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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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GLUT UND ZWIESPALT – Interview mit Kurō Tanino in der Festwochen-Beilage zum Falter 18/26

May 30, 2026 Martin Pesl

© Patrick Wai

Kurō Taninos Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin in der Edo-Zeit

Zuletzt gastierte der japanische Theatermacher und Psychiater Kurō Tanino vor zwölf Jahren bei den Wiener Festwochen, damals mit dem surrealen Stück „Die Kiste im Baumstamm“. Heuer kehrt er mit einer Geschichte aus Japans Edo-Zeit zurück, jener Friedensperiode vom 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwei Figuren sind blind – wie die Frauen, die sie spielen. 

Falter: Herr Tanino, Ihr Stück „Sleeping Fires“ erzählt von der Rache einer blinden Masseurin. Wovon ist die Handlung inspiriert?
Kurō Tanino: Japan hat eine lange Tradition von Rachegeschichten. Dabei geht es nicht einfach um Gewalt, sondern darum, mit den Toten auf eine neue Art in Verbindung zu treten. Der Groll der Figur Sayo lässt niemals nach. Er bricht nicht aus wie ein Vulkan, sondern bleibt irgendwo vergraben und glimmt vor sich hin – wie die Glut. 

„Auf dieser Welt, wo alles falsch ist, gilt nur der Tod.“ Wie steht dieser erste Satz in Bezug zum Rest Ihres Stückes?
Tanino: Er ist ein Ausgangspunkt. Die Figuren verlassen sich auf Dinge wie Liebe, Vertrauen oder die Hoffnung auf Erlösung. Doch das alles droht stets, sich zu verändern oder zusammenzubrechen. Der Tod hingegen zaudert nicht. Er existiert als etwas, vor dem es kein Entkommen gibt. Dieses Stück spielt sich im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Zuständen ab: dem Leben mit Unsicherheit und dem Wissen ob des Unvermeidlichen. Alle Figuren versuchen, mit diesem Spannungsfeld auf ihre Weise umzugehen.

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In Autor Tags Falter, Interview, Wiener Festwochen, Wien, Festival, Japan

BERG DER VAMPIRE – Festwochen-Vorschau in der Beilage zum Falter 18/26

May 30, 2026 Martin Pesl

© Martin Argyroglo

Liebenswerte Wesen von unwiderstehlicher Schrulligkeit in einer außergewöhnlichen Lage: Philippe Quesne kehrt zu den Festwochen zurück

Im Zuge ihrer trashigen Fake-Filmpräsentation „B-Movies“ dankt die Performerin Caroline Cappelli einer Reihe von erfundenen Menschen mit verrückten Namen. Mehrfach Erwähnung findet ein gewisser Philipp Quesner. An der Dichte der Lacher an diesen Stellen war bei den Aufführungen im Rahmen des imagetanz-Festivals im brut abzulesen, wie gut sich das Publikum in der internationalen Theaterszene auskennt. Spielt doch der Name eindeutig auf Philippe Quesne an, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, Leiter des Paris Theaters Nanterre-Amandiers und Zungenbrecher für im Französischen nicht ganz Trittfeste.

Yes, we Quesne! So. Dank diesem Spruch merken sich nun hoffentlich alle, wie Quesnes Name ungefähr auszusprechen ist, und der 56-Jährige kann getrost – nach „La mélancolie des dragons“ 2008, „Swamp Club“ 2013, „Farm Fatale“ 2020 und der Mahler-Bebilderung „Das Lied von der Erde“ 2021 – zu den Wiener Festwochen zurückkehren.

Diesmal hat Quesne nicht allein mit der von ihm gegründeten Gruppe Vivarium Studio produziert, sondern hatte einen Regieauftrag vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg: Neben den „Vivarianern“ Martin Zamorano, Jean-Charles Dumay und Sébastien Jacobs spielen in „Vampire’s Mountain“ auch die Hamburger Ensemblemitglieder Sasha Rau, Sachiko Hara, Bettina Stucky und Samuel Weiss mit.

