Am Volkstheater Wien zeigt Jan-Christoph Gockel eine Revue über den Schriftsteller Joseph Roth – geboren auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Doch vor vergnügliche Momente der Koproduktion mit dem Nationaltheater Marija Sankowezka in Lwiw drängt sich immer wieder das ernste Thema Krieg.
Kaum werden Staaten bedroht, sind sie der heiße Scheiß auf deutschsprachigen Bühnen. Diese Erkenntnis wird spät verlautbart in „Ukrainomania – Revue eines Lebens“. Jan-Christoph Gockel weiß es aber natürlich schon länger. An den Münchner Kammerspielen hat er 2023 Natalka Vorozhbyts Stück „Green Corridors“ uraufgeführt, mit einem teils ukrainischen Ensemble, zu dem auch die Live-Zeichnerin Sofiia Melnyk gehörte.
Melnyk ist nun wieder dabei, da Gockel erstmals am Volkstheater Wien arbeitet. Frisch mit seinem Münchner „Wallenstein“ zum Theatertreffen eingeladen, nimmt der Regisseur diesmal keinen dramatischen Text als Grundlage, sondern eine interessante Tatsache: dass der Schriftsteller Joseph Roth – Kaffeehausliterat und etwa mit seinem Roman „Radetzkymarsch“ Chronist der untergegangenen Donaumonarchie – auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde. Roth schrieb: „Manchmal wird eine Nation modern. Diesmal sind es die Ukrainer.“ Mit anderen Worten: der heiße Scheiß.
