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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ENDGEGNER PUBLIKUM – Bericht aus dem Theater in der Josefstadt im der Freitag 38/26

September 19, 2026 Martin Pesl

© Philine Hofmann

Neustart nach 20 Jahren: Intendantin Marie Rötzer will das traditionsreiche Theater in der Josefstadt modernisieren – und muss dabei vor allem die Zuschauer:innen mitnehmen

Menschen in Deutschland, erst recht in Berlin, das Theater in der Josefstadt zu erklären, ist gar nicht leicht. Oder doch: Das drittgrößte Schauspielhaus in Wien, benannt nach dem Stadtbezirk, in dem es steht, repräsentiert so ziemlich das Extrem dessen, was österreichische Theaterleidenschaft von deutscher unterscheidet: das Publikum.

„Dieses Theater ist 1788 wirklich aus dem Volk heraus gegründet worden“, erklärt Marie Rötzer, Direktorin seit der gerade begonnenen Spielzeit. Bis heute betrachten die Besucher:innen „die Josefstadt“ als ihr Theater, ihr Eigentum geradezu, „ihr Zuhause“, wie Rötzer es nennt. Sie interessieren sich weniger für Themen als für Geschichten, sie wollen nicht so sehr geistig herausgefordert wie sinnlich bewegt werden. 

„Gleichzeitig ist die Josefstadt auch ein großes Literaturtheater“, so die gebürtige Niederösterreicherin weiter. „Immer schon seit Johann Nestroy und Ferdinand Raimund haben sich hier österreichische Autoren selbst in ihre Stücke geschrieben und auf der Bühne gestanden. Auch die jüdische Geschichte des Hauses spielt eine große Rolle.“ Insbesondere prägte vor gut hundert Jahren die Schauspielerfamilie Thimig das Haus, in die auch der legendäre Regisseur Max Reinhardt einheiratete. Auch Reinhardt, Mitgründer der Salzburger Festspiele, arbeitete in der Zwischenkriegszeit viel im Theater in der Josefstadt.

Tradition als wichtigste Erfolgsgrundlage: für eine neue Intendantin eine durchaus schwierige Ausgangssituation. Besonders, wenn ihr Vorgänger unglaubliche zwanzig Jahre lang im Amt war. Der Schauspieler und Regisseur Herbert Föttinger übernahm die künstlerische Leitung 2006. Zuvor war Helmuth Lohner, ein ehemaliger Direktor, notdürftig für zwei Jahre ins Amt zurückgekehrt, weil der Regisseur Hans Gratzer die Leitungsposition niedergelegt hatte. Grund waren interne Unstimmigkeiten, aber auch, dass sein Programm keinen Anklang fand. Nur eine Spielzeit, und weg war er – Josefstadt-Fans sind unerbittlich.

Weiterlesen im der Freitag 38/26

In Autor Tags Theater, Kritik, Bericht, der Freitag, Josefstadt, Wien

KULTUR HEUTE – Beitrag über das Intendanzende am Theater in der Josefstadt im Deutschlandfunk

April 30, 2026 Martin Pesl

© Moritz Schell

Etwas konstruiert ist sie ja, die Spielplan-Eleganz zum Abschied der Direktion Herbert Föttinger. Der Titel passt perfekt: „Was für ein schönes Ende“! Im Wesentlichen wurde ein vierundzwanzig Jahre altes Stück von Peter Turrini leicht überarbeitet und neu etikettiert: „Da Ponte in Santa Fe“. 

Auf jeden Fall schließt sich damit am Theater in der Josefstadt ein schöner Kreis. Denn das Stück, mit dem Föttinger 2006 seine erste Leitungsperiode hier eröffnete, entstand ebenfalls aus einem Schreibauftrag an Peter Turrini. Es hieß „Mein Nestroy“ und handelte vom Wiener Volksstückdichter Johann Nepomuk Nestroy. Davor wurde das Theater in der Josefstadt ein paar Jahre von Helmuth Lohner interimistisch geleitet, weil Hans Gratzer, von Publikum und Kritik abgelehnt, nach nur einer Saison aufgegeben hatte. Dementsprechend begann die Inszenierung in Föttingers Regie mit einem symbolträchtigen Bild: Das Ensemble versucht ächzend, den Eisernen Vorhang aufzukriegen.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Karin Fischer
Donnerstag, 30. April 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

"Was für ein schönes Ende" - Zum Ende der Intendanz H. Föttinger in Wien
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Josefstadt, Wien

ENDLICH APPLAUS – Nachtkritik aus dem Theater in der Josefstadt

April 30, 2026 Martin Pesl

© Moritz Schell

Nach 20 Jahren endet die Ära von Direktor Herbert Föttinger am Theater in der Josefstadt. Mit einem Stoff aus Mozarts Zeiten, aus der Feder von Peter Turrini, der damit einst das Publikum in Salzburg verstimmte. Aber diesmal geht es anders aus.

