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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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GLUT UND ZWIESPALT – Interview mit Kurō Tanino in der Festwochen-Beilage zum Falter 18/26

June 18, 2026 Martin Pesl

© Patrick Wai

Kurō Taninos Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin in der Edo-Zeit

Zuletzt gastierte der japanische Theatermacher und Psychiater Kurō Tanino vor zwölf Jahren bei den Wiener Festwochen, damals mit dem surrealen Stück „Die Kiste im Baumstamm“. Heuer kehrt er mit einer Geschichte aus Japans Edo-Zeit zurück, jener Friedensperiode vom 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwei Figuren sind blind – wie die Frauen, die sie spielen. 

Falter: Herr Tanino, Ihr Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin. Wovon ist die Handlung inspiriert?
Kurō Tanino: Japan hat eine lange Tradition von Rachegeschichten. Dabei geht es nicht einfach um Gewalt, sondern darum, mit den Toten auf eine neue Art in Verbindung zu treten. Der Groll der Figur Sayo lässt niemals nach. Er bricht nicht aus wie ein Vulkan, sondern bleibt irgendwo vergraben und glimmt vor sich hin – wie die Glut. 

„Auf dieser Welt, wo alles falsch ist, gilt nur der Tod.“ Wie steht dieser erste Satz in Bezug zum Rest Ihres Stückes?
Tanino: Er ist ein Ausgangspunkt. Die Figuren verlassen sich auf Dinge wie Liebe, Vertrauen oder die Hoffnung auf Erlösung. Doch das alles droht stets, sich zu verändern oder zusammenzubrechen. Der Tod hingegen zaudert nicht. Er existiert als etwas, vor dem es kein Entkommen gibt. Dieses Stück spielt sich im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Zuständen ab: dem Leben mit Unsicherheit und dem Wissen ob des Unvermeidlichen. Alle Figuren versuchen, mit diesem Spannungsfeld auf ihre Weise umzugehen.

Weiterlesen in der Festwochen-Beilage zum Falter 18/26

In Autor Tags Falter, Interview, Wiener Festwochen, Wien, Festival, Japan

3000 EINZELTEILE – Übertitel für eine Produktion im Akademietheater

June 18, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Auftrag

Erstellung und Fahren der deutsch-ungarischen Übertitel

Auftraggeber

Burgtheater

Projektinfo

In deutscher und ungarischer Sprache mit deutschen und ungarischen Übertiteln

Aus dem Ungarischen von Endre M. Holéczy 

Ein Theaterregisseur erhält von der BURG den Auftrag, ein Stück von und mit Rom:nja-Schauspieler:innen zu inszenieren. Prompt beschließt er, die realen Biografien der Beteiligten für sein Stück zu verwenden und lässt ein Haus aus ihrem Dorf in 3000 Einzelteile zerlegen, um es auf der Bühne des Akademietheaters wieder aufzubauen. Publikum und Presse sind in gespannter Erwartung auf die außergewöhnliche Inszenierung und erhoffen sich maximale Authentizität.

In seiner bitterbösen Satire 3000 EINZELTEILE stellt der ungarische Film- und Theaterregisseur Ádám Császi die unbequeme Frage, wie Minderheiten selbstbestimmt auf Bühnen sichtbar gemacht werden können und warum gute Absichten so oft zu falschen Ergebnissen führen.

In Übersetzer Tags Theater, Übertitel, Ungarisch, Deutsch, Burgtheater

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Wiener Festwochen auf Deutschlandfunk Kultur

June 18, 2026 Martin Pesl

Gob Squad © Christine Fenzl

Auftrag

Kritik zur Premiere „Doppelgänger/Doppelganger“ im Gespräch mit Marietta Schwarz

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

“No one makes themselves. (...) We all make and unmake one another.”
Naomi Klein – Doppelganger

Wo fangen wir an? Im wahrsten Sinne des Wortes: Wo fangen wir und das, was wir als „uns“ betrachten, was du als „dich“ betrachtest, – wo fängt das an?

Doppelgänger/Doppelganger ist eine performative Reise in die verschlungenen Tiefen und Abgründe einer Spiegelwelt, wo das, was wir glauben zu sein – einzigartig und unverwechselbar – sich zu vervielfältigen beginnt. In dieser Welt der Verdopplungen und Projektionen, des Vergessens und Erinnerns und der ewigen Selbstbeschwörung stecken die Performer:innen von Gob Squad in einer endlos scheinenden Party fest.
Aber niemand scheint noch zu wissen, was es eigentlich zu feiern gibt. Hatte nicht jemand Geburtstag? Es gibt Kuchen und Luftballons und alles wird mit der Kamera festgehalten: Jemand hat ein Foto gemacht! Und darauf sehen wir doch aus, als hätten wir eine gute Zeit…

Gefangen in dieser Party-Schleife suchen Gob Squad schließlich im Publikum nach Gründen zu feiern. Und nach möglichen Doppelgänger:innen, um sich selbst zu erweitern, zu konfrontieren, vollständig auszuschalten oder sich aufzulösen in Vielen. Der Tanz mit dem Selbst beginnt. Aber wer führt hier wen, und durch wessen Geschichte? Was spricht durch wen und wie viele? Und wer entscheidet überhaupt, was als Nächstes geschieht?

Die Geburtstagsgesellschaft kippt in eine surreale Vision voller unerwarteter Wendungen, in der verschiedene Identitäten und Stimmen unerbittlich darum kämpfen gehört zu werden und uns die geteilte Verantwortung für etwas, das mehr ist als wir selbst, als utopisches Déjà-vu begegnet.


Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Marietta Schwarz
Donnerstag, 18. Juni 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

"Doppelgänger/Doppelganger": Neues Stück von Performance-Kollektiv Gob Squad
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Performance, Wien, Wiener Festwochen, Festival, Deutschlandfunk Kultur, Kritik

DAS LEXIKON DER GEHIRNWÄSCHE – Nachtkritik von den Sommerspielen Melk

June 18, 2026 Martin Pesl

Isabella Knöll © Daniela Matejschek

Lose an George Orwell orientiert ist die packende Diktaturerzählung "Das Ministerium der Wahrheit" von Jérôme Junod. Alexander Hauer, Chef der Sommerspiele Melk, eröffnet mit ihr seinen Festivalsommer. Eine eisige Brise Wortkunst weht durch den Stiftort.

18. Juni 2026. Altsprech und Neusprech, Ozeanien oder Ostasien – die Begrifflichkeiten hat Jérôme Junod direkt George Orwells Literaturklassiker "1984" entnommen. Auch "Das Ministerium der Wahrheit", das seinem neuen Stück den Titel leiht, bot schon bei Orwell Arbeit im autoritär regierten Überwachungsstaat.

Dennoch bringt Junod nicht den Roman auf die Bühne. Seine Figuren heißen Nora, Wenzel, Severin, und ihr Neusprech ist ein recht umgangssprachliches Österreichisch ("Passt schon") mit grammatischen Vereinfachungen: "Erster" und "dritter Kanal" heißen "einster und dreister".

Am Fuß von Stift Melk

Der Schweizer Junod ist zwar auch Regisseur (und nebenbei Leiter eines neuen Studiengangs "Stage Narration" an der Uni Krems). Dennoch hat für diesen Abend nach einer dreijährigen Regiepause der Chef der Sommerspiele Melk wieder selbst das Ruder übernommen: Alexander Hauer. Ob er wohl gemeint ist mit "dem Erzintendanten", Junods Variation auf Orwells Big Brother? Es würde ihm womöglich schmeicheln; Hauer leitet die Sommerspiele Melk seit 2013.

Das Konzept ist jeden Sommer ähnlich: Bekannte Autor:innen erhalten Stückaufträge zu großen, oft historischen oder mythologischen Themen. Abwechselnd steht in der Wachauarena mit Blick aufs imposante Stift Melk eine thematisch irgendwie dazu passende Musikrevue auf dem Programm. Sie ist dem puren Entertainment verschrieben (diesmal mit Hits der Eighties!), während das Schauspiel, wenngleich höchst variabel im Zuschnitt, regelmäßig zu den inhaltlich anspruchsvollsten Programmpunkten des bunten niederösterreichischen Festspielsommers gehört – und diesen mit einer Premiere Mitte Juni meist auch eröffnet.

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In Autor Tags Nachtkritik, Theater, Festival, Niederösterreich
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