Auf dem Wiener Rathausplatz erstrahlt schon das Eurovision Village in schillerndem Violett. Die Sonne scheint, es herrscht das Wetter für einen lauen Frühsommerabend im Freien. Doch bevor die Song-Contest-Woche feierlich eröffnet wird, steht gegenüber, im Burgtheater, die letzte große Premiere der Saison an: Karin Henkel hat die österreichische Erstaufführung von Ewald Palmetshofers Shakespeare-Überschreibung „Sankt Falstaff“ inszeniert.
So geht es also aus dem Hellen ins Dunkle. Thilo Reuther hat einen Raum praktisch ganz in Schwarz-Weiß entworfen, wie Bilder einer Überwachungskamera oder, noch naheliegender: Röntgenbilder. Die Bühne rahmt das gigantische Gerippe eines Brustkorbs, unter dem sich die Polittragödie abspielt. Rechts im Vordergrund stapeln sich einige Bildschirme, auf denen – schwarz-weiß natürlich – die analogen Assoziationen nochmals gedoppelt werden: Augen, denen nichts entgeht: Überwachungsbilder –, sezierende Blicke, die unter die Haut gehen: Röntgenaufnahmen. Dazu hin und wieder ein paar ulkige Avatare – denn Palmetshofers Stück spielt, auch wenn die ironisch nobel stilisierte Sprachpartitur es nicht auf den ersten Moment erkennen lässt, in unserer heutigen Zeit der Tracker, Handys und Videotelefonie.
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Kultur heute
Moderation: Anja Reinhardt
Sonntag, 10. Mai 2026, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk
