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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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HERZ AUS HARTSCHAUM – Nachtkritik von den Sommerspielen Perchtoldsdorf

July 3, 2026 Martin Pesl

© Barbara Pálffy

Der Roman des belgischen Schriftstellers Charles de Coster über den gewitzen Freiheitshelden Till Eulenspiegel gehört zum Kanon der Weltliteratur. Zum 50. Jubiläum der Sommerspiele Perchtoldsdorf bringt Alexander Paul Kubelka den Stoff starbesetzt auf die Freilichtbühne.

3. Juli 2026. Ein gutes Dutzend Hütten aus rosa Hartschaum steht auf dem sandigen Vorplatz der Burg Perchtoldsdorf. Eine davon bläst der Wind gleich mal um, kaum hat die Bürgermeisterin das erste Wort gesprochen. Intendant Alexander Paul Kubelka kümmert sich drum, er veranlasst höchstpersönlich die Rettung seines Bühnenbildes.

50 Jahre Sommerspiele Perchtoldsdorf werden begangen, das vierte unter Kubelka. Anlässlich des Jubiläums wuchtet der Chef eine Uraufführung in den Burgstaub: Die Romanadaption "Till Eulenspiegel, wenn das Herz brennt" hat er selbst mit Dramaturgin Angela Heide verfasst. In den einleitenden Begrüßungsworten – Pflicht bei niederösterreichischen Sommertheaterpremieren, manchmal nach, hier vor der Vorstellung – schlummert deshalb so manche Ironie.

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In Autor Tags Theater, Sommer, Nachtkritik, Kritik, Niederösterreich

IHR WOLLT ES DUNKLER – Nachtkritik vom Theatersommer Haag

July 2, 2026 Martin Pesl

© Moritz Schell

Leander Haußmann ist wieder am Markt, also auf dem Marktplatz: Zum zweiten Mal inszeniert er beim Theatersommer im österreichischen Haag Moliére; diesmal das Stück, mit dem er schon 2020 zusammen mit Jens Harzer einen Hit gelandet hatte. Das Vergnügen ist groß – und der Intendant im Brautkleid mittendrin.

2. Juli 2026. Zurück zu den Wurzeln: Theater auf dem Marktplatz! Im ersten Moment war die Überraschung groß, als mit diesem Impetus die Berliner Regielegende Leander Haußmann im Vorjahr nach Haag inszenieren kam. Der Ort im westlichen Niederösterreich ist stolz auf sein Stadtrecht und auf die überdachte Tribünenkonstruktion am Hauptplatz, von der aus 500 Leute pro Abend jährlich die Produktion des lokalen Theatersommers erleben können. 

Der Schauspieler und Kabarettist Christian Dolezal ist hier seit 2017 Intendant. Immer wieder erfindet er das Festival neu, und 2025 präsentierte er eben Leander Haußmann als Regisseur. Der wiederum machte, was er am liebsten macht: Molière. Fernsehstar Ursula Strauss war "Die eingebildete Kranke", und das Ensemble drumherum fuhr zu Beginn mit einem Theaterwagen ein wie die Wandertruppen anno dazumal.

Aus dem Tresor geschlüpft

Haußmann ist dafür bekannt, seine Inszenierungen mit heißer Nadel zu stricken, seine Spieler:innen beim Proben viel improvisieren zu lassen und lange zu warten, bis er Dinge festlegt. Dass ein unter einem gewissen Kommerzdruck stehendes Sommertheater sich darauf einlässt, zeugt von einem gewissen Mut und zerrt an den Nerven Mitwirkender. Am Ende klappte es aber bestens, also gibt's das "winning system" heuer gleich nochmal – fast. Der Theaterwagen hat diesmal die Form eines Tresors, der Star ist Gerti Drassl, und sie ist auch nicht "Die", sondern "Der Geizige", wenn sie rumpelstilzchenhaft über die Bühne huscht und als Harpagon das geliebte Geld verteidigt wie eine Katze das Futter.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Sommer, Niederösterreich

PLÖTZLICH REGISSEUR – Porträt von Wolfgang Menardi in der Theater heute 7/26

June 26, 2026 Martin Pesl

Wolfgang Menardi © Tommy Hetzel

Der Theaterkünstler Wolfgang Menardi hat als Schauspieler begonnen, als Bühnenbildner Karriere gemacht und führt nun Regie: ein Porträt

Vom Schauspieler zum Bühnenbildner zum Regisseur: „Die Reihenfolge fühlt sich organisch an“, sagt Wolfgang Menardi, Jahrgang 1977. Dennoch fällt ihm auf die Schnelle abgesehen von ihm selbst niemand ein, der diesen Weg eingeschlagen hat. Jeweils knapp zehn Jahre liegen zwischen den Wechseln, die zwar nie abrupt erfolgten, aber dennoch recht klar zu datieren sind.

Da ist einmal der Schlussapplaus am Ende einer Vorstellung von „Romeo und Julia“ am Residenztheater. Tina Lanik hat inszeniert, Wolfgang Menardi, damals 31, den Tybalt gespielt. Er verbeugt sich und merkt: „Nee. Ich brauch noch was anderes.“ Neben dem Festengagement im Ensemble entwirft er ab nun immer mehr Räume in anderen Theatern: in Fürth, Paderborn und seiner Geburtsstadt Innsbruck.

Schnellvorlauf ins Jahr 2023: Menardi ist längst als Bühnenbildner für Regiegrößen wie Johan Simons, Yael Ronen und Falk Richter etabliert, hat aber auch schon vereinzelt Regie geführt. Der Direktor des Wiener Volkstheaters, Kay Voges, bietet ihm an, eine kleine Arbeit zu inszenieren, mit Texten der Wiener Gruppe – also mit Lyrik von Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Gerhard Rühm und Konsorten. Das Materialbudget des Abends mit dem Titel „Heit bin e ned munta wuan“ (Dialekt für: „Heute bin ich nicht aufgewacht“, eine Gedichtzeile von Artmann) ist in den Dimensionen einer reinen Vorbühnenproduktion kalkuliert. Menardi aber will mehr, denkt größer. Also beschließt er, ein eigenes, bereits abgespieltes Bühnenbild aus dem Schauspiel Frankfurt in Wien wiederzuverwerten.

Die Premiere findet im Februar 2024 statt. In einem hyperrealistisch ausgestatteten Wohnungssetting spielt Volkstheater-Star Samouil Stoyanov eine einsame alte Frau, die sich vor ihrem Tod scheinbar eine Musikkapelle herbeihalluziniert. Auch die Vorbühne bleibt nicht unbespielt: Sie gehört allein Claudia Sabitzer, die Texte aus einer Dokumentation über Pompfüneberer, Wiens legendäre Totengräber, performt. Aus völlig handlungsbefreiter Poesie und atmosphärisch dazu passendem Interviewmaterial hat Wolfgang Menardi eine nachvollziehbare, wenn auch traumartig-surreale Geschichte gebaut – und merkt daraufhin, wie sich zu den Bühnenbild- immer mehr Regieanfragen gesellen. „Jetzt bin ich also plötzlich Regisseur“, stellt er fest. „Odernoch regieführender Bühnenbildner?“ Was das recycelte Bühnenbild angeht, sind sich danach übrigens alle Beteiligten einig, es wäre weniger Arbeit gewesen, ein neues herzustellen.

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In Autor Tags Theater, Porträt, Theater heute

SOMMERNACHTSALBTRAUM IM LÄNDLE – Kommentar im Falter 26/26

June 24, 2026 Martin Pesl

© Anja Köhler

In Bregenz wird die erfolgreiche Intendantin des Landestheaters, Stephanie Gräve, abmontiert. Aber warum?

Volles Haus. Schweizerdeutsch, Schwäbisch und diverse Ländle-Dialekte mischen sich im Foyer. Am Vorarlberger Landestheater in Bregenz wird die Shakespeare-Komödie „Ein Sommernachtstraum“ gegeben. Der Applaus ist herzlich, dem anschließenden Publikumsgespräch wohnt auch Intendantin Stephanie Gräve bei. Allerdings auf der Seite des Publikums. Denn Gräve ist derzeit freigestellt. Ihr Gehalt bezieht sie weiter, doch ihre Aufgaben hat die Geschäftsführerin Monika Wagner auf andere Mitarbeitende verteilt.

Im März war bekannt geworden, dass Gräves Intendanz nicht über die Spielzeit 2027/28 hinaus verlängert wird. Die Entscheidung traf der Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH (KuGes). Gräve wäre dann zwei Amtsperioden, also zehn Jahre im Amt gewesen. Das ist länger als sämtliche ihrer Vorgänger, seit das Haus von Unternehmer Bruno Felix offiziell in Landeshände überging.

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In Autor Tags Falter, Theater, Vorarlberg, Kommentar
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