Dass eine konventionelle Geschichte erzählt wird, sollte man von Philippe Quesne trotzdem nicht erwarten. Die Handlung lässt sich in der Regel in einer Ausgangssituation zusammenfassen: Eine Gruppe liebenswerter Wesen von unwiderstehlicher Schrulligkeit findet sich in einer außergewöhnlichen Lage wieder und geht damit irgendwie spielerisch um. In „La mélancolie des dragons“ etwa, jener Arbeit, die den Franzosen berühmt machte, haben vier Heavy-Metal-Fans eine Autopanne im Schnee. Die Produktion „Die Nacht der Maulwürfe (Welcome to Caveland)“, die 2016 den steirischen herbst in Graz eröffnete, verrät die Gestalt der Hauptfiguren schon im Titel.

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In Autor Tags Falter, Vorschau, Wiener Festwochen, Festival, Theater

NACHSPIEL – Glosse im Falter 22/26

May 26, 2026 Martin Pesl
In Autor Tags Falter, Kommentar, Wiener Festwochen, Festival, Musik

NITSCH ZU DANKEN – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

May 24, 2026 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Florentina Holzinger hat mit ihren Perfomerinnen den nächsten großen Aufschlag hingelegt: Auf Einladung der Witwe von Hermann Nitsch gastierte sie über Pfingsten unter anderem am früheren Spielort des Orgien Mysterien Theaters. "Pfingstspiel" ist ein neunstündiges Spektakel, das den Holzinger-Kanon nochmal verfeinert.

24. Mai 2026. Und natürlich sind wieder Leute umgekippt. Wie so oft bei den Arbeiten von Florentina Holzinger kann dies nicht mit Bestimmtheit der Heftigkeit ebenjener Arbeiten zugeschrieben werden. Es kann auch an der Hitze an diesem Pfingstsamstagnachmittag liegen. Die Sonne brannte herunter auf den Platz des Wiener Eislauf-Vereins, Schatten gab es keinen.

Hier, gleich neben Konzerthaus und Akademietheater, fahren die Einheimischen im Winter Schlittschuh. Gelegentlich steht auch ein Zirkuszelt auf dem weitläufigen Platz. Diesmal stieg hier der Auftakt zu einer einmaligen Aktion von Florentina Holzingers "Pfingstspiel" im Rahmen der Wiener Festwochen. Die in den Augen Vieler wichtigste Künstlerin der Gegenwart war kurz auf Heimatbesuch aus Venedig, wo sie mit dem österreichischen Biennale-Pavillon Aufregungen verschiedenster Art befeuert.

Verfeinerung des Kanons

Auf dem eisfreien Eislaufplatz gab es also: ein nacktes Orchester, das eine fast liebliche Komposition spielte; Bláthin Eckhardt, die die Fassade des angrenzenden Hotels Intercontinental hinunterspazierte, ein Zitat von Trisha Browns oft kopiertem "Man Walking Down the Side of the Building"; ein an Rückenpiercings hereingezogenes Auto; darauf turnend Holzinger mit durch beide Wangen gestochener Sprühkerze, während das Auto in einem Affentempo seitlich im Kreis fuhr.

Holzinger und ihr Trupp veranstalten solche "Etüden" öfter. Dabei geht es weniger darum, die eigenen künstlerischen Mittel weiterzuentwickeln, sondern sie zu verfeinern. Im Prinzip lässt sich das mit dem aktuellen "Star Wars"-Film "The Mandalorian and Grogu" vergleichen: Es passiert nichts Entscheidendes für den Kanon, aber die Fans dürfen ihre Lieblinge wiedersehen und freuen sich umso mehr auf den nächsten großen Aufschlag des Franchise.

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In Autor Tags Performance, Kritik, Kunst, Nachtkritik, Wiener Festwochen, Festival
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