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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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WIEDERGELESEN: KEIN ELEFANT – Klassikerrezension in der Buchkultur 225

April 10, 2026 Martin Pesl

Fjodor Dostojewski und sein Spielsuchtratgeber
Willkommen in Roulettenburg: Fjodor Dostojewskis Romanklassiker „Der Spieler“ legt humorvoll und hoffentlich heilsam die Psychologie Spielsüchtiger offen.

Es gibt Spielernaturen und andere, die den Reiz, sich den Regeln eines völlig künstlichen Systems zu unterwerfen, nicht nachvollziehen können. Für die zweite Gruppe (die einerseits zu beneiden ist, andererseits doch gewiss recht triste, trockene Leben führen muss) dürfte die Lektüre von Dostojewskis Roman „Der Spieler“ dem Betrachten einer völlig überzogenen Charakterkomödie gleichkommen, einer Freakshow. Wie dumm, einfach Geld auf einem grünen, mit Zahlen und Farben versehenen Tisch herumzuschieben und ihm beim Verschwinden zuzusehen!

Wer jedoch ersterer Gruppe angehört, kann beim Lesen der 1867 erstmals erschienenen „Aufzeichnungen eines jungen Mannes“ Schnappatmung und Schweißausbrüche kriegen. Das gilt auch beim Wiederlesen von Hermann Röhls Übersetzung fast 160 Jahre später, wobei das heute dann wohl Retraumatisierung heißt. Triggerwarnung: Dieses Buch kann Spielsucht auslösen.

Oder eben – idealerweise – davon heilen. Denn der Verfasser, selbst betroffen, weiß nur zu genau, wie fatal sich seine Erzählerfigur, der Hauslehrer Alexej verhält. Dabei hat Alexej doch selbst beobachtet, wie die Erbtante seines Arbeitgebers einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens beim Roulette verjubelt, weil sie einfach nicht mehr aufstehen kann – eine großartig plastisch geschilderte Abwärtsspirale. Die Tatsache, dass der Erzähler in die Stieftochter dieses auf Erbschaft hoffenden Arbeitgebers hoffnungslos verliebt ist und auch für sie bereit ist, Einsätze zu tätigen, treibt die gebannten Leser:innen seiner Schilderungen nur noch mehr in den Wahnsinn.

Weiterlesen in der Buchkultur 225

In Autor Tags Buchkultur, Rezension, Russland

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Stadttheater Klagenfurt im Deutschlandfunk

April 10, 2026 Martin Pesl

© Arnold Poeschl

„Einige Szenen können emotional herausfordernd sein“, warnt die Website des Stadttheaters Klagenfurt. Kein Wunder, geht es in „Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung“ doch um ein Kind, das nach einem schweren Fahrradunfall im künstlichen Koma liegt. Wann wird Jonah, fast neun Jahre alt, wieder aufwachen? Wird er es überhaupt? Ausstatter Patrick Bannwart hat ein wuchtiges, fahrbares Krankenzimmer wie auf einer Intensivstation entworfen, mit Bett und Monitoren. In fantasierten Traumsequenzen verschmilzt Jonahs Kuscheltier, ein Fuchs, mit seiner Zimmernachbarin, der vierzehnjährigen Hannah. Sie nennt ihn „Koala“ und vertreibt ihm mit Gesprächen die Zeit.

 

FÜCHSIN

Koala?

JONAH

Hm?

FÜCHSIN

Hast du eigentlich schon mal geküsst?

JONAH

Ne, bin ich dumm? Und du? Hast du schon mal … geküsst?

FÜCHSIN

Nur Sven.

Aber der zählt nicht, der ist schon uralt, der ist schon über zwanzig.

JONAH

Nur Mama.

FÜCHSIN

Zählt nicht.

JONAH

Und Papa – kratzig.

FÜCHSIN

Bin ich nicht. Willst du? Nur einmal, bitte.

JONAH

Ich weiß nicht.

FÜCHSIN

Wer nicht geküsst hat, hat nicht gelebt.

JONAH

Stimmt irgendwie.

