3. Juni 2026. In Kooperation mit den Festwochen bringt das Schauspielhaus Wien einen Abend mit vier Stücken heraus, die sich mehr oder weniger assoziativ mit den Anschlägen vom 11. September befassen. Beteiligt sind unter anderem Claudia Rankine, Ozan Zakariya Keskinkılıç und Sivan Ben Yishai. Und ja, es wird wild!
3. Juni 2026. Wer weiß, was am 11. September passiert ist? Genau: Der Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall überquerte schwimmend die Donau (1834). Das vereinte christliche Heer schaffte die Wende im Krieg gegen die Osmanen, das Ende der Zweiten Wiener Türkenbelagerung wurde eingeleitet (1683). Und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock traf eine Gruppe von Künstler:innen zu einer Diskussion nach dem Motto #respektvollstreiten (2024).
Das alles erfährt man im Rahmen eines vierteiligen Autor:innen-Theaterprojekts am Schauspielhaus Wien. "9/11 Frames per Second" widmet sich den Folgen jenes 11. September 2001, der hier natürlich eigentlich gemeint ist. Der stilistisch, energetisch und inhaltlich bunte Abend ist eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen, die dieses Jahr nach dem Motto "We Need New Gods" dem Religiösen in allem kritisch nachspüren wollen. Die Terrorakte 2001 fanden ebenso wie die Reaktion darauf vorgeblich im Namen des Glaubens statt. Passt also.
Film und Poesie
Wir sind im 25. Jahr danach, und die damals auf der Welt waren, können sich meist noch erinnern, was sie gerade taten, als die Meldung vom ersten Flugzeug kam, das ins World Trade Center krachte. Dennoch gibt es hier keine Flugzeuge, keine einstürzenden Türme – das erste sichtbare Bild ist die Skyline von Manhattan an einem freundlichen Morgen post 9/11. Es ist auf eine von mehreren Leinwänden projiziert, aufgespannt auf der stufenförmigen Bühne, denn das erste Projekt, von Claudia Rankine und Bateira, kombiniert die Kunstformen Film und Poesie. In der Projektion versteckt sich eine PoC-Frau in ihrer modernen New Yorker Wohnung vor der Migrationsbehörde ICE. Indes liest Rankine mit performativer Monotonie einen Text, der das Innenleben der Protagonistin wiedergeben könnte, Überschrift und letzte Worte lauten: "Are You Afraid Yet?"
