Muhen, Unruhe, Lachen. Darüber Off-Text:
Da ist eine Kuh im Burgtheater! Keine echte natürlich. Zwei Personen stecken in einem Kostüm und zwängen sich durch die Publikumsreihen. Amüsant umständlich ist das und gibt einigen Zuschauenden die Möglichkeit, ein falsches Tier zu streicheln. Mit Ach und Krach schaffen es die beiden auf die Bühne, legen ihre Kuhhaut ab – und stellen sich als die Stars des Abends heraus: Stefanie Reinsperger als Vater Ubu und Sebastian Wendelin als Mutter Ubu in Alfred Jarrys Kultgroteske aus dem späten 19. Jahrhundert.
VATER UBU: Schreiße.
Dem eingebauten „r“ zum Trotz sorgte das allererste Wort des Stückes bei der Uraufführung für Tumulte. Heute erwartet man nichts anderes, zumal von einer Stefanie Reinsperger, die sich mit Wiener Zunge und Mut zur Derbheit seit ihrer Rückkehr an die Burg aus Berlin in die Herzen des Publikums gespielt hat. Stefan Bachmann weiß das gut einzusetzen. Reinsperger und ihr Kollege Sebastian Wendelin erfreuen das Publikum eine Stunde lang mit kleinen improvisierten Tricks. Dennoch bringen sie Jarrys absurde Handlung voran: Die Ubus beschließen, den polnischen König vom Thron in den Tod zu stoßen.
MUTTER UBU: Dabei könntest du auf deiner Birne die polnische Krone tragen!
VATER UBU: I versteh wirklich kein Wort!
MUTTER UBU: Du bist einfach zu dumm!
VATER UBU: Der König Wenzel lebt noch vergnügt, und selbst wenn der König Wenzel tot wäre, der hat doch unzählige Kinder!
MUTTER UBU: Ja, aber wer hindert dich denn, die ganze Familie zu massakrieren und dich an ihren Platz zu setzen?
Dass zu dem Königsmord schließlich ein Freiwilliger aus dem Publikum überlistet wird, ist eine witzige und nahbare Idee. Kurz darauf erklärt das neue Königspaar einzelne Zuschauende zu Adeligen, die der Usurpator Ubu „enthirnt“, also köpft. Ein anarchisches Schauspiel, das Jarrys Stil des Grand Guignol, also des grotesken Horrortheaters, unterhaltsam in die Gegenwart überträgt und gleichzeitig mühelos Referenzen auf Regierende wie Donald Trump zulässt. Wendelin und Reinsperger sind ein unschlagbares Comedy-Duo, dem man gern zusieht. Da stört es auch gar nicht, dass über eine Stunde lang der Vorhang nicht aufgeht. Der ganze dreckige Spaß spielt sich bei zumindest schwachem Saallicht auf der Vorderbühne und unter den Leuten ab.
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Kultur heute
Moderation: Anja Reinhardt
Samstag, 17. Oktober 2026, 17:30 Uhr
