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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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JACK IS BACK ‒ Interview mit Johannes Krisch im BESSER September 2015

July 27, 2026 Martin Pesl
Johannes Krisch 
 

 

 
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Johannes Krisch © epa

Jack is back

Als Johannes Krisch Anfang der Neunziger als frisches Ensemblemitglied gerade mal eine Handvoll Stücke gespielt hatte und verfolgte, wie ein haftentlassener Mörder als Dichter von der Wiener Kulturszene hofiert wurde, hätte er nicht gedacht, dass dieser Mann in wenigen Jahren wegen neun Morden verurteilt und tot, er selbst jedoch auf dem Höhepunkt seiner Karriere sein und ebendiesen Unterweger in einem neuen Film verkörpern würde. „Jack“ von Elisabeth Scharang zeigt die glamouröse Seite des Häfnpoeten und Womanizers und wirft die Frage auf, ob der mythisch-mysteriöse Jack Unterweger all diese Prostituierten vielleicht gar nicht umgebracht hat. Johannes Krisch hält sich bedeckt, was die Frage aller Fragen betrifft.

War er’s? Ich werde den Teufel tun, diese Frage zu beantworten, weil es mir nicht zusteht. Als Schauspieler habe ich natürlich eine Entscheidung getroffen, sonst hätte ich ihn nicht spielen können, aber ich werde meine Figur nicht verraten.

Ist „Jack“ ein Film, den Jack gerne gesehen hätte? Das hoffe ich, und ich kann es mir auch vorstellen, weil es ein Film über ihn ist, und das hätte ihm sehr geschmeichelt. In jedem Detail.

Wie sehr waren Sie selbst Anfang der Neunziger Teil der Kulturszene, die Unterweger so umarmt hat? Gerade mal mit einem Theaterstück. Ich habe niemanden umarmt, sondern versucht, Fuß zu fassen. Aber über die Zeitungsgeschichten und „Club 2“ habe ich natürlich alles mitbekommen.

Könnte es eine so ambivalente Figur im heutigen Internetzeitalter noch geben? Das passiert immer wieder, heute sogar schneller als damals. Die Bereitschaft, jemanden sternschnuppenartig in die Höhe zu katapultieren, weil er einer Sache dient, das gibt es immer noch. Man fand ihn damals ja nur faszinierend, weil die Resozialisierung politisch so ein Thema war. Sonst hätte kein Hahn danach gekräht.

Er war also kein besonders guter Schriftsteller? Er hat sicher einiges geschrieben, was sehr berührend ist. Aber ich glaube nicht, dass man in 150 Jahren diese Gedichte vortragen wird. Das wird kein Klassiker.

In „Jack“ wird der extravagante, der Lifestyle-Unterweger gezeigt, als wäre er der Falco unter den Serienkillern. Er war sehr extravagant, weil er es genossen hat, so aufzutreten. Durch die lange Zeit im Gefängnis hatte er viel aufzuholen. Da greift man gerne ins Volle, besonders wenn man plötzlich die Taschen voller Geld hat. Und apropos Falco: Der zitiert ihn ja in seinem „Jeanny“-Video. Er tritt ganz in weiß auf, und die wenigsten wissen, dass damit der Unterweger gemeint ist.

Können Sie verstehen, dass die Frauen so auf ihn abgefahren sind? Ja, denn es waren ja nur gewisse Schichten von Frauen. Es liegt am Spiel mit dem Feuer, weil jemand gegenübersitzt, der eine Grenze überschritten hat, was für viele sehr anziehend ist. Und er war ein großer Frauenversteher, weil er praktiziert hat, was die wenigsten können: Er hat zugehört.

Haben Sie John Malkovich in „The Infernal Comedy“ gesehen? Ja, hat aber mit unserer Geschichte nichts zu tun. Außerdem schauen wir einander überhaupt nicht ähnlich.

Sie sehen ja auch beide Jack Unterweger nicht besonders ähnlich. Deshalb war mir umso wichtiger, ihn zu begreifen und wenigstens sein Wesen zu erfassen. Es war eine sehr intensive Vorbereitung, weil man eine sehr große Verantwortung übernimmt, wenn man eine Person spielt, die gelebt hat. Man muss versuchen, sich dem Menschen so stark wie möglich anzunähern und ihn so weit wie möglich anzuziehen, dass es passt. Ganz Österreich kannte ihn und ist mit ihm in einer Zelle gesessen. Jeder kannte ihn und hat mit ihm was erlebt. Deshalb hoffe ich auch, dass ganz Österreich reingeht.

Sie sind vor zwei Jahren krankheitsbedingt länger ausgefallen. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht? Ich habe mich gesundheitlich wieder auf die Höhe gebracht. Das war körperlich und psychisch Aufwand genug! Deshalb macht mir Film zurzeit auch sehr große Freude, weil es ökonomisch weniger anstrengend ist als Theater. Da probierst du am Vormittag volle Kanne und spielst am Abend volle Kanne, und dazwischen liegst du im Koma. Jedenfalls werde ich sicher nie wieder so ein Workaholic sein wie vor meiner Pause.

Homepage Thimfilm

In Autor Tags Film, Krisch, Literatur, BESSER

„TAKE IT OR LEAVE IT“ – Interview mit Béla Tarr im Falter 23/19

January 6, 2026 Martin Pesl
© Béla Tarr

© Béla Tarr

Der große Avantgarde-Filmer Béla Tarr realisiert bei den Festwochen ein Projekt mit Wiener Obdachlosen. Ein Gespräch über Wiederholungen im Leben, seine Heimat Ungarn und darüber, ob man Film lehren kann

Wäre die Welt einer seiner Schwarz-Weiß-Filme, Béla Tarr würde glatt darin verschwinden. Vor seinem Hotel in der Josefstadt steht der ungarische Regisseur klein, grau, gezeichnet und müde und sagt: „Ich rauche hier jetzt noch zwei Zigaretten, dann können wir anfangen.“

Avantgarde-Kenner verehren Tarr als einen der prägendsten Regisseure der Kinogeschichte. Vor allem „Satanstango“ nach dem Roman von László Krasznahorkai steht in zahlreichen Cineastenlisten weit oben. Der 1994 erschienene Film dauert sieben Stunden, hat aber nur etwa 150 Einstellungen. Er schildert den Verfall eines Dorfes in den letzten Jahren des ungarischen Kommunismus und galt lange als verschollen. 2007 kündigte Tarr an, sein nächster Film „Das Turiner Pferd“ werde sein letzter sein. Daran hielt er sich eisern. Umso sensationeller ist es, dass die Wiener Festwochen den stillen Star für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Das Projekt „Missing People“ wird in der Halle E im Museumsquartier mit Obdachlosen aus Wien erarbeitet und dort auch als Installation mit Bewegtbild und Live-Musik gezeigt.

Der Falter trifft Béla Tarr schon im März im Zuge seiner Castings für das Projekt. Trotz seiner erst 64 Jahre hat der gesundheitlich angeschlagene Mann die Aura eines alten Weisen. Durch den Interviewer auf Ungarisch ehrfürchtig gesiezt, beharrt Tarr in seinen Antworten auf dem Du. Seine Stimme ist sonor und sanft. Wenn er über das Schicksal der Obdachlosen spricht, wird er leise wie bei einer Meditation. 

Herr Tarr, was hat Sie zu dieser Filminstallation mit Wiener Obdachlosen inspiriert?

Tarr: Einmal die Architektur der Halle E. Das Zweite war, dass am Tag meiner Ankunft in Wien ein ungarisches Gesetz in Kraft trat, wonach Obdachlose, die auf der Straße leben, ins Gefängnis gesteckt werden dürfen wie Verbrecher. Am selben Tag hat die Bürgermeisterin von Paris angekündigt, dass sie für die Wintersaison das Rathaus für Obdachlose öffnet.

Wien liegt ja zwischen Ungarn und Paris und wurde jüngst wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt ernannt. Welche Rolle spielt die Stadt in Ihrem Projekt?

Tarr: Ich muss sagen, dass ich Wien nicht kenne. Was ich kenne, ist das Wien der Obdachlosen. Was ich kenne, sind der Gürtel und die Außenbezirke. Ansonsten komme ich abends ins Hotel, esse, schlafe. In der Früh geht es dann wieder los. Aber eines ist sicher: Diese ganze Sache ist viel schwieriger, als ich je gedacht hätte. Ganz anders als einfach einen Film zu machen. Man wird auf ganz existenzielle Dinge aufmerksam. Man ist ja nicht gefühllos, und solche Menschenleben zu sehen, das laugt einen geistig völlig aus. 

Wie lief das Casting?

Tarr: Ich versuche, die Menschen kennenzulernen. Denn jeder Mensch ist anders. Jeder spricht eine andere Sprache, hat eine andere Kultur und Lebensgeschichte. Das Endergebnis ist gleich, aber auf die verschiedenen Wege dorthin muss ich mich einlassen. Ich habe ein einigermaßen umfassendes Gesamtbild des Projekts. Das versuche ich jetzt in eine Dramaturgie, in eine sehr lose Form zu packen. Das wird ja kein Film, den wir projizieren. Das werden Bruchstücke, Stimmungen, menschliche Gesichter.

Es gibt also keine Handlung?

Tarr: Nein, so wie es auch im Leben dieser Menschen keine Handlung gibt. Ich sage ja immer: Eine Story führt uns nur an der Nase herum, denn sie spiegelt uns vor, dass irgendetwas passiert. Diese Menschen haben so eine Starre, die mir manchmal einen Stich in die Brust versetzt. Sie bewegen sich von der nächtlichen Unterkunft, wo sie zwischen 18 Uhr und 7 Uhr bleiben können, an eine Tagesstätte, wo sie sich aufwärmen. Die wird aber um 15 Uhr zugesperrt. Dann gehen sie ein bisschen betteln, die Mutigeren stehlen oder tun etwas dergleichen, was natürlich gesetzeswidrig ist. Dieser Kreislauf ist die ganze Bewegung.

Und die Menschen rechnen auch gar nicht mehr damit, aus diesem Kreislauf auszubrechen?

Tarr: Für manchen ist der große Traum, Straßenkehrer zu sein. Davon kann er sich aber noch lange keine Wohnung leisten, höchstens Zigaretten und was zu trinken. Einige von ihnen leben seit acht Jahren auf der Straße und tragen ihr ganzes Leben mit sich herum.

Wie haben Sie diese Menschen für Ihr Projekt gewonnen?

Tarr: Das entwickelt sich. Ich gehe hin, dann gewöhnen sie sich langsam an mich. Dann beginnen wir zu kommunizieren. Aber ganz locker. Es gibt keine Regeln, kein Rezept. Man muss ja jeden Menschen anders ansprechen. Aber ob man dafür den richtigen Ton findet, das steht ständig auf Messers Schneide.

Sie brauchten ja wahrscheinlich auch einen Dolmetscher?

Tarr: Es war das reinste Sprachgewirr. Aber es gibt ziemlich viele ungarischsprachige Obdachlose in Wien. Slowakische Ungarn, rumänische Ungarn, Ungarn aus Ungarn oder aus der Vojvodina – aus der Diaspora landen einige hier.

Wird dieser Film ...

Tarr: Bewegtbilder! Filme mache ich keine mehr.

Werden diese Bewegtbilder schwarz-weiß sein, so wie wir es von Ihnen gewohnt sind?

Tarr: Wahrscheinlich schwarz-weiß, aber nicht so, wie wir es gewohnt sind.

Und man wird die Bilder nach dem Festival nie wieder sehen können?

Tarr: Sie entstehen hier und nur für hier. Ich würde sie ungern wiederverwerten, das ist nicht mein Stil. Als wir vor ein paar Jahren in Amsterdam eine Ausstellung gemacht haben, haben wir dafür auch einiges Material gedreht, das möchte ich auch nicht mehr herzeigen. Denn sie sind Teil einer Zusammensetzung. 

Über diese Ausstellung haben Sie gesagt, dass Sie Ihr Lebenswerk in sich birgt. Für diejenigen, die sie nicht gesehen haben: Wie würden Sie Ihr Lebenswerk zusammenfassen?

Tarr: Diese Ausstellung hat vieles in einen anderen Kontext gesetzt. Sie bestand aus einzelnen Kapitel, deren Sichtung insgesamt zweieinhalb Stunden dauerte. Ich kann darüber nicht sprechen. Wenn ich es könnte, hätte ich keine Ausstellung dazu gestalten müssen. Es ging ungefähr darum, wie wir heute Leben und wo wir stehen. Sonst nichts. 

Sie haben immer wieder düstere, postapokalyptische Schwarz-weiß-Bilder aufgezeichnet. Diese Bilder sind heute angesichts des erstarkten Rechtspopulismus noch besser verständlich. Hat sich die Welt in den letzten zehn Jahren besonders stark verändert?

Tarr: Ich habe ein Déjavu. Schließlich wurden mir vierzig Jahre meines Lebens vom sogenannten „Sozialismus“ geraubt – in sehr großen Anführungszeichen, denn das war im Prinzip auch nur ein feudalistisches System. Aber es gab zwanzig Jahre, in denen man meinen konnte, das sei jetzt vorbei und etwasbewege sich, und jetzt gehen wir wieder unter. Mich schmerzt dabei nicht so sehr, dass es verantwortungslose Politiker gibt, sondern dass die Menschen ihnen glauben. Aber ich will gar nicht hoffnungslos sein. Dass die Berliner Mauer je fallen könnte, hätte ich damals auch nicht gedacht. Die Welt lässt sich verändern, aber es hängt halt von uns ab.

