Die Salzburger Festspiele bringen Molières „Der Menschenfeind“ als Koproduktion mit dem Thalia Theater auf die Bühne. Regisseurin Jette Steckel hält dabei viele ausgefallene Überraschungen für das Publikum bereit.
In Hamburg werden sie das wahrscheinlich alles ganz normal finden. Doch die Premiere von „Der Menschenfeind“, einer Koproduktion mit dem Thalia Theater, fand bei den Salzburger Festspielen statt. Und da fetzt es schon eine Spur mehr, wenn schick aufgeputztes Publikum, eine gediegene Molière-Komödie aus 1666 erwartend, erst mal in ein so lautes wie erlesenes Rap-Konzert gerät, Teil I des Triptychons, als das Regisseurin Jette Steckel ihren Abend ankündigt.
Noch vor dem offiziellen Start der Aufführung startet der Schauspieler Ole Lagerpusch in die erste Nummer, geschrieben vom Hamburger Allrounder UWE, inspiriert von den Themen des Stückes und begleitet von Live-Musiker Matthias Jakisic. „Sie spielen wieder Molière / Und alle nur so yeah“, geht einer der denkwürdigen Reime, ein anderer: „Reicher weißer Mann, du lernst es nie / Das Leben ist zu kurz für Longevity“.
Lagerpusch rockt diese erhabene erste Viertelstunde in seiner Rolle als Dichter Oronte, dessen Verskünste später vom Titel-Antihelden Alceste verschmäht werden. Das Beste daran: Auf der Bühne des Salzburger Landestheaters ist eine Tribüne für knapp 200 Leute aufgebaut, zwei Publikumsgruppen sitzen einander also gut beleuchtet gegenüber. Der Anblick verdatterter Festspiel-Society-Gesichter macht diesen Einstieg locker zum Highlight des österreichischen Theaterjahres.
