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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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KONZENTRIERT EUCH! – Vorschau auf die Cie. Non Nova in der ImPulsTanz-Beilage zum Falter 26/26

July 22, 2026 Martin Pesl

© Sigrid Spinnox

Phia Ménard ist zurück in Wien, ganz anders als erwartet und mit einer Vorstellung für Erwachsene und Kinder gleichermaßen

Das Wort „Zirkus“ kommt, wie „Zirkel“, vom lateinischen Ausdruck für „Kreis“. Nicht nur ist „Nocturne (Parade)“, die neue Arbeit der französischen Choreografin Phia Ménard, in jeder Hinsicht eine runde Sache, sie hat mit dem Zirkusleben noch etwas anderes gemein: Wenn Ménard und ihre Compagnie Non Nova auf Tour gehen, nehmen sie für ihre Show alles selber mit: neben dem menschlichen Ensemble und zahlreichen „Puppen“ auch Bühnenpodest und Zuschauerraum.

So wird das auch in Wien sein, wo die Gruppe bei ImPulsTanz diesen Sommer im größten Schauspielhaus des Landes gastiert. Auf der Bühne des Burgtheaters wird ein rundes Podest mit zahlreichen Geheimfächern und einem Gebläse in der Mitte aufgestellt sein. Etliche ferngesteuerte Ventilatoren werden den Rand des Kreises säumen, und drumherum wird das Publikum auf einer runden Stufentribüne sitzen. Nur 140 Personen passen dadurch in jede Vorstellung, doch das konzentrierte (also buchstäblich auf die Kreismitte ausgerichtete) Stück erfordert unbedingt, dass die Besucher:innen nah am Geschehen sind und hin und wieder einander über die Bühne hinweg beim Zuschauen zuschauen können.

Weiterlesen in der ImPulsTanz-Beilage zum Falter 26/26

In Autor Tags Vorschau, Falter, Zirkus, Performance, Festival, Impulstanz, Wien

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik von den Wiener Festwochen auf Deutschlandfunk Kultur

June 18, 2026 Martin Pesl

Gob Squad © Christine Fenzl

Auftrag

Kritik zur Premiere „Doppelgänger/Doppelganger“ im Gespräch mit Marietta Schwarz

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

“No one makes themselves. (...) We all make and unmake one another.”
Naomi Klein – Doppelganger

Wo fangen wir an? Im wahrsten Sinne des Wortes: Wo fangen wir und das, was wir als „uns“ betrachten, was du als „dich“ betrachtest, – wo fängt das an?

Doppelgänger/Doppelganger ist eine performative Reise in die verschlungenen Tiefen und Abgründe einer Spiegelwelt, wo das, was wir glauben zu sein – einzigartig und unverwechselbar – sich zu vervielfältigen beginnt. In dieser Welt der Verdopplungen und Projektionen, des Vergessens und Erinnerns und der ewigen Selbstbeschwörung stecken die Performer:innen von Gob Squad in einer endlos scheinenden Party fest.
Aber niemand scheint noch zu wissen, was es eigentlich zu feiern gibt. Hatte nicht jemand Geburtstag? Es gibt Kuchen und Luftballons und alles wird mit der Kamera festgehalten: Jemand hat ein Foto gemacht! Und darauf sehen wir doch aus, als hätten wir eine gute Zeit…

Gefangen in dieser Party-Schleife suchen Gob Squad schließlich im Publikum nach Gründen zu feiern. Und nach möglichen Doppelgänger:innen, um sich selbst zu erweitern, zu konfrontieren, vollständig auszuschalten oder sich aufzulösen in Vielen. Der Tanz mit dem Selbst beginnt. Aber wer führt hier wen, und durch wessen Geschichte? Was spricht durch wen und wie viele? Und wer entscheidet überhaupt, was als Nächstes geschieht?

Die Geburtstagsgesellschaft kippt in eine surreale Vision voller unerwarteter Wendungen, in der verschiedene Identitäten und Stimmen unerbittlich darum kämpfen gehört zu werden und uns die geteilte Verantwortung für etwas, das mehr ist als wir selbst, als utopisches Déjà-vu begegnet.


Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Marietta Schwarz
Donnerstag, 18. Juni 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

"Doppelgänger/Doppelganger": Neues Stück von Performance-Kollektiv Gob Squad
Deutschlandradio Kultur
In Sprecher Tags Performance, Wien, Wiener Festwochen, Festival, Deutschlandfunk Kultur, Kritik

NITSCH ZU DANKEN – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

May 24, 2026 Martin Pesl

© Martin Thomas Pesl

Florentina Holzinger hat mit ihren Perfomerinnen den nächsten großen Aufschlag hingelegt: Auf Einladung der Witwe von Hermann Nitsch gastierte sie über Pfingsten unter anderem am früheren Spielort des Orgien Mysterien Theaters. "Pfingstspiel" ist ein neunstündiges Spektakel, das den Holzinger-Kanon nochmal verfeinert.