Schon 2007 haben Sie erklärt, Ihr damals nächster Film „Das Turiner Pferd“ sei Ihr letzter. Wieso wussten Sie das damals schon?

Tarr: Ich habe dreißig Jahre lang Filme gemacht. Schritt für Schritt hat sich dabei ein Stil herausgebildet, der immer sauberer, klarer und eindringlicher wurde. Wenn man dann anfängt, vom Ende des Lebens zu erzählen, wie im „Turiner Pferd“, und das auch noch in einer sehr puren, minimalistischen Filmsprache, dann ließe sich das schon wiederholen – man könnte zehn solche Filme machen, aber es wäre einfach nur lächerlich. Daher weiß man: Das Paket ist jetzt hübsch verschnürt und zur Übergabe bereit. „Take it or leave it“, wie der Engländer sagt.

Nach dem Erscheinen von „Das Turiner Pferd“ 2011 waren Sie vor allem mit Unterrichten beschäftigt.

Tarr: Ja, ich habe eine internationale Filmschule in Sarajevo aufgebaut. Aus allen Ecken der Welt kamen junge Filmemacher, mit denen wir gearbeitet haben, und ältere Filmemacher, die schon mehr Erfahrung hatten. Es war wie eine Werkstatt, in der alle zusammen gelebt und gearbeitet haben, ganz anders als sonstige Filmakademien. Ich habe immer schon die Meinung vertreten, dass man Film nicht lehren kann, weil jeder Filmemacher eine andere Sprache hat. „No education, just liberation“, das war vier Jahre lang unser Geist.

Warum war es dann vorbei?

Tarr: Weil das eine Fakultät einer Privatuniversität war. Man hat mich immer nach dem Profit gefragt, den es selbstverständlich nicht gab. Im Gegenteil: Die anderen Fakultäten haben Gewinn gemacht, wir haben ihn verjubelt. Außerdem wurden wir ins Bologna-System aufgenommen, was einen strengen Lehrplan erforderte. Wie soll ich da erklären, dass ein Apichatpong Weerasethakul mit den Studierenden meditiert? Carlos Reygadas wiederum ging mit ihnen schwimmen, der Schauspielstar Gael García Bernal formierte sie zu einer Fußballmannschaft, die dann gegen die heimischen Straßenkinder verlor. Irgendetwas wurde immer daraus, aber das kann ich ja nicht in einen Lehrplan fürs Ministerium schreiben. Irgendwann hatte ich auch genug. 

Auch bei den Festwochen halten Sie eine Masterclass. Findet die auch im Freibad statt?

Tarr: Nein, nein. Da versuche ich zu formulieren, was ich beim Film für wichtig halte und wie ich seinerzeit gearbeitet habe.

Sie kritisieren offen die Regierung Orbán. Wie ist Ihr Stand in Ihrer Heimat? Kennt man Sie, nimmt man Sie an?

Tarr: Man weiß, wer ich bin. Aber ich bin sehr selten in Ungarn, weil ich dort nicht arbeiten kann. Also reise ich viel.

Bedauern Sie das?

Tarr: Selbstverständlich. Wer möchte nicht gerne im eigenen Bett schlafen? Der Mensch hat so ein instinktives Heimweh.

Wo ist denn im Moment Ihr Lebensmittelpunkt?

Tarr: Ich habe keinen. Allein in diesem Kalenderjahr war ich zweimal in Paris, habe in Deutschland einen Workshop gegeben, habe in Lille unterrichtet. Wo zum Geier war ich denn noch? Hier in Wien natürlich. Zu Hause war ich vielleicht zehn Tage. Nach diesem Projekt steht eine kleine Pause an, das spüre ich. Eigentlich sollte ich mich aber hinsetzen und ein Buch schreiben. Ein Verleger wartet darauf. 

Eine Autobiografie?

Tarr: Nein. Das wird wieder so etwas Undefinierbares. Es war nie meine Art zu erzählen, was mir passiert ist. Aber was ich wie sehe oder was mich mitnimmt, das ist etwas anderes. Je älter man wird, desto mehr sieht man Details. Und nur die Details werden wichtig. Denn im Großen und Ganzen wiederholt sich ja doch alles.

 

Zur Person:

Béla Tarr wurde 1955 im ungarischen Pécs geboren. Seinen ersten Film „Family Nest“ realisierte er mit Mitte 20. Ab dem Fernsehfilm „Macbeth“ (1982) entwickelte er seinen eigenen Stil mit wenigen, langen Einstellungen, oft in Schwarz-Weiß. Seit 1988 arbeitete er eng mit seinem Landsmann, dem Schriftsteller László Krasznahorkai zusammen. So entstanden etwa „Verdammnis“ (1988) und Tarrs siebenstündiges Opus magnum „Satanstango“ (1994). 2011 zog sich Béla Tarr, dessen Filme oft in Ko-Regie mit seiner Ehefrau Ágnes Hranitzky entstanden, endgültig aus dem Kino zurück.

