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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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TOKYO GIRLS CLUB – Romanrezension im Falter 40/26

October 1, 2026 Martin Pesl

Eriko und Shoko sind zwei Tokioterinnen um die dreißig. Eine macht Karriere im Berufsleben, die andere ist Hausfrau und bloggt darüber. Das Leben der jeweils anderen erfüllt sie mit Verachtung und Bewunderung. Aufgrund des Erfolg von Asako Yuzukis Gesellschaftsroman „Butter“ kam heuer „Tokyo Girls Club“, ein älterer Roman der Autorin, international auf den Markt. Wörtlich übersetzt hieße der Titel „Der Viktoriabarsch-Frauenclub“, denn als roter Faden dienen Fische allgemein und Hubert Saupers Doku „Darwin’s Nightmare“ im Besonderen.

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In Autor Tags Rezension, Falter, Literatur, Japan

EINE HOSE IST EINE HOSE IST EINE HOSE – Festivalbericht vom steirischen herbst auf Nachtkritik.de

September 28, 2026 Martin Pesl

Ekaterina Degot © Martin Thomas Pesl

Als internationales Festival hat der Steirische Herbst in Graz Bedeutung und Tradition. Seine Zukunft ist hingegen ungewiss. Zu Beginn der vorletzten Ausgabe von Festivalleiterin Ekaterina Degot liefen nun Arbeiten, die inhaltlich klare Punkte setzten.

28. September 2026. Reden gehören eher selten zu den Highlights von Festivals. Der Steirische Herbst in Graz schert hier aus. Ekaterina Degot leitet das Festival seit 2018. Persönliche Gespräche führt die Russin lieber auf Englisch. Die traditionelle Ansprache zur Eröffnung jedoch hält sie auf Deutsch. Dabei spricht sie frei, unter weitgehender Ignoranz des Skripts, das ihre Presseabteilung zuvor mit Sperrfrist an Journalist:innen versandt hat. Mit dem bösesten Humor sagt sie die klügsten Sachen, dabei kommt sie einem vor wie die Nachbarin, die man gerade auf einen Tratsch in der Waschküche getroffen hat.

Dieses Jahr war es besonders lustig. Der Auftakt fand bei gerade aufreißendem Spätsommerhimmel nachmittags auf dem Karmeliterplatz hinter dem Grazer Schauspielhaus statt, vor einem Gebäude der steirischen Volkspartei. Es heißt, dass Ekaterina Degot ihre Rede gern vom dortigen Balkon aus gehalten hätte. Das ging nicht, also nutzte sie das Bühnenbild der Eröffnungsperformance und ließ sich maximal effektvoll mit einem Baulift in die Höhe fahren. Über der Menge schwebend konstatierte sie dann beispielsweise lakonisch – man stelle sich unbedingt den russischen Akzent dazu vor: "Manchmal ist eine Lederhose einfach eine Lederhose."

Festival-Zukunft derzeit ungewiss

Ja, aber manchmal ist derart demonstrativer Patriotismus eben auch ein Warnsignal. "Red Flags" lautet das Motto des steirischen herbst 2026, das stadtweit in Grün und Rot von öffentlichen Verkehrsmitteln und Plakaten prangt. Wie schon vor zwei Jahren, da hieß es "Horror Patriae", versteckt sich die Gefahr dabei in Volkstümelei, falsch verstandenem Traditionsbewusstsein und Geschichtsverzerrung. Der Alarm schlägt keine Sekunde zu früh. Degots Vertrag läuft aus, 2027 leitet sie ihre letzte Ausgabe. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Den steiermärkischen Landeshauptmann stellt die rechte FPÖ, die mehr "Volkskultur" will, und die Stadt Graz hat zwar eine sehr beliebte kommunistische Bürgermeisterin, aber absolut kein Geld.

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In Autor Tags Festival, Bericht, Steiermark, Nachtkritik

HEIMAT MIT HAČEK – Nachtkritik aus dem Schauspielhaus Graz

September 27, 2026 Martin Pesl

Ensemble © Lex Karelly

Ich bin wieder da! Ja, schön, aber wo? In Ewe Benbeneks neuem Stück treiben die Figuren in Vielsprachigkeit durch eine Vielvölkerheimat. Von der k.u.k.-Zeit bis in die EU-Gegenwart. Marie Bues realisiert die Uraufführung in einem Get-Together von drei Theatern.

27. September 2026. Die Sprachen der einstigen österreichisch-ungarischen Donaumonarchie verfügen über einen Laut, auf den sich alle einigen können. Geschrieben wird er unterschiedlich: auf Polnisch "sz", auf Tschechisch und Slowakisch "š", Ungarisch schlicht "s", Deutsch "sch". Sogar ein arabisches Zeichen haben die Muslime in Bosnien zu Zeiten der Donaumonarchie dafür erfunden. Ausgerechnet der Laut also, der zum Schweigen auffordert, schafft Völkerverständigung: eine schöne Erkenntnis aus Ewe Benbeneks neuem Stück – einem Text, der von Buchstaben und Gemeinschaft handelt.

