Biblisch: Jonas Eikas neuer Roman „Offener Himmel“ ist seitenstark und fantastisch.
Sie haben es sich nicht leicht gemacht: Die Beginen waren eine Gruppe von Frauen in Europa ab dem Mittelalter, die sich gegen die Kirche auflehnten. Es lag nicht etwa daran, dass sie nicht an Gott glaubten, im Gegenteil: Sie beteten, lebten keusch und verweigerten jeden Besitz. Dabei aber legten die Beginen großen Wert darauf, nach ihren eigenen Regeln vorzugehen und sich weder von weltlichen noch von kirchlichen Institutionen vereinnahmen zu lassen.
Auf über 600 Seiten hat sich nun Jonas Eika mit den Bewohnerinnen mehrerer Beginenhöfe nahe Lüttich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts befasst. Eika, preisgekrönt für „Nach der Sonne“ (2019), fuchst sich tief in die Befindlichkeiten, Praktiken und Umgangsformen der Frauen hinein. Die Sprache des Romans – von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat aus dem Dänischen sauber in ein biblisch anmutendes Deutsch übertragen – vermittelt dabei stets eine unterschwellige Erotik, die sich gleichermaßen auf Jesus richtet wie auf die eine oder andere Beginenschwester.
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