24. Mai 2026. Und natürlich sind wieder Leute umgekippt. Wie so oft bei den Arbeiten von Florentina Holzinger kann dies nicht mit Bestimmtheit der Heftigkeit ebenjener Arbeiten zugeschrieben werden. Es kann auch an der Hitze an diesem Pfingstsamstagnachmittag liegen. Die Sonne brannte herunter auf den Platz des Wiener Eislauf-Vereins, Schatten gab es keinen.

Hier, gleich neben Konzerthaus und Akademietheater, fahren die Einheimischen im Winter Schlittschuh. Gelegentlich steht auch ein Zirkuszelt auf dem weitläufigen Platz. Diesmal stieg hier der Auftakt zu einer einmaligen Aktion von Florentina Holzingers "Pfingstspiel" im Rahmen der Wiener Festwochen. Die in den Augen Vieler wichtigste Künstlerin der Gegenwart war kurz auf Heimatbesuch aus Venedig, wo sie mit dem österreichischen Biennale-Pavillon Aufregungen verschiedenster Art befeuert.

Verfeinerung des Kanons

Auf dem eisfreien Eislaufplatz gab es also: ein nacktes Orchester, das eine fast liebliche Komposition spielte; Bláthin Eckhardt, die die Fassade des angrenzenden Hotels Intercontinental hinunterspazierte, ein Zitat von Trisha Browns oft kopiertem "Man Walking Down the Side of the Building"; ein an Rückenpiercings hereingezogenes Auto; darauf turnend Holzinger mit durch beide Wangen gestochener Sprühkerze, während das Auto in einem Affentempo seitlich im Kreis fuhr.

Holzinger und ihr Trupp veranstalten solche "Etüden" öfter. Dabei geht es weniger darum, die eigenen künstlerischen Mittel weiterzuentwickeln, sondern sie zu verfeinern. Im Prinzip lässt sich das mit dem aktuellen "Star Wars"-Film "The Mandalorian and Grogu" vergleichen: Es passiert nichts Entscheidendes für den Kanon, aber die Fans dürfen ihre Lieblinge wiedersehen und freuen sich umso mehr auf den nächsten großen Aufschlag des Franchise.

Weiterlesen …

In Autor Tags Performance, Kritik, Kunst, Nachtkritik, Wiener Festwochen, Festival

KULTUR HEUTE – Radiokritik von den Wiener Festwochen im Deutschlandfunk

May 21, 2026 Martin Pesl

© The Tinfoil Biter

Von den vielen Objekten, mit denen Narcissister die Bühne für ihre Performance „Voyage Into Infinity“ vollgestellt hat, fällt eines beim Einlass am wenigsten auf: Erst, als die Show beginnt und ein Schweinwerfer das Vogelhäuschen am linken vorderen Bühnenrand anstrahlt, richten sich die Blicke des Publikums darauf. Und erleben gleich den ersten Trick! Nachdem eine als Alpenpüppchen im Dirndl gekleidete Performerin herausgeklettert ist, bleibt wundersamerweise immer noch Platz für einen Kerzenständer. Und für noch eine Person. Und noch eine. Ihre Gesichter sind alle von Masken bedeckt, die aufgemalten Augen stets offen, wie jene der US-amerikanischen Künstlerin Narcissister selbst – angeblich spielt sie an diesem Abend in Wien auch persönlich mit.

Diese drei Charaktere nun, von denen man nicht weiß, ob man sie niedlich oder gefährlich finden soll, streifen staunend durch einen Wald aus wie zufällig aufgestellten Konstrukten: Zahlreiche Eimer sind auszumachen, Bretter und Leitern, verschiedene Variationen von Schaukeln und eine Hebebühne. Und dann passiert es: Mit den Kerzenflammen zu nah an eine Schnur gekommen, brennt diese durch. Dadurch löst sich die Spannung an einer an der Decke hängenden Leiter – diese kippt nach links, bringt eine hölzerne Walze ins Rollen: Schließlich sprühen Funken, und es kommt zu einer kleinen Explosion.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Donnerstag, 21. Mai 2026, 17:35 Uhr, Deutschlandfunk

"Voyage into Infinity" - Die Performerin Narcicisster bei den Wiener Festwochen
Deutschlandfunk
In Autor, Sprecher Tags Performance, Wiener Festwochen, Festival, Wien, USA, Kunst, Deutschlandfunk, Kritik
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