KOMÖDIENSÄGENMASSAKER – Nachtkritik aus dem Akademietheater Wien

 v.l.n.r.: Regina Fritsch (Erna), Stefanie Dvorak (Mariedl), Barbara Petritsch (Grete) © Reinhard Werner

v.l.n.r.: Regina Fritsch (Erna), Stefanie Dvorak (Mariedl), Barbara Petritsch (Grete) © Reinhard Werner

Komödiensägenmassaker

Wien, 3. Oktober 2015. Zunächst mal Stirnrunzeln: Schon wieder eine David-Bösch-Premiere? Gerade vor einer Woche war doch noch von "Prinz Friedrich von Homburg" in München zu lesen. Gut, es gibt so etwas wie Vorproben, und Bösch wird seine Wiener Inszenierung von Werner Schwabs "Die Präsidentinnen" wohl kaum in sechs Tagen gestemmt haben.

Moll-Lesart der Welt
Obwohl, wenn man den Abend dann gesehen hat, ist man schon geneigt, dem vielbeschäftigten Bösch ein gewisses Kalkül zu unterstellen: Ein moderner Klassiker, in dem von punktuellen Gewaltausbrüchen abgesehen eigentlich nur gesprochen und nicht gehandelt wird – "Die Sprache, die die Präsidentinnen erzeugen, sind sie selber", hat Autor Werner Schwab notiert –, dazu drei brillante Schauspielerinnen: Wie viel Aufwand kann das noch sein?

So ist als Inszenierungshandschrift tatsächlich nur die Ausstattung übriggeblieben. Die stammt von Böschs Stammbühnenbildner Patrick Bannwart und spiegelt konsequent die von diesem Leading Team bekannte Moll-Lesart der Welt wider: Die Bühne des Akademietheaters ist zu einem Quadrat verkleinert. Es beherbergt eine Putzfrauenwohnung, die an der professionellen Kompetenz ihrer Bewohnerin zweifeln lässt. Die Wände laborieren an Wasserflecken und Geschmiere: "MOTHER" steht da, offenbar ein Werk des alkoholkranken und enkelproduktionsunwilligen Sohnes, aber auch "SÜNDER", denn Mutter Erna ist eine brave Katholikin und sparsam. Das Klo (der Abort, wie Schwab ihn gerne nennt) hat keinen eigenen Raum, armselige Bildchen, eines davon den österreichischen Bundespräsidenten Waldheim zeigend, denn das Stück wurde 1990 uraufgeführt, machen den Raum kaum wohnlicher.

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