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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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SCHOTTEN IM SCHRANK – Romanrezension in der Buchkultur 226

July 29, 2026 Martin Pesl

Douglas Stuart legt mit „John of John“ ein wahrhaft herzzerreißendes Familienepos vor.

Wir schreiben die Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Auf der Hebriden-Insel Harris sprechen viele noch Gälisch. Der Protestantismus hat die Bevölkerung fest in der Hand. John-Calum Macleod, kurz Cal, hat seinen Vater John und seine Großmutter Ella hier zurückgelassen, um auf einem Textilcollege bei Edinburgh zu studieren. Als ihm John im Zuge eines Telefonats – nach den üblichen gemeinsamen Gebeten – erklärt, es stehe schlecht um Ellas Gesundheit, kehrt Cal mit 22 nach Hause zurück (und weil er keinen Job findet).

Nun hüten die Menschen auf Harris aber nicht nur Schafe – und Webstühle –, sondern auch Geheimnisse. Hauptsächlich handelt es sich um eine einzige Sache, die Vater und Sohn einander partout vorenthalten:

Weiterlesen in der Buchkultur 226

AUF DER LONGLIST ZUM BOOKER PRIZE 2026

In Autor Tags Rezension, Literatur, Großbritannien, Buchkultur

RICHTIGSTELLUNG

July 28, 2026 Martin Pesl

© Peter Gugerell

Ich habe in meinem im „FALTER“ und auf www.falter.at veröffentlichten und hier weiterverbreiteten Artikel vom 24.06.2025 unter der Überschrift „Theater der Jugend mit neuer Chefin: Hier wird nicht mehr herumgebrüllt“ berichtet, dass Thomas Birkmeir als künstlerischer Leiter des Theaters der Jugend „herumgebrüllt“ habe und er „im Zuge von Vorwürfen wegen seines Führungsstils“ seinen Rücktritt bekanntgegeben habe.

Richtig ist, dass Herr Birkmeir nicht mit Schauspielerinnen und Schauspielern „herumgebrüllt“ hat. Ebenso stand seine bereits im Jänner 2025 vereinbarte und öffentlich bekanntgemachte Vertragsbeendigung nicht im Zusammenhang mit später erhobenen Vorwürfen. Ich bedauere die unrichtige Darstellung.

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Salzburger Festspielen auf Deutschlandfunk Kultur

July 27, 2026 Martin Pesl

© SF/ Ruth Walz

Auftrag

Kritik der Premiere „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ im Gespräch mit Charlotte Oelschlegel

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Wie erzählt man von der Welt, ohne sie zu erklären? Ohne sie besitzen zu wollen? Wie spricht man über das Ich, ohne es festzulegen? Wie klingt Erinnerung? Und was soll dieses Leben überhaupt?

Peter Handke hat die Welt stets neu vermessen – mit Sprache und im Widerstand gegen ihre Abnutzung. Auch in seinem neuen Text bleibt er diesem poetischen Forschen treu – vielleicht radikaler, vielleicht zarter denn je, jedoch nicht ohne jenen feinen Humor, jene Selbstironie, mit der er auch seinen eigenen Ernst nonchalant unterläuft. Alles „Schnee von gestern“? Und wenn?

Ein Mensch unterwegs, kein fest umrissener Charakter, sondern ein Kreuz-und-Quer-Gehender, einer, der sich mal tastend, mal springend durch innere wie äußere Landschaften bewegt. Eine Selbstbefragung vielleicht, eine Abschiedsmelodie möglicherweise, ein stilles Lachen, das Hintersinn suggeriert. „Oder auch nicht.“ Im Gehen trägt er zusammen, was ihm begegnet. Und aus diesen Splittern entsteht ein magisches Tableau des Weltbeobachtens, das sich dem großen Ganzen verweigert – und es gerade darin aus der Tiefe des Einzelnen, aus seiner rücksichtslosen Subjektivität heraus offenbart. „Oder auch nicht“ – eine sprachliche Wendung, mit der uns Handke immer wieder auf uns selbst und unsere eigene Wahrnehmung zurückwirft. Handke tanzt mit der Sprache, spielt mit sich und uns, fordert heraus, reiht Sprichwörter, Theatersätze, Nonsens-Sprüche, Assoziationen und Reflexionen aneinander, geht mit uns und sich ins Gericht, erlaubt sich Abschweifung, Albernheit, Staunen – und verliert sich mit voller Absicht: in einem Raum, der weder Anfang noch Ende kennt, sondern nur Bewegung. Bis der eine, der da unentwegt spricht, zurücktritt, aufbricht, verschwindet und ein anderer übernimmt: „Angeblich soll er vor einiger Zeit noch gesehen worden sein, als letzter Fahrgast hinten zusammengekauert im allerletzten Nachtbus.“

Peter Handke, 1942 in Kärnten geboren, wurde 2019 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nicht erst seither wurde gestritten: um Fragen nach der Verantwortung von Literatur, nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit – Debatten, die in der mäandernden Suche von Handkes außerordentlichen, gleichsam poetischen wie provozierenden Texten immer schon angelegt waren. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Theaterstücke, Erzählungen, Essays, Drehbücher, Übersetzungen und Gedichte. Das Theater revolutionierte er mit seinem ersten, inzwischen legendären Stück Publikumsbeschimpfung (1966) und weiteren Texten wie beispielsweise Die Stunde da wir nichts voneinander wußten(1992), ein Stück, das gänzlich ohne jedes gesprochene Wort auskommt. Für das dramatische Epos Immer noch Sturm, das 2011 im Rahmen der Salzburger Festspiele uraufgeführt wurde, fand der Autor in dem Schauspieler Jens Harzer nicht nur einen begeisterten Leser, sondern einen Künstler, der Handkes Sprache kongenial auf die Bühne zaubert.

Schnee von gestern, Schnee von morgen wird auf ausdrücklichen Wunsch Peter Handkes in Salzburg – jener Stadt, mit der er eng verbunden ist – uraufgeführt. Regie führt der für seine feinsinnigen Inszenierungen bekannte, vielfach ausgezeichnete Schauspiel- und Opernregisseur Jossi Wieler, der bereits seine achte Produktion für die Salzburger Festspiele realisiert. Gemeinsam mit Jens Harzer und Marina Galic, beide Mitglieder des Berliner Ensembles, widmet er sich nun Handkes jüngstem Text, der vom Verlag explizit als „ein Stück für die Bühne“, „ein Lied ohne Kehrvers“ angekündigt wurde – ein Text also, der nicht nur gelesen, sondern unbedingt gespielt werden will. Ein musikalischer Text, ein Text über die theatrale Kraft des Erzählens selbst, über das Fragen und Ertragen und den Jubel im Moment des Verschwindens. „Welch ein Glück in diesem deinem Leben, und was für ein Glück erst wird dich erwarten im nächsten!“

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Charlotte Oelschlegel
Montag, 27. Juli 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

Uraufführung in Salzburg: Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen"
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk Kultur, Salzburg, Festival

JACK IS BACK ‒ Interview mit Johannes Krisch im BESSER September 2015

July 27, 2026 Martin Pesl
Johannes Krisch 
 

 

 
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Johannes Krisch © epa

Jack is back

Als Johannes Krisch Anfang der Neunziger als frisches Ensemblemitglied gerade mal eine Handvoll Stücke gespielt hatte und verfolgte, wie ein haftentlassener Mörder als Dichter von der Wiener Kulturszene hofiert wurde, hätte er nicht gedacht, dass dieser Mann in wenigen Jahren wegen neun Morden verurteilt und tot, er selbst jedoch auf dem Höhepunkt seiner Karriere sein und ebendiesen Unterweger in einem neuen Film verkörpern würde. „Jack“ von Elisabeth Scharang zeigt die glamouröse Seite des Häfnpoeten und Womanizers und wirft die Frage auf, ob der mythisch-mysteriöse Jack Unterweger all diese Prostituierten vielleicht gar nicht umgebracht hat. Johannes Krisch hält sich bedeckt, was die Frage aller Fragen betrifft.

War er’s? Ich werde den Teufel tun, diese Frage zu beantworten, weil es mir nicht zusteht. Als Schauspieler habe ich natürlich eine Entscheidung getroffen, sonst hätte ich ihn nicht spielen können, aber ich werde meine Figur nicht verraten.

Ist „Jack“ ein Film, den Jack gerne gesehen hätte? Das hoffe ich, und ich kann es mir auch vorstellen, weil es ein Film über ihn ist, und das hätte ihm sehr geschmeichelt. In jedem Detail.

Wie sehr waren Sie selbst Anfang der Neunziger Teil der Kulturszene, die Unterweger so umarmt hat? Gerade mal mit einem Theaterstück. Ich habe niemanden umarmt, sondern versucht, Fuß zu fassen. Aber über die Zeitungsgeschichten und „Club 2“ habe ich natürlich alles mitbekommen.

Könnte es eine so ambivalente Figur im heutigen Internetzeitalter noch geben? Das passiert immer wieder, heute sogar schneller als damals. Die Bereitschaft, jemanden sternschnuppenartig in die Höhe zu katapultieren, weil er einer Sache dient, das gibt es immer noch. Man fand ihn damals ja nur faszinierend, weil die Resozialisierung politisch so ein Thema war. Sonst hätte kein Hahn danach gekräht.

Er war also kein besonders guter Schriftsteller? Er hat sicher einiges geschrieben, was sehr berührend ist. Aber ich glaube nicht, dass man in 150 Jahren diese Gedichte vortragen wird. Das wird kein Klassiker.

In „Jack“ wird der extravagante, der Lifestyle-Unterweger gezeigt, als wäre er der Falco unter den Serienkillern. Er war sehr extravagant, weil er es genossen hat, so aufzutreten. Durch die lange Zeit im Gefängnis hatte er viel aufzuholen. Da greift man gerne ins Volle, besonders wenn man plötzlich die Taschen voller Geld hat. Und apropos Falco: Der zitiert ihn ja in seinem „Jeanny“-Video. Er tritt ganz in weiß auf, und die wenigsten wissen, dass damit der Unterweger gemeint ist.

Können Sie verstehen, dass die Frauen so auf ihn abgefahren sind? Ja, denn es waren ja nur gewisse Schichten von Frauen. Es liegt am Spiel mit dem Feuer, weil jemand gegenübersitzt, der eine Grenze überschritten hat, was für viele sehr anziehend ist. Und er war ein großer Frauenversteher, weil er praktiziert hat, was die wenigsten können: Er hat zugehört.

Haben Sie John Malkovich in „The Infernal Comedy“ gesehen? Ja, hat aber mit unserer Geschichte nichts zu tun. Außerdem schauen wir einander überhaupt nicht ähnlich.

Sie sehen ja auch beide Jack Unterweger nicht besonders ähnlich. Deshalb war mir umso wichtiger, ihn zu begreifen und wenigstens sein Wesen zu erfassen. Es war eine sehr intensive Vorbereitung, weil man eine sehr große Verantwortung übernimmt, wenn man eine Person spielt, die gelebt hat. Man muss versuchen, sich dem Menschen so stark wie möglich anzunähern und ihn so weit wie möglich anzuziehen, dass es passt. Ganz Österreich kannte ihn und ist mit ihm in einer Zelle gesessen. Jeder kannte ihn und hat mit ihm was erlebt. Deshalb hoffe ich auch, dass ganz Österreich reingeht.

Sie sind vor zwei Jahren krankheitsbedingt länger ausgefallen. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht? Ich habe mich gesundheitlich wieder auf die Höhe gebracht. Das war körperlich und psychisch Aufwand genug! Deshalb macht mir Film zurzeit auch sehr große Freude, weil es ökonomisch weniger anstrengend ist als Theater. Da probierst du am Vormittag volle Kanne und spielst am Abend volle Kanne, und dazwischen liegst du im Koma. Jedenfalls werde ich sicher nie wieder so ein Workaholic sein wie vor meiner Pause.

Homepage Thimfilm

In Autor Tags Film, Krisch, Literatur, BESSER
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