In Autor Tags Interview, Falter, Film, Kunst, Wiener Festwochen, Ungarn, Ungarisch

THEATER, DAS DIE REALITÄT NEU ERFINDET – Porträt von Kornél Mundruczó im Magazin Opernhaus Zürich Nr. 3 Saison 2025/26

January 5, 2026 Martin Pesl

© The New York Times/Redux/laif

Der Regisseur Kornél Mundruczó verknüpft in seinem Œuvre auf einzigartige Weise Film, Sprech- und Musiktheater. Mit nahbaren Menschendarstellungen und atemberaubenden Raumkonzepten schafft der Ungar Intensität wie kaum ein anderer. Jetzt wird auch Zürich einen Künstler kennenlernen, der sich nicht gern politisch äußert, aber umso politischer erzählt. Ein Porträt von Martin Thomas Pesl

Sein erster Film heißt Minőségét megőrzi, das steht in Ungarn auf verderblichen Lebensmitteln. Es bedeutet in etwa: „Mindestens haltbar bis ...“. Als die Kurzdoku 1998 erschien, war Kornél Mundruczó 23 Jahre alt. Heute, mit 50, gehört der Ungar zu den wichtigsten Regisseuren der Welt und agiert in Film, Sprech- und Musiktheater mit gleichem Ernst und Erfolg. Nur in Ungarn werden seine Arbeiten nicht mehr gezeigt. 

In der Kleinstadt Gödöllő geboren und aufgewachsen, interessierte sich Mundruczó zuerst fürs Zeichnen und Malen. Die Mutter war Lehrerin und kunstinteressiert: „Filme zu machen, war kein Kindheitstraum, eher ein Prozess“, sagte er in einem Interview. In einem anderen verwies er auf sein Glaubensbekenntnis, irgendwo zwischen rumänisch-orthodox und römisch-katholisch: „Wenn du keinen Glauben hast, ist es schwierig, Gedanken zu fassen.“ Dann zitiert er den südafrikanischen Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee: „Er beschreibt, wie der Urmensch einst herumsaß, mit völlig leerer Seele, und anfing, auf Holz zu schlagen, um diese unendliche Leere irgendwie auszufüllen, und daraus ist der Glaube entstanden. Das hat mir sehr gefallen.“

Während er an den lokalen Theatern Schauspielerfahrungen sammelte, studierte Mundruczó Regie an der SZFE in Budapest, jener Hochschule, die im Jahr 2020 durch landesweite Proteste gegen die Regierung des ungarischen Premierministers Viktor Orbán Bekanntheit erlangte. Der Regisseur und ehemalige Theaterleiter Árpád Schilling unterstützte die Studierenden damals mit zahlreichen ausführlichen Wortmeldungen im Netz. Anders Kornél Mundruczó. Nicht etwa, weil dieser den Premier und seinen Umbau Ungarns zu einem illiberalen Staat unterstützte, sondern weil er fand, als Künstler solle seine Arbeit für ihn sprechen. Also schwieg er und arbeitete. Er wolle sich nicht dauernd für Orbán entschuldigen, gestand er genervt am Rande eines späteren Gesprächs. „Ich vermittle meine Meinung hauptsächlich über mein Werk. Sie jeden Tag zu äußern, würde ich als kontraproduktiv empfinden.“

Weiterlesen im Magazin Opernhaus Zürich Nr. 3 Saison 2025/26

In Autor Tags Porträt, Theater, Oper, Film, Ungarn, Schweiz

THINKING CIRCUS – Film von Arne Mannott

April 26, 2024 Martin Pesl

© Arne Mannott

Auftrag

Erstellung englischer Untertitel für die deutschen Passagen des Films

Auftraggeber

Arne Mannott

Projektinfo

What exactly characterizes circus art, what significance does it have and what could even be an attempt to define circus art? In the documentary "Thinking Circus", various European circus artists give their answers to these questions. Arne Mannott organizes this multitude of voices into a film that reports on the artistic potential of different circus styles through the generations. Artists from contemporary circus meet their classical colleagues. Not only do different approaches to this art form become clear, but above all, shared basic ideas about circus also emerge. Solidarity, the sharing and passing on of knowledge and the value of community in the circus experience a new appreciation.

In Übersetzer Tags Untertitel, Englisch, Doku, Film
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