Als internationales Festival hat der Steirische Herbst in Graz Bedeutung und Tradition. Seine Zukunft ist hingegen ungewiss. Zu Beginn der vorletzten Ausgabe von Festivalleiterin Ekaterina Degot liefen nun Arbeiten, die inhaltlich klare Punkte setzten.
28. September 2026. Reden gehören eher selten zu den Highlights von Festivals. Der Steirische Herbst in Graz schert hier aus. Ekaterina Degot leitet das Festival seit 2018. Persönliche Gespräche führt die Russin lieber auf Englisch. Die traditionelle Ansprache zur Eröffnung jedoch hält sie auf Deutsch. Dabei spricht sie frei, unter weitgehender Ignoranz des Skripts, das ihre Presseabteilung zuvor mit Sperrfrist an Journalist:innen versandt hat. Mit dem bösesten Humor sagt sie die klügsten Sachen, dabei kommt sie einem vor wie die Nachbarin, die man gerade auf einen Tratsch in der Waschküche getroffen hat.
Dieses Jahr war es besonders lustig. Der Auftakt fand bei gerade aufreißendem Spätsommerhimmel nachmittags auf dem Karmeliterplatz hinter dem Grazer Schauspielhaus statt, vor einem Gebäude der steirischen Volkspartei. Es heißt, dass Ekaterina Degot ihre Rede gern vom dortigen Balkon aus gehalten hätte. Das ging nicht, also nutzte sie das Bühnenbild der Eröffnungsperformance und ließ sich maximal effektvoll mit einem Baulift in die Höhe fahren. Über der Menge schwebend konstatierte sie dann beispielsweise lakonisch – man stelle sich unbedingt den russischen Akzent dazu vor: "Manchmal ist eine Lederhose einfach eine Lederhose."
Festival-Zukunft derzeit ungewiss
Ja, aber manchmal ist derart demonstrativer Patriotismus eben auch ein Warnsignal. "Red Flags" lautet das Motto des steirischen herbst 2026, das stadtweit in Grün und Rot von öffentlichen Verkehrsmitteln und Plakaten prangt. Wie schon vor zwei Jahren, da hieß es "Horror Patriae", versteckt sich die Gefahr dabei in Volkstümelei, falsch verstandenem Traditionsbewusstsein und Geschichtsverzerrung. Der Alarm schlägt keine Sekunde zu früh. Degots Vertrag läuft aus, 2027 leitet sie ihre letzte Ausgabe. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Den steiermärkischen Landeshauptmann stellt die rechte FPÖ, die mehr "Volkskultur" will, und die Stadt Graz hat zwar eine sehr beliebte kommunistische Bürgermeisterin, aber absolut kein Geld.
