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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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WIEDERGELESEN: SCHAM MIT SCHARM – Klassikerrezension in der Buchkultur 228

October 3, 2026 Martin Pesl

Marlen Haushofer und ihr Krimi, der keiner ist: Endlich allein! Ein Ausruf, der sich Marlen Haushofer und einigen ihrer Protagonistinnen zuschreiben lässt. Und nun dank Neuausgabe auch ihrer Erzählung „Wir töten Stella“.

In den späten 1960ern wurde der Krimi revolutioniert: Bei „Columbo“ wusste das Publikum von der ersten Sekunde an, wer der Mörder war. Dennoch verfolgte es gebannt die Ermittlung. Marlen Haushofer starb 1970, die ersten Folgen der Fernsehserie mit Peter Falk könnte sie also theoretisch gesehen haben, nicht aber, bevor sie 1958 ihre Erzählung „Wir töten Stella“ herausbrachte.

Der Titel – ursprünglich sollte er noch drastischer „Wir morden Stella“ lauten – nimmt das ultimative „Columbo“-Prinzip vorweg. Wer’s war, verrät das erste Wort. Und doch muss man sehr genau lesen, um zu erkennen, was eigentlich passiert: Denn als die Ich-Erzählerin Anna an einem Wochenende ersehnter Einsamkeit endlich Zeit hat, das Geschehene zu Papier zu bringen, agiert sie zwar mit scharfer Beobachtung, aber auch ohne Leserschaft im Sinn – ähnlich wie ihre berühmtere Nachfolgerin, die Erzählerin von Haushofers fünf Jahre später erschienenem Roman „Die Wand“. Dass Annas Mann Richard also die Schülerin Stella, Tochter einer lebenslustigen Freundin und vorübergehender Hausgast der Familie, geschwängert und zur Abtreibung gezwungen, diese sich daraufhin ganz absichtlich vor einen fahrenden Lastwagen geschmissen hat, steht da in dieser Klarheit nicht. Solch literarisch verwertete Schamhaftigkeit macht den Text auch bei neuerlicher Lektüre so meisterhaft aufregend.

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In Autor Tags Rezension, Buchkultur, Österreich, Literatur

DIE KINDER DER ANDEREN – Romanrezension in der Buchkultur 228

October 3, 2026 Martin Pesl

Vom queeren Mutter(un)glück erzählt ein Booker-nominierter katalanischer Roman.

Pedro Almodóvar sagt, er würde dieses Buch gern verfilmen. Das ist gut vorstellbar, aber auch sein Kollege David Cronenberg hätte womöglich seine Fantasien dazu: In „Boulder“ beschreibt die katalanische Schriftstellerin Eva Baltasar anschaulich und schonungslos den Körperhorror der Mutterschaft – allerdings den der indirekten. Die Ich-Erzählerin führt ein zügelloses Leben als Schiffsköchin, als sie Samsa kennenlernt und sich in sie verliebt. Die beiden ziehen zusammen nach Reykjavík, nehmen neue Jobs an und führen ein erfülltes Leben. Dann jedoch eröffnet Samsa ihrer Partnerin, die sie Boulder nennt (Samsa ist Geologin), sie wolle „mit ihr“ ein Kind. Boulder hat daran zwar keinerlei Interesse, willigt aber dennoch ein, sie bei dem Prozess der künstlichen Befruchtung, Schwangerschaft und Aufzucht des Kindes zu begleiten.

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In Autor Tags Rezension, Buchkultur, Spanien

SCHON WIEDER ETWAS PASSIERT – Romanrezension in der Buchkultur 228

October 3, 2026 Martin Pesl

Kunstvoll und mitreißend: Luca Kiesers Roman „Simsalabim, Simon Brenner“

Die Rechten sind zu gefährlich, so wird der junge Polizist Luca Kieser als verdeckter Ermittler eben auf linke Studierende angesetzt. Der Einsatz wird schiefgehen, das verrät ein Vorausblick gleich zu Beginn. Wir schreiben das Jahr 2010, unter anderem wurde gerade ein höchst umstrittenes Bauprojekt in Stuttgart gestartet, bis 2021 soll der neue Bahnhof fertig sein. Luca wird von seinem Chef allerdings in die Unistadt Heidelberg entsandt. Mit einer Armbanduhr als Aufnahmegerät soll er illegalen Aktionen auf die Schliche kommen, die eine vermeintlich radikale Gruppierung plant. Sein Chef Wolfgang gibt ihm den Decknamen Simon Brenner und schenkt ihm dazu den ersten Wolf-Haas-Krimi, der den gleichnamigen Detektiv in die Welt brachte.