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Kultur heute
Moderation: Karin Fischer
Freitag, 10. April 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Kritik, Kärnten

ABHATEN MIT STEFANIE REINSPERGER – Kritik im Falter 13/26

March 25, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Irgendwie geht sich’s immer aus. Diese Grundhaltung vermittelte 1942 Thornton Wilders „The Skin of Our Teeth“ dem Publikum in den USA. Das Land trat in den Weltkrieg ein, die Bühnenfiguren aber riefen: „Der Krieg ist vorbei!“ Im Burgtheater hat nun Direktor Stefan Bachmann das Stück, zu Deutsch: „Wir sind noch einmal davongekommen“, inszeniert.

Die recht übermütige Handlung: Familie Antrobus (gleichlautend mit dem griechischen Wort für Mensch, „anthropos“) lebt schon seit Tausenden von Jahren. Immer wieder steht sie kurz vor der Apokalypse, durch Eiszeit, Sintflut und einen Bombenkrieg, die dann aber doch von einer Art Weltrat vertagt wird (für ein Kurzfilm zu Beginn wurde sogar Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gecastet).

Das Thema – Resilienz im Angesicht globaler Krisen – scheint gerade brandaktuell. Wilder bereitet es auf satirisch übermütige Art auf. Sein liebster Trick: Immer wieder wird daran erinnert, dass das alles nur Theater ist. Der Witz geht freilich nach hinten los: Wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler gar so oft aus ihren Rollen fallen und authentisch vermitteln, dass sie den Text scheiße finden, dann glaubt man ihnen eben. 

Weiterlesen im Falter 13/26

In Autor Tags Falter, Theater, Kritik, Wien, Burgtheater

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Burgtheater im Deutschlandfunk

March 21, 2026 Martin Pesl

Caroline Peters, Stefanie Reinsperger © Tommy Hetzel

Das ist doch mal eine gute Nachricht zum ungefähr viertausendsten Hochzeitstag von Mr. und Mrs. Antrobus: Der Weltuntergang ist wieder einmal offiziell verschoben worden. Aber ist das wirklich so erfreulich? Schließlich ist es der kälteste Tag des Jahres, und das im August! Um Wärme zu erzeugen, werden sogar Klaviere und Bücher verbrannt. Den ehrenwerten Mr. Antrobus, Erfinder des Rades und des Alphabets, spielt Publikumsliebling Nicholas Ofczarek – erstaunlich salbungsvoll: 

Nicholas Ofczarek (als Antrobus): ich habe noch nie für längere Zeit vergessen, dass das Leben ein Kampf ist. Ich weiß, dass alles Gute und Besondere auf der Welt in jedem Augenblick gefährdet ist und dass man dafür kämpfen muss.

Ansonsten haben wir es in Thornton Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“ mit dem zu tun, was sich der Autor im Kriegsjahr 1942 unter einer ganz normalen, biederen amerikanischen Familie vorstellte. Die Mutter (dargestellt von Caroline Peters) schimpft die Tochter, weil die sich schminkt. Und der Sohn erschlägt wieder einmal jemanden mit einem Stein, so wie damals seinen Bruder Abel. Ganz recht, es handelt sich um Kain, bekannt aus dem Alten Testament, nur nennen sie ihn jetzt Henry. Gespielt werden die „Kinder“ von Mehmet Ateşçi und Zeynep Buyraç aus dem Ensemble der Wiener Burg, aber auch wirkliche Kinder tummeln sich auf Olaf Altmanns metallic-cleaner Bühne: Sie tragen Mammut- und Dinokostüme, um anzudeuten, dass dieses Stück in der Urzeit und der Gegenwart gleichzeitig spielt. 

Mrs. Antrobus: Sie haben das Feuer ausgehen lassen! Haben Sie Ihr Mammut gemolken?

Stefanie Reinsperger: Bist du deppert, ich hab’s ja gesagt, ich verstehe kein Wort von diesem Stück. (Als Sabina, das Hausmädchen): Ja, ich habe das Mammut gemolken!

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Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Samstag, 21. März 2026, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Kritik, Wien, Burgtheater
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