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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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IN TINTE VERSCHWOMMEN – Romanrezension in der Buchkultur 227

August 19, 2026 Martin Pesl

Romandebüt mit 81: Rumiana Eberts „Schwimmen in der Tinte“

Im bulgarischen Plowdiw geboren, wanderte Rumiana Ebert nach Deutschland aus, wo sie nicht nur als Chemikerin promovierte, sondern sich auch einen Namen als – deutschsprachige – Lyrikerin, Übersetzerin und Verfasserin von Kurzgeschichten machte. Jetzt hat die 81-Jährige, das ist für sich genommen bemerkenswert, ihren ersten Roman herausgebracht. „Schwimmen in der Tinte“ ist autobiografisch gefärbt: Sowohl die Ich-Erzählerin als auch eine in der dritten Person beschriebene Protagonistin namens Marie stammen aus Bulgarien und bauen sich schließlich ein Leben in Deutschland auf. Dass es sich um denselben Menschen handeln könnte, ist über weite Strecken zu erahnen, trägt aber nicht unbedingt zum Genuss der Erzählung bei.

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In Autor Tags Buchkultur, Literatur, Rezension

FAMILIENAUFSCHNEIDUNG – Romanrezension in der Buchkultur 227

August 19, 2026 Martin Pesl

Spannend wie ein Krimi: Adèle Yon recherchiert die Geschichte ihrer Urgroßmutter.

Zugegeben, ihre Familie, mit der sich die junge Französin Adèle Yon anlässlich einer Doktorarbeit beim kreativen Forschungslabor SACR auseinandergesetzt hat, ist keine ganz gewöhnliche. Dennoch: Eine rein persönliche Recherche so spannend aufzubereiten wie sie, da gehört schon richtig was dazu. Etwa fünf Jahre ist es her, da begann sie, Fragen über ihre Urgroßmutter Betsy zu stellen. Von dieser 1916 geborenen Frau, eines von elf Kindern und selbst Mutter von sechs, wurde innerhalb der Familie bisher viel geschwiegen. Sie sei schizophren gewesen, lange in einer Klinik unterbracht und einer Lobotomie unterzogen worden, so viel ist bekannt. Nach und nach begibt sich Yon auf die Suche nach der Wahrheit über Betsy.

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In Autor Tags Literatur, Buchkultur, Rezension

FREUD! MEIN SCHWARZER TEUFEL – Interview mit Gioia Osthoff und Devid Striesow im Katalog von BOW Production

August 19, 2026 Martin Pesl

© Nils Schwarz

Martin Thomas Pesl: Wie habt ihr einander kennengelernt und seid auf die Idee gekommen, diese Briefe zusammen zu lesen?

Gioia Osthoff: Ich war auf der Suche nach einer spannenden Vater-Tochter-Beziehung, ein Thema das mich persönlich gerade bewegt. Als mir der Briefwechsel zwischen Sigmund und Anna Freud in die Hände fiel, hat mich dieser Stoff sofort gefesselt. Anna Freud, eine große Persönlichkeit, die so oft hinter diesem großen Vater verschwindet. Ich fragte mich: wie ist es eigentlich, wenn man die Tochter Sigmund Freuds ist? So fing ich an zu recherchieren und verbrachte viele Stunden im Sigmund Freud Museum in Wien. Ihr Weg als Pionierin ist wahnsinnig spannend, einerseits die totale Emanzipation und andererseits ist ihr Weg doch nicht ohne diesen Übervater zu denken. Mit dem Fokus auf diese Beziehung machte ich dann die Fassung zu unserem Abend und ich freue mich sehr, dass ich Devid dafür begeistern konnte.

Pesl: Das heißt, Devid, du warst von Anfang an mit einem bestimmten Rollenverständnis von Sigmund Freud konfrontiert, da Gioia die Fassung gemacht hat. Wie nimmst du ihn wahr?

Devid Striesow: Er ist eine sehr ambivalente Figur, das macht den Reiz dieser Texte aus. Erst letzten Herbst habe ich eine Vater-Tochter-Geschichte abgedreht: „Vaterland“. In diesem Film macht Erika Mann mit Thomas Mann eine fiktive Reise, da wird auch über Exil und aber eben auch eine Vater-Tochter-Geschichte erzählt. Das ist natürlich nicht so tiefgründig wie die Briefe von Freud, aber das Thema war für mich bereits mehrere Wochen lang präsent gewesen. Und dann kam Gioia halt um die Ecke mit diesem Freud-Thema! Davon abgesehen liebe ich diese Vorlesesituation. Ein oder zwei Menschen treten vor viele andere Menschen und lesen ihnen etwas vor. Diese vielen Menschen sind gekommen, weil sie wissen, da wird ihnen etwas vorgelesen. Das erzeugt eine ganz besondere Stimmung, eine Spannung. Und ich finde, dieses Sujet Freud hat das Zeug dazu, die Leute zum Nachdenken anzuregen und eine tolle Geschichte zu erzählen. Wie gesagt, diese Figur ist von einer großen Ambivalenz geprägt. Reisen, Heimatlosigkeit, Exil, Umbrüche in der Gesellschaft, Verlust – diese Themen machen den Stoff für mich wahnsinnig aktuell und spannend.

Weiterlesen im Katalog von BOW Production (Juni 2026)

In Autor Tags Interview, Lesung, BOW

DOCH NOCH SCHWEIN GEHABT IN SALZBURG – Doppelkritik von den Salzburger Festspielen im Falter 34/26

August 19, 2026 Martin Pesl

© Ole Lagerpusch (links) und André Szymanski SF/Armin Smailovic

Bei den Salzburger Festspielen bringt das Schauspielprogramm zwei Großereignisse: ein erwartetes und eine Überraschung

Es konnte nur besser werden, und es wurde viel besser. Für den manierierten „Faust“ und die prätentiösen Uraufführung des neuen Textes von Peter Handke entschädigten die letzten Premieren des Schauspielprogramms bei den Salzburger Festspielen vollends. In beiden Fällen durften Regieteams ans Werk, die Lust am Experiment hatten.

Im Falle von „Unter Tieren“ erfolgte das Spektakel mit Ansage. Das angeblich letzte Theaterstück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek handelt von Tieren, die mit Begriffen rund um Geld und Wirtschaft hantieren. Regisseur Nicolas Stemann erklärte im Vorfeld, er werde mit Band und siebenköpfigem Ensemble eine knapp vierstündige „Textumsetzungsmaschine“ auffahren. Einen Teil inszeniere eine KI, und vielleicht käme eine Live-Schaltung zum Milliardär Peter Thiel zustande.

Ein gelungener Witz, der auf den Skandal bei den heurigen Wiener Festwochen anspielte und mediale Aufmerksamkeit erzeugte. Thiel war natürlich nicht wirklich eingeladen, dafür gab eine bewusst schlechte KI-Animation seines Konterfeis ein Interview und rezitierte ein paar Zeilen Jelinek. Darüber hinaus ist „Unter Tieren“ das Happening geworden, als das es angekündigt wurde. Kaum ein künstlerisches Mittel wird gescheut, um den wortspielfreudigen Jelinek-Text zu feiern, aber auch zu fordern.

Weiterlesen im Falter 34/26

In Autor Tags Falter, Theater, Kritik, Festival, Salzburg
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