30. April 2026. Hat jemand eigentlich schon eine Aufstellung der letzten Titel gemacht, die eine Intendanz auf den Spielplan hebt (beziehungsweise: wäre das nicht was, Spiralblog)? Das letzte Stück der Direktion Kušej am Burgtheater etwa hieß "Zentralfriedhof", passend zum morbiden Auftreten des Chefs.

Das Finale am Wiener Theater in der Josefstadt nach stolzen zwanzig Jahren unter Herbert Föttinger benennt sich weniger hintergründig, dafür mit einem gewissen Cuteness-Faktor. "Was für ein schönes Ende" heißt das Stück, das Föttinger bei einem von Österreichs renommiertesten Dramatikern, Peter Turrini, in Auftrag gab. Es handelt von Mozarts Librettisten Lorenzo da Ponte und ist eine Neufassung (seien wir ehrlich, eher eine Neuverpackung) von Turrinis "Da Ponte in Santa Fe", uraufgeführt von Claus Peymann 2002 bei den Salzburger Festspielen.

Unerhörte Begebenheit aus der Jugendzeit

Das mag etwas beliebig und auch antiklimaktisch anmuten. Die süße Spielplan-Eleganz, und sei sie noch so konstruiert, wird aber dadurch wiederhergestellt, dass Föttinger seine Direktion 2006 mit einem Turrini-Auftragswerk eröffnete, ebenfalls einer dramatischen Künstlerbiografie: "Mein Nestroy" bot Einblicke ins Privatleben des beliebten Wiener Volksstückdichters.

"Was für ein schönes Ende!" soll das Publikum nun also ausrufen. Es wird vermutlich (Föttingers Nachfolgerin Marie Rötzer stellt ihre Pläne erst in drei Wochen vor) das letzte Mal nicht nur den Direktor selbst auf dieser Bühne gesehen haben, sondern auch die 83-jährige Doyenne des Hauses, Marianne Nentwich, die als gealterte Diva Dorka Dušková die hier dargebotene unerhörte Begebenheit aus ihrer Jugend erzählt.

Weiterlesen …

In Autor Tags Kritik, Theater, Nachtkritik, Wien, Josefstadt

ER HAT EINE GESCHICHTE ZU ERZÄHLEN – Kritik aus dem Theater in der Josefstadt im Falter 12/25

March 19, 2025 Martin Pesl

Martin Niedermair, Raphael von Bargen © Philine Hofmann

Ein monumentales Theaterereignis erreicht endlich Wien: Matthew López’ „Das Vermächtnis“ erobert das Josefstadt-Publikum

Vor zehn Jahren hätte es das im Theater in der Josefstadt nicht gegeben: Szenenapplaus nach einer schwulen Sexszene. Sie ist abstrakt dargestellt. Die beiden Männer stehen, bekleidet, in großem Abstand zueinander an der Bühnenrampe, rechts Martin Niedermair in der Hauptrolle des New Yorker Mittelschichtlers Eric Glass, 33, links Raphael von Bargen als sein Partner, der exzentrische Emporkömmling und Autor Toby Darling.

Ihr äußerst witziger Dialog mündet in einen Heiratsantrag – und natürlich im Orgasmus. Bravo, findet das Publikum.

Es ist erst kurz nach 15 Uhr, die Marathon-Premiere beider Teile von Matthew López’ „Das Vermächtnis“ hat gerade begonnen. Als sie siebeinhalb Stunden später endet, ist die Stimmung weniger heiter, die Begeisterung aber ungebrochen. Die Leute springen sofort von ihren Sesseln. Auch das ist in der Josefstadt selten, erst recht bei einem zeitgenössischen Stück.

Der 1977 in Florida geborene Matthew López brachte sein Opus magnum mit dem Originaltitel „The Inheritance“ 2018 heraus, erst im Londoner Theater Young Vic, dann in New York am Broadway. Einhellig wurde es als wichtiges Zeitdokument gelabelt, als große Erzählung der queeren amerikanischen Gegenwart.

Weiterlesen im Falter 12/25

In Autor Tags Theater, Kritik, Falter, Josefstadt, Wien, USA
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