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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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IN DER SCHEISSE WURLN – Nachtkritik aus dem Griessner Stadl

August 6, 2026 Martin Pesl

© Philipp Rirsch

Zwischen Graz und Salzburg liegt Stadl an der Mur. Seit zehn Jahren wird hier im Griessner Stadl Volkstheater neu gedacht. In diesem Jahr hat der Autor Thomas Perle ein Stück geschrieben, in das Lokalgeschichte eingeflossen ist. Im Mittelpunkt: ein Gasthaus mit brauner Vergangenheit.

6. August 2026. Jössas, da fühlt man sich direkt angesprochen: Besonders wer es nicht könne, sei eingeladen mitzusingen, schreibt Autor Thomas Perle in der Einleitung zu seinem neuen Stück "WEGENER vergangen vergessen vorüber". Der Griessner Stadl hier in Stadl an der Mur solle zum Gasthaus Wegener werden, das Publikum zu den Gästen und somit zur Statisterie. In braunen ledernen Menümappen sei der mitzusingende Text aufgeführt.

Leider (oder zum Glück?) hat der Uraufführungsregisseur Martin Kreidt diese Anregung Perles ignoriert. Dem Publikum bleibt die Interaktion erspart, es verteilt sich auf die beiden Längsseiten der laufstegartigen Bühne. An Fuß- und Kopfende positionieren sich hier die beiden Live-Musiker mit Akkordeon, Kontrabass und Modular-Synthesizer, dort die sechs auf Auftritte wartende Spieler:innen.

Gasthaus mit Tradition

Einer von ihnen ist Ferdinand Nagele, der gemeinsam mit Anita Winkler seit nunmehr zehn Jahren mit Slogans wie "Kunst ist Chefin" und "Heimat Kunst Radikal" Volkskultur im Griessner Stadl neu denkt. Der Ort Stadl an der Mur liegt zwar in der Steiermark, ist von Salzburg aber mindestens ebenso "gut" (in zweieinhalb Busstunden) zu erreichen wie von Graz: das "hinterste Eck", wie die in Wien studierende Wirtstochter Gertraud (Mareike Kremsner) es im Stück zur Erzürnung der Mutter Magda (Ricki Moser) nennt.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Steiermark, Geschichte, Kulturpolitik

SIE GEHEN UND GEHEN, DABEI GEHT ES UM NICHTS – Doppelkritik von den Salzburger Festspielen im Falter 32/26

August 5, 2026 Martin Pesl

 © SF/Jörg Brüggemann

Die ersten Schauspielpremieren der Salzburger Festspiele bringen große Namen, aber wenig Substanz. Die Rechnung geht trotzdem auf

Auf dem Papier ist das Schauspielprogramm der diesjährigen Salzburger Festspiele ein Triumph. Markus Hinterhäuser versammelte, beraten von seiner späteren Nachfolgerin Karin Bergmann, prominente Namen auf der Bühne, bewährte Regiekräfte ohne Furcht vor der großen Form und Uraufführungen beider lebender österreichischer Literaturnobelpreisträger. Dafür, dass das Sprechtheater in Salzburg vor kurzem noch von der Abschaffung bedroht schien: Sensationell!

Die ersten zwei Neuproduktionen offenbaren das Kalkül hinter dieser Programmierung: Glänzt nur genügend Renommee auf der Verpackung, wird sich schon niemand trauen, den Inhalt kritisch zu hinterfragen. Ulrich Rasche wendet auf „Faust I“ seine übliche Regie-Masche an, Autor Peter Handke überlässt einen inkohärenten Gedankenstrom seinen Fans zur Veredelung.

Johann Wolfgang von Goethe schuf mit „Faust“ den deutschen Klassiker schlechthin. Der erste Teil (1808) wird nach wie vor rauf und runter gespielt. Mit der Story vom Gelehrten, der einen Pakt mit dem teuflischen Mephistopheles schließt, um das junge Gretchen ins Bett zu kriegen, können viele etwas anfangen.

Für Salzburg hat Regisseur und Bühnenbildner Rasche eine neue Textfassung erstellt, die sich auf Faust, Mephisto und Gretchen konzentriert, Ersteren gibt es dafür auch in jung. Diese Ökonomie begründet Rasche im Programmheft damit, dass alle Figuren eigentlich Abspaltungen Fausts seien. So ganz erschließt sich diese Lesart aus seiner Inszenierung nicht. Die wird durch die Textstraffung nicht etwa kurz, da Rasches Ensemble wie üblich jedes Wort mit großem Druck und zwischen langen Pausen hervorpressen muss.

