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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Akademietheater im Deutschlandfunk

March 1, 2026 Martin Pesl

Stefko Hanushevsky, Nina Siewert © Tommy Hetzel

Hochmut kommt vor dem Fall. Es ist 1937, und während seine Freunde im Salon schon ihre Ausreise nach Palästina planen, macht Kommerzialrat Dr. Isidor Geller noch Hitler-Witze.

Isidor:

Der Führer besucht eine Irrenanstalt. Er schreitet die Reihen der Insassen ab. Alle Patienten grüßen den Führer: „Heil Hitler, Heil Hitler. Heil! Hitler!“ Nur am Ende der Reihe steht einer, der sagt nix. Das sagt der Führer zu ihm: „Warum grüßen Sie mich nicht?“ Sagt der Mann: „Entschuldigen S‘, ich bin der Wärter, ich bin nicht verrückt!“

Später taucht die Sicherheitspolizei in Isidors 680-Quadratmeter-Wohnung in der Wiener Innenstadt auf und zwingt ihn, seinen gesamten Besitz – Original-Klimt-Gemälde eingeschlossen – abzutreten. Aus heutiger informierter Perspektive keine Überraschung. Doch Isidor, überzeugend arrogant dargestellt vom Wiener Schauspieler Stefko Hanushevsky, ist von sich und dem geltenden Recht bis zur Verblendung überzeugt.

Isidor:

Sie hören von meinen Anwälten. Das geht hier alles ganz sicher nicht so einfach, Herr Gau.

Herr Gau:

Hören Sie, Entschuldigung. Wo waren Sie die letzten Monate, wenn ich fragen darf?

Wie zur Strafe wählt Regisseur Philipp Stölzl drastische Bilder für den raschen Fall des Self-Made-Mans Isidor Geller. In einem Moment genießt er noch im Pelzmantel einen edlen Tropfen Wein, während Kanzler Schuschnigg im Radio die Unterwerfung Österreichs durch Hitler verkündet. Im nächsten wird der Protagonist splitternackt an den Füßen aufgehängt und baumelt zwischen den beiden Erzähler:innen Lilith Häßle und Itay Tiran hin und her.

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Antje Allroggen
Sonntag, 1. März, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk, Wien, Burgtheater

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Live-Kritik aus dem Akademietheater auf Deutschlandfunk Kultur

February 28, 2026 Martin Pesl

Lilith Häßle © Tommy Hetzel

Auftrag

Kritik der Premiere „Isidor“ im Gespräch mit Marietta Schwarz

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Kommerzialrat Isidor Geller ist hoch angesehen in der Wiener Gesellschaft; doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 verliert er alles. Seine Urgroßnichte, die Journalistin Shelly Kupferberg, stößt Jahre später in Briefen ihres Großvaters auf Isidor und recherchiert seine Geschichte. In ISIDOR – EIN JÜDISCHES LEBEN erzählt sie von seinem Aufstieg und Fall, von seiner Kindheit in Lwiw bis zu seiner Verhaftung und seinