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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ALLES, WIRKLICH ALLES ÜBER DIE LIEBE – Zwischenbericht von den Wiener Festwochen auf nachtkritik.de

May 25, 2025 Martin Pesl

„Three Times Left Is Right“ © Nurith Wagner Strauss

„V is for loVe“, behaupten die diesjährigen Wiener Festwochen und setzen auf den V-Effekte in Beziehungen – nicht nur unter Paaren. Mit dabei: Die Liebe zwischen einem linken Intellektuellen und einer rechten Aktivistin, lustvolle Perspektiven auf das Böse und eine Kleist-Premiere von Christopher Rüping. Ein Zwischenbericht.

25. Mai 2025. Die Wiener Festwochen, so erklärte Milo Rau mehrmals, seien das einzige Festival, das mit dem Höhepunkt beginne. Damit bezog sich der Intendant zwar auf die traditionell im Fernsehen übertragene Eröffnungssause vor dem Rathaus. Dennoch fällt auf, dass die mit größter Spannung erwarteten Premieren in der (verlängerten) ersten von fünf Festivalwochen stattfanden. 

Neben Signas Sterbesimulation "Das Letzte Jahr" und Raus eigenem Meta-Making-of "Burgtheater" im Burgtheater war der dritte Highlight-Kandidat eine Uraufführung des aktuellen Theaterpreis-Berlin-Trägers Christopher Rüping. Bekannt war im Vorfeld, dass "All About Earthquakes" (in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum) eine größere Besetzung hat als alle Rüpings bisher und dass der Regisseur nach "Ajax und der Schwan der Scham" wieder ein überraschendes Mash-up versuchen würde: zwischen Heinrich von Kleists Novelle "Das Erdbeben in Chili" (1806) und dem Essay "All About Love" (2000) der Amerikanerin bell hooks.

Liebe zwischen Rechts und Links

Begonnen hat das Theaterprogramm der Festwochen an Tag eins jedoch denkbar klein. Angelehnt an die Reihe "Pièce de commune" des Theaterfestivals Avignon gibt es dieses Jahr zum zweiten Mal eine Produktion, die während des Festivals an verschiedene dezentrale Spielorte der Stadt wandert. "Ein gefräßiger Schatten" von Mariano Pensotti hat als funktionales Bühnenbild eine rotierbare Kletterwand, dazu ein paar Requisiten (vor allem zwei Laufbänder) und zwei Spieler. In der deutschsprachigen Version gibt Sebastian Klein den Bergsteiger Martin, der die Route nachwandern möchte, auf der vor knapp drei Dekaden sein Vater verschwand. Jahre später erhält der Schauspieler Thomas (Manuel Harder) die Hauptrolle in einem Film über eben jenen Martin. Ihre wendungsreichen Handlungsstränge spielen sich auf verschiedenen Zeitebenen ab, treffen und beeinflussen einander aber auch. Der Argentinier Pensotti ist ein berückender Storyteller, dem es sogar gelingt, die hier angedeutete Form des Wandertheaters als letzte Kapriole in seine Geschichte einzuweben.

Das in Wien lebende Paar Helmut Lethen und Caroline Sommerfeld wird in Julian Hetzels "Three Times Left Is Right" zwar nicht namentlich genannt, ist aber die Inspiration für den Abend. Er ist ein linker Intellektueller, sie, Jahrzehnte jünger, hat sich den Identitären zugewandt. Trotzdem lieben sie einander, haben gemeinsam Kinder und kommen trotz heftiger Grundsatzdiskussionen miteinander aus. Bei Hetzel werden sie (auf Englisch) vom belgischen Paar Josse De Pauw und Kristien De Proost gespielt.

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In Autor Tags Nachtkritik, Kritik, Wiener Festwochen, Wien, Festival

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Wiener Festwochen auf Deutschlandfunk Kultur

May 24, 2025 Martin Pesl

Christopher Rüping © Daniel Pilar

Auftrag

Live-Kritik der Premiere „All About Earthquakes“ im Gespräch mit Marietta Schwarz

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Christopher Rüping ist bekannt für Inszenierungen, bei denen scheinbar komplizierte Inhalte zu kraftvoll-unterhaltsamen Schauspieler:innenfesten werden, bei denen Emotionalität und kluge Gegenwartsanalyse sich gegenseitig verstärken. In All About Earthquakes bringt der deutsche Regisseur nun Heinrich von Kleist mit der amerikanischen Feministin, Philosophin und Autorin bell hooks zusammen. Während Kleist in seiner Novelle Das Erdbeben in Chilidie demokratische Utopie eines klassenlosen Garten Edens erst erschafft und dann scheitern lässt, beschreibt bell hooks in ihrem Bestseller All About Love die Liebe als ein Handlungsinstrument, um Gräben und Verletzungen in der modernen Gesellschaft dauerhaft zu überwinden. Mit einem großen Ensemble von 13 Schauspieler:innen und einem Live-Musiker wagt All About Earthquakesvon der Bühne aus den Versuch, ein grenzüberwindend liebevolles Miteinander zu schaffen. Aber können wir das Paradies ertragen?

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Marietta Schwarz
Samstag, 24. Mai 2025, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Christopher Rüping in Wien mit "All About Earthquakes" nach Kleist und hooks
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk Kultur, Wien, Wiener Festwochen, Liebe

CLASSY – Vorschau auf die Klassikerbearbeitungen bei den Wiener Festwochen 2025 in der Falter-Beilage

May 21, 2025 Martin Pesl

„Richard III“ © Alexander Khanin

Neue Blicke auf alte Stoffe: Mit einer Reihe von „Brand New Classics“ streifen die Wiener Festwochen 2025 durch die Jahrhunderte

In Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ nervt der Hausknecht Melchior mit immer demselben Ausruf: „Des is klassisch!“, sagt er, wann immer er etwas interessant und/oder legendär findet. Nestroys „Jux“ gilt freilich selbst als Bühnenklassiker, zumindest nach der gängigen Ausdrucksweise. Ursprünglich waren die „Classics“ im Theaterkontext vor allem Stücke aus der griechischen und römischen Antike. Heute neigen wir dazu, all das so zu nennen, was sich schon länger bewährt. Also alles Interessante und Legendäre.

Im Theater ziehen „die Klassiker“ in der Regel das meiste Publikum an: Texte, die im Deutschunterricht besprochen werden, Titel, die „man kennt“ (oder kennen zu müssen meint), Stoffe, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Was sich stark verändert, ist die Art und Weise, wie diese Stoffe auf die Bühne gebracht werden. Nur noch selten erlebt das Publikum heute Inszenierungen, die es erlauben, im Reclam-Heft Zeile für Zeile mitzulesen, oder Römertragödien in der Toga. Auch die Menschen, die diesen nachtrauern, sterben allmählich aus. Zumindest ist die These zulässig, dass es sich bei ihnen nicht um das, haha, klassische Festivalpublikum handelt.

Die Wiener Festwochen zählen gleich zwölf Produktionen ihrer diesjährigen Ausgabe zu den „Brand New Classics“, allesamt gegenwärtige Blicke auf Bekanntes. Intendant Milo Rau steuert selbst gleich zwei Exemplare bei, deren eines zwar Klassiker, aber auch Debütant ist: Das Theaterstück „Burgtheater“, in dem die spätere Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek die Verwicklung der österreichischen Schauspieldynastie Wessely/Hörbiger in die NS-Propagandamaschinerie thematisiert, wird am titelgebenden Ort in Raus Inszenierung erstmals zu sehen sein.

Weiterlesen in der Falter-Festwochen-Beilage 2025

In Autor Tags Theater, Festival, Wien, Wiener Festwochen, Falter, Vorschau

STÜCKEFEST 2024/25 – Jury-Mitglied für das Peter-Turrini-Stipendium in St. Pölten

May 21, 2025 Martin Pesl

Auftrag

Mitentscheidung über die Vergabe des Peter-Turrini-Stipendiums an einen von vier Texten

Auftraggeber

Landestheater Niederösterreich

Projektinfo

Auch 2025 findet wieder das Stückefest mit anschließender Preisverleihung des Peter-Turrini-Dramatiker*innenstipendium im Landestheater Niederösterreich statt!

Seit fast 15 Jahren setzt das Landestheater Niederösterreich mit dem Peter-Turrini-Dramatiker* innenstipendium des Landes Niederösterreich ein Zeichen für zeitgenössische Dramatik. Vergeben wird das Stipendium alle zwei Jahre im Rahmen unseres Stückefests. Vier neue Theatertexte, nominiert von unseren Kooperationspartner* innen, dem Dramaforum der uniT Graz und dem Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst, werden vom Ensemble des Landestheaters Niederösterreich und Gästen in Lesungen präsentiert.

In diesem Jahr bewerben sich Stephan Langer mit dem Stück „rummelfantasie (mayday mayday)“, Armela Madreiter mit „Intendantenwechsel“, Marcus Peter Tesch mit „NO MERCY SISTERS“ und Paula van Well mit „der mund wenn er kippt ist ein teich“ um das Stipendium, das am Schluss des Stückefests durch eine renommierte Jury, bestehend aus der Regisseurin Anne Bader, Julia Stattin von der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich, dem Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor Martin Thomas Pesl und unserer künstlerischen Leiterin Marie Rötzer, vergeben wird.

Die Uraufführung des ausgezeichneten Stückes findet am 07. März 2026 am Landestheater Niederösterreich statt.

In Sprecher Tags Jury, Niederösterreich, Theater
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