Befürworter dieses Stils entdecken dadurch Neues in alten Texten. Andere sehen die Bedeutung zwischen den Zeilen davonrinnen. Bekannte Zitate wie „Da steh ich nun, ich armer Tor“ möchte man reinrufen, damit was weitergeht. Im Widerspruch zur vermeintlich konsequenten Reduktion steht außerdem ein Miniauftritt von Gretchens Bruder nach etwa drei Stunden.

Weiterlesen im Falter 32/26

In Autor Tags Falter, Salzburg, Festival, Kritik, Theater

KULTUR HEUTE – Radiokritik von den Tiroler Volksschauspielen Telfs im Deutschlandfunk

July 31, 2026 Martin Pesl

© Marcella Ruiz Cruz

Musik zum Einstieg.

Das ist im Theater selten: dass das äußere Erscheinungsbild, der Spielort einer Aufführung so perfekt zum verhandelten Inhalt passt. Vor hundert Jahren ließen sich hier in Telfs deutschsprachige Menschen aus dem Süden Tirols nieder, der nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugesprochen worden war. Das letzte Haus dieser alten Südtiroler Siedlung in Telfs ist nun der Schauplatz einer spektakulären Aufführung mit etwa dreißig Mitspielenden. Gleich nach der letzten Vorstellung wird es abgerissen. Die Tiroler Volksschauspiele Telfs haben vor das letzte Haus eine Publikumstribüne gestellt: Die Fassade des Hauses ist schon entfernt worden, an ihre Stelle tritt die unsichtbare „vierte Wand“ des Theaters. Gezeigt wird unter dem Titel „Feuernacht“ eine Geschichte über den bis heute schwelenden Kulturkampf zwischen deutsch- und italienischsprachiger Bevölkerung in Südtirol.

Kathl: Geh, Seppi, nit scho wieder! Des bringt doch nix, Herrschaftszeiten!
Sepp: Es geht um die Freiheit.
Kahtl: I bin frei.
Sepp: Die lassen uns nit amal unsere Fahne aufhängen.
Kathl: I mag koane Fahnen. Alle Fahnen sind voller Bluat.
Zustimmung der anderen.

„Feuernacht“ basiert auf Felix Mitterers gründlich recherchierter Fernsehfilmreihe „Verkaufte Heimat“, die die Geschichte anhand der Familien Rabensteiner und Tschurtschentaler in den Sechzigerjahren erzählt. Die Vätergeneration, zum Teil auch die Söhne haben sich aktivistischen Gruppen angeschlossen, die mit Vandalenakten wie Sprengungen von Strommasten die internationale Aufmerksamkeit auf die Situation der Deutschsprachigen in Südtirol lenken sollen. Als bei einer Aktion jemand stirbt und die so genannten „Bumser“ immer mehr Nachahmer finden, eskaliert die Situation.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Jörg Biesler
Freitag, 31. Juli 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

"Feuernacht" - Stück über Südtirol bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk, Festival, Tirol

SCHOTTEN IM SCHRANK – Romanrezension in der Buchkultur 226

July 29, 2026 Martin Pesl

Douglas Stuart legt mit „John of John“ ein wahrhaft herzzerreißendes Familienepos vor.

Wir schreiben die Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Auf der Hebriden-Insel Harris sprechen viele noch Gälisch. Der Protestantismus hat die Bevölkerung fest in der Hand. John-Calum Macleod, kurz Cal, hat seinen Vater John und seine Großmutter Ella hier zurückgelassen, um auf einem Textilcollege bei Edinburgh zu studieren. Als ihm John im Zuge eines Telefonats – nach den üblichen gemeinsamen Gebeten – erklärt, es stehe schlecht um Ellas Gesundheit, kehrt Cal mit 22 nach Hause zurück (und weil er keinen Job findet).

Nun hüten die Menschen auf Harris aber nicht nur Schafe – und Webstühle –, sondern auch Geheimnisse. Hauptsächlich handelt es sich um eine einzige Sache, die Vater und Sohn einander partout vorenthalten:

Weiterlesen in der Buchkultur 226

AUF DER LONGLIST ZUM BOOKER PRIZE 2026

In Autor Tags Rezension, Literatur, Großbritannien, Buchkultur
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