses, Marianne Nentwich, die als gealterte Diva Dorka Dušková die hier dargebotene unerhörte Begebenheit aus ihrer Jugend erzählt.

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In Autor Tags Kritik, Theater, Nachtkritik, Wien, Josefstadt

ER HAT EINE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN – Kritik aus dem Theater in der Josefstadt im Falter 12/25

March 19, 2025 Martin Pesl

Martin Niedermair, Raphael von Bargen © Philine Hofmann

Ein monumentales Theaterereignis erreicht endlich Wien: Matthew López’ „Das Vermächtnis“ erobert das Josefstadt-Publikum

Vor zehn Jahren hätte es das im Theater in der Josefstadt nicht gegeben: Szenenapplaus nach einer schwulen Sexszene. Sie ist abstrakt dargestellt. Die beiden Männer stehen, bekleidet, in großem Abstand zueinander an der Bühnenrampe, rechts Martin Niedermair in der Hauptrolle des New Yorker Mittelschichtlers Eric Glass, 33, links Raphael von Bargen als sein Partner, der exzentrische Emporkömmling und Autor Toby Darling.

Ihr äußerst witziger Dialog mündet in einen Heiratsantrag – und natürlich im Orgasmus. Bravo, findet das Publikum.

Es ist erst kurz nach 15 Uhr, die Marathon-Premiere beider Teile von Matthew López’ „Das Vermächtnis“ hat gerade begonnen. Als sie siebeinhalb Stunden später endet, ist die Stimmung weniger heiter, die Begeisterung aber ungebrochen. Die Leute springen sofort von ihren Sesseln. Auch das ist in der Josefstadt selten, erst recht bei einem zeitgenössischen Stück.

Der 1977 in Florida geborene Matthew López brachte sein Opus magnum mit dem Originaltitel „The Inheritance“ 2018 heraus, erst im Londoner Theater Young Vic, dann in New York am Broadway. Einhellig wurde es als wichtiges Zeitdokument gelabelt, als große Erzählung der queeren amerikanischen Gegenwart.

Weiterlesen im Falter 12/25

In Autor Tags Theater, Kritik, Falter, Josefstadt, Wien, USA

DAS LEBEN IST EIN KURZER, STARRER FLUSS – Nachtkritik aus dem Theater in der Josefstadt

January 31, 2025 Martin Pesl

Oliver Rosskopf und Alexander Absenger © Astrid Knie

Lisa Wentz, Österreichs preisgekrönter Dramatik-Star, hat für die Josefstadt ein neues Stück geschrieben. Über Missbrauch in einem katholischen Bubeninternat und seine Folgen noch Jahrzehnte später. Regisseur David Bösch, der schon Wentz' Erstling "Adern" uraufführte, nimmt sich des Textes an.

31. Januar 2025. Die Kirche hat echt ein Problem. Wenn alle wissen, dass es in einem Stück um Missbrauch im katholischen Internat geht, obwohl dieser nie gezeigt, ja kaum angesprochen wird, dann ist das ein schlechtes Zeichen für den Ruf der ehrenwerten Institution. Gut, einige haben vielleicht online Synopsis und Inhaltshinweise zu "Azur oder die Farbe von Wasser" gelesen. Doch auch der Rest des Publikums wird kaum lange rätseln, wenn in einer frühen Szene kurz die Rede von der "Anstalt" ist, die es "nimmer gibt", weshalb die Burschen Johannes und Geri nun wieder bei ihren Familien wohnen, während sie für die Matura lernen.

Österreichs Dramatik-Star

Die 30-jährige Lisa Wentz ist ein Shootingstar der deutschsprachigen Dramatik. Ihr Debüt "Adern" wurde mit Preisen überhäuft und mehrfach inszeniert, in Wien, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg – außerhalb Österreichs ist Wentz bislang nicht angekommen. Liegt es daran, dass die Tirolerin gern mit Dialekteinschlägen kokettiert? Oder traut man weiter nördlich ihren nahbaren Figuren und höchst unpostdramatischen Dialogen nicht?

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In Autor Tags Theater, Kritik, Wien, Josefstadt
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