Einen Berg voll unheilbarer Verluste baut Rebekka David in ihrer neuen Stückentwicklung auf. Er fußt mitten im Herzen von Graz.
17. Januar 2026. Wahrscheinlich ist es einfach an der Zeit. Die Rezeptionsglocke klingelt nicht, die Telefonleitungen in den Zimmern sind defekt, und der Herr Rudolf vom Empfang kann sich den Namen des neuen Hoteldieners nicht merken, der in Gestalt Dominik Puhls eifrig den güldenen Gepäckwägen umplatziert. Der Anruf einer Frau Kommerzialrat schockiert Personal und Kundschaft gleichermaßen: Das Grand Hotel Steirerhof muss schließen, um zwölf kommt die Planierraupe.
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Dieses Hotel gab es wirklich, am Grazer Jakominiplatz. Es galt als erste Adresse der Stadt, bis es Anfang der Neunziger abgerissen wurde. Heute steht da eine Mall mit Fitnesscenter, Restaurant und Rolltreppen, zuvor aber mieden viele Einheimische lange den zentralen Jakominiplatz, weil sie die Leerstelle nicht ertrugen. Das ist reale Historie, dem wissenden Gemurmel im Saal nach zu schließen, als Schauspielhaus-Urgestein Rudi Widerhofer in seiner Rolle als Herr Rudolf dieses Szenario skizziert. Er tut es freilich als visionäre Kassandra, denn noch erlebt das Fünf-Sterne-Hotel ja seine letzten Stunden. Wir schreiben das Jahr 1989, und es gibt Wählscheibentelefone mit Wahlwiederholungstaste.