Ein Hoch auf die babylonische Sprachverwirrung

Die Buchstaben bilden das Bühnenbild – auf bunten Bahnen werden sie ausgerollt. Die Gemeinschaft spiegelt sich zuallererst auf der Metaebene: Gleich drei Theater arbeiten hier zusammen. Einer vor zwei Jahren geknüpften Allianz zwischen den Schauspielhäusern Wien und Graz in der Regie von Marie Bues, der künstlerischen Ko-Leiterin des Ersteren, hat sich neu das Budapester Katona József Színház angeschlossen. Jedes Haus entsandte zwei Spieler:innen. Der Text wurde ins Ungarische übersetzt, die Uraufführung (im Partnerprogramm des steirischen herbst) zelebriert babylonische Sprachverwirrung – nicht nur im Titel "ФielföلkaŠtát".

Ewe Benbenek, preisdekoriert für "Tragödienbastard" (2020) und "Juices" (2023), wurde in Polen geboren und kam mit ihren Eltern als Kleinkind nach Deutschland. Ähnlich geht es jener in Du-Form angesprochenen Figur, die man noch am ehesten als Protagonistin des aktuellen Werks bezeichnen kann. Sophia Löffler (Team Wien) spielt dieses namenlose Kind von Migrant:innen. Ziellos reist sie durch die ehemaligen Kronländer und kritisiert pointiert die Ignoranz des Tourismus (wer noch nie in Prag auf Junggesell:innenabschied war, werfe den ersten Stein). In SMS tauscht sie sich mit dem besorgten Vater (Tim Breyvogel, Graz) aus, der auf ein "Ich bin wieder da" hin fragt, wo das denn eigentlich sei.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Steiermark, Ungarn, Wien

ENDGEGNER PUBLIKUM – Bericht aus dem Theater in der Josefstadt im der Freitag 38/26

September 19, 2026 Martin Pesl

© Philine Hofmann

Neustart nach 20 Jahren: Intendantin Marie Rötzer will das traditionsreiche Theater in der Josefstadt modernisieren – und muss dabei vor allem die Zuschauer:innen mitnehmen

Menschen in Deutschland, erst recht in Berlin, das Theater in der Josefstadt zu erklären, ist gar nicht leicht. Oder doch: Das drittgrößte Schauspielhaus in Wien, benannt nach dem Stadtbezirk, in dem es steht, repräsentiert so ziemlich das Extrem dessen, was österreichische Theaterleidenschaft von deutscher unterscheidet: das Publikum.

„Dieses Theater ist 1788 wirklich aus dem Volk heraus gegründet worden“, erklärt Marie Rötzer, Direktorin seit der gerade begonnenen Spielzeit. Bis heute betrachten die Besucher:innen „die Josefstadt“ als ihr Theater, ihr Eigentum geradezu, „ihr Zuhause“, wie Rötzer es nennt. Sie interessieren sich weniger für Themen als für Geschichten, sie wollen nicht so sehr geistig herausgefordert wie sinnlich bewegt werden. 

„Gleichzeitig ist die Josefstadt auch ein großes Literaturtheater“, so die gebürtige Niederösterreicherin weiter. „Immer schon seit Johann Nestroy und Ferdinand Raimund haben sich hier österreichische Autoren selbst in ihre Stücke geschrieben und auf der Bühne gestanden. Auch die jüdische Geschichte des Hauses spielt eine große Rolle.“ Insbesondere prägte vor gut hundert Jahren die Schauspielerfamilie Thimig das Haus, in die auch der legendäre Regisseur Max Reinhardt einheiratete. Auch Reinhardt, Mitgründer der Salzburger Festspiele, arbeitete in der Zwischenkriegszeit viel im Theater in der Josefstadt.

Tradition als wichtigste Erfolgsgrundlage: für eine neue Intendantin eine durchaus schwierige Ausgangssituation. Besonders, wenn ihr Vorgänger unglaubliche zwanzig Jahre lang im Amt war. Der Schauspieler und Regisseur Herbert Föttinger übernahm die künstlerische Leitung 2006. Zuvor war Helmuth Lohner, ein ehemaliger Direktor, notdürftig für zwei Jahre ins Amt zurückgekehrt, weil der Regisseur Hans Gratzer die Leitungsposition niedergelegt hatte. Grund waren interne Unstimmigkeiten, aber auch, dass sein Programm keinen Anklang fand. Nur eine Spielzeit, und weg war er – Josefstadt-Fans sind unerbittlich.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Bericht, der Freitag, Josefstadt, Wien
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