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In Autor Tags Rezension, Buchkultur, Deutschland

ZWISCHEN SCHWARZ UND WEISS – Porträt von Artem Tschech in der Buchkultur 228

October 2, 2026 Martin Pesl

Artem Tschech möchte Romane schreiben, aber er muss auch für die Freiheit seines Landes kämpfen. Wie sich das anfühlt, macht das neue Buch des ukrainischen Schriftstellers greifbar. Die Playlist zur eigenen Lektüre liefert „Musik für einen Soldaten“ gleich dazu.

Vorsicht: Rauchen kann Ihr Leben verkürzen. Wenn Ihr Leben aber sowieso jeden Tag von akuter Verkürzung bedroht ist, dann sieht die Sache anders aus. Auf dem Cover der deutschen Ausgabe von Artem Tschechs neuem Buch „Musik für einen Soldaten“ prangt ein Schwarz-Weiß-Foto des Verfassers, wie er gerade mit geschlossenen Augen an einer Zigarette zieht. Der Tschech mit Tschick ist keine beliebige Wahl. In seinen Notizen von der Front erwähnt der 1985 geborene Autor mehrmals beiläufig, wie er oder seine Kameraden sich Zigaretten anzünden. Als er auf „Dienstreise“ nach Amerika fährt, bringt er ihnen Zigarren mit.

„Viele Soldaten rauchen“, erklärt Artem Tschech. „Nicht alle, aber viele. Es rauchen sogar die, die eigentlich nicht rauchen. Vor Beginn der großangelegten Invasion hatte ich eigentlich vor, aufzugeben, aber als ich den Krieg herannahen spürte, verwarf ich den Plan – ich hätte sowieso wieder mit dem Rauchen angefangen. Aber oh, welch Genuss ist es im Krieg!“

Was für ein Medienprofi Tschech ist, merkt man spätestens, als er im schriftlich auf Englisch geführten Buchkultur-Interview dem Ausdruck „the Great War“ in Klammer jenen Begriff hinzufügt, der dafür auf Deutsch en vogue ist: „großangelegte Invasion“. Auf dass der österreichische Kulturjournalist ja keinen Fauxpas begehe! Wahrscheinlich hat Tschech da seine Erfahrungen gemacht.

Im September 2022 schrieb er über seine ersten Monate an der Front einen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Einer von deren Reportern hatte ihn 2020 bei militärischen Übungen begleitet. Denn dass Russland unter Wladimir Putin früher oder später angreifen würde, mag im Westen zwar viele überrascht haben, nicht aber die Menschen in der Ukraine.

Erstmals war Artem Tschech ab Mai 2015 mehr als ein Jahr für die ukrainische Armee in den Krieg gezogen. Damals hatte Putin die Halbinsel Krim überfallen und annektiert, die Ukraine wehrte sich. Tschech war in seiner Heimat nach etlichen Publikationen als Schriftsteller etabliert, zögerte aber keine Sekunde, sich eine Uniform anzuziehen und sich im Gebrauch von Waffen ausbilden zu lassen. Als die – lange befürchtete – großangelegte Invasion am 24. Februar 2022 begann, wusste er: Jetzt ist es wieder so weit. Es gilt, die Armeetasche aus dem Kasten zu holen, seine Frau – eine landesweit bekannte Filmemacherin –, und den gemeinsamen Sohn in Kyjiw zurückzulassen und auf Kampfstation zu gehen. Befehle anzunehmen und an einen überschaubaren Trupp an Männern weiterzugeben. Der angefangene Roman bleibt erst einmal liegen.

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In Autor Tags Porträt, Literatur, Krieg, Buchkultur, Ukraine
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