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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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PLÖTZLICH REGISSEUR – Porträt von Wolfgang Menardi in der Theater heute 7/26

June 26, 2026 Martin Pesl

Wolfgang Menardi © Tommy Hetzel

Der Theaterkünstler Wolfgang Menardi hat als Schauspieler begonnen, als Bühnenbildner Karriere gemacht und führt nun Regie: ein Porträt

Vom Schauspieler zum Bühnenbildner zum Regisseur: „Die Reihenfolge fühlt sich organisch an“, sagt Wolfgang Menardi, Jahrgang 1977. Dennoch fällt ihm auf die Schnelle abgesehen von ihm selbst niemand ein, der diesen Weg eingeschlagen hat. Jeweils knapp zehn Jahre liegen zwischen den Wechseln, die zwar nie abrupt erfolgten, aber dennoch recht klar zu datieren sind.

Da ist einmal der Schlussapplaus am Ende einer Vorstellung von „Romeo und Julia“ am Residenztheater. Tina Lanik hat inszeniert, Wolfgang Menardi, damals 31, den Tybalt gespielt. Er verbeugt sich und merkt: „Nee. Ich brauch noch was anderes.“ Neben dem Festengagement im Ensemble entwirft er ab nun immer mehr Räume in anderen Theatern: in Fürth, Paderborn und seiner Geburtsstadt Innsbruck.

Schnellvorlauf ins Jahr 2023: Menardi ist längst als Bühnenbildner für Regiegrößen wie Johan Simons, Yael Ronen und Falk Richter etabliert, hat aber auch schon vereinzelt Regie geführt. Der Direktor des Wiener Volkstheaters, Kay Voges, bietet ihm an, eine kleine Arbeit zu inszenieren, mit Texten der Wiener Gruppe – also mit Lyrik von Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Gerhard Rühm und Konsorten. Das Materialbudget des Abends mit dem Titel „Heit bin e ned munta wuan“ (Dialekt für: „Heute bin ich nicht aufgewacht“, eine Gedichtzeile von Artmann) ist in den Dimensionen einer reinen Vorbühnenproduktion kalkuliert. Menardi aber will mehr, denkt größer. Also beschließt er, ein eigenes, bereits abgespieltes Bühnenbild aus dem Schauspiel Frankfurt in Wien wiederzuverwerten.

Die Premiere findet im Februar 2024 statt. In einem hyperrealistisch ausgestatteten Wohnungssetting spielt Volkstheater-Star Samouil Stoyanov eine einsame alte Frau, die sich vor ihrem Tod scheinbar eine Musikkapelle herbeihalluziniert. Auch die Vorbühne bleibt nicht unbespielt: Sie gehört allein Claudia Sabitzer, die Texte aus einer Dokumentation über Pompfüneberer, Wiens legendäre Totengräber, performt. Aus völlig handlungsbefreiter Poesie und atmosphärisch dazu passendem Interviewmaterial hat Wolfgang Menardi eine nachvollziehbare, wenn auch traumartig-surreale Geschichte gebaut – und merkt daraufhin, wie sich zu den Bühnenbild- immer mehr Regieanfragen gesellen. „Jetzt bin ich also plötzlich Regisseur“, stellt er fest. „Odernoch regieführender Bühnenbildner?“ Was das recycelte Bühnenbild angeht, sind sich danach übrigens alle Beteiligten einig, es wäre weniger Arbeit gewesen, ein neues herzustellen.

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In Autor Tags Theater, Porträt, Theater heute

SOMMERNACHTSALBTRAUM IM LÄNDLE – Kommentar im Falter 26/26

June 24, 2026 Martin Pesl

© Anja Köhler

In Bregenz wird die erfolgreiche Intendantin des Landestheaters, Stephanie Gräve, abmontiert. Aber warum?

Volles Haus. Schweizerdeutsch, Schwäbisch und diverse Ländle-Dialekte mischen sich im Foyer. Am Vorarlberger Landestheater in Bregenz wird die Shakespeare-Komödie „Ein Sommernachtstraum“ gegeben. Der Applaus ist herzlich, dem anschließenden Publikumsgespräch wohnt auch Intendantin Stephanie Gräve bei. Allerdings auf der Seite des Publikums. Denn Gräve ist derzeit freigestellt. Ihr Gehalt bezieht sie weiter, doch ihre Aufgaben hat die Geschäftsführerin Monika Wagner auf andere Mitarbeitende verteilt.

Im März war bekannt geworden, dass Gräves Intendanz nicht über die Spielzeit 2027/28 hinaus verlängert wird. Die Entscheidung traf der Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH (KuGes). Gräve wäre dann zwei Amtsperioden, also zehn Jahre im Amt gewesen. Das ist länger als sämtliche ihrer Vorgänger, seit das Haus von Unternehmer Bruno Felix offiziell in Landeshände überging.

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In Autor Tags Falter, Theater, Vorarlberg, Kommentar

DURCHS KASINO WEHT EIN HAUCH HOLLYWOOD – Kritik aus der BURG im Falter 26/26

June 24, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Stanisław Lems „Solaris“ aus 1961 gilt, auch aufgrund seines philosophischen Gehalts, als einer der besten Science-Fiction-Romane aller Zeiten. Dreimal wurde das Buch bisher verfilmt. Regisseur Roman Senkl versucht sich jetzt gewissermaßen an der vierten Filmversion. Und der fünften, der sechsten et cetera. Wann immer „Solaris“ auf dem Spielplan des Burgtheaters steht, findet eigentlich ein Dreh statt, dessen Ergebnis Interessierte live auf YouTube verfolgen können.

Inhaltlich folgt Senkl eng der Vorlage: Der berüchtigte Gallert-Ozean rund um den Planeten Solaris formt aus den persönlichen Erinnerungen der Forscher auf der Raumstation beängstigend konkrete Phantome. Beim Protagonisten Dr. Kelvin, von Daniel Jesch mit dem abgekämpften Ton eines Hollywood-Helden ausgestattet, ist die Besucherin seine verstorbene Frau Harey (betörend, auch gesanglich: Safira Robens).

Anders als bei Senkls voriger Arbeit für die Burg, „Das Haus“, ist diesmal auch ein ganz normaler Theaterbesuch in der Spielstätte Kasino am Schwarzenbergplatz möglich. Dort sieht das Publikum etliche Kameras und noch mehr Projektionsflächen. Das Streaming-Erlebnis soll auch für analog Anwesende nicht ganz verloren gehen.

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In Autor Tags Falter, Theater, Burgtheater, Kritik, Sci-Fi

GLUT UND ZWIESPALT – Interview mit Kurō Tanino in der Festwochen-Beilage zum Falter 18/26

June 18, 2026 Martin Pesl

© Patrick Wai

Kurō Taninos Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin in der Edo-Zeit

Zuletzt gastierte der japanische Theatermacher und Psychiater Kurō Tanino vor zwölf Jahren bei den Wiener Festwochen, damals mit dem surrealen Stück „Die Kiste im Baumstamm“. Heuer kehrt er mit einer Geschichte aus Japans Edo-Zeit zurück, jener Friedensperiode vom 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwei Figuren sind blind – wie die Frauen, die sie spielen. 

Falter: Herr Tanino, Ihr Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin. Wovon ist die Handlung inspiriert?
Kurō Tanino: Japan hat eine lange Tradition von Rachegeschichten. Dabei geht es nicht einfach um Gewalt, sondern darum, mit den Toten auf eine neue Art in Verbindung zu treten. Der Groll der Figur Sayo lässt niemals nach. Er bricht nicht aus wie ein Vulkan, sondern bleibt irgendwo vergraben und glimmt vor sich hin – wie die Glut. 

„Auf dieser Welt, wo alles falsch ist, gilt nur der Tod.“ Wie steht dieser erste Satz in Bezug zum Rest Ihres Stückes?
Tanino: Er ist ein Ausgangspunkt. Die Figuren verlassen sich auf Dinge wie Liebe, Vertrauen oder die Hoffnung auf Erlösung. Doch das alles droht stets, sich zu verändern oder zusammenzubrechen. Der Tod hingegen zaudert nicht. Er existiert als etwas, vor dem es kein Entkommen gibt. Dieses Stück spielt sich im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Zuständen ab: dem Leben mit Unsicherheit und dem Wissen ob des Unvermeidlichen. Alle Figuren versuchen, mit diesem Spannungsfeld auf ihre Weise umzugehen.

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In Autor Tags Falter, Interview, Wiener Festwochen, Wien, Festival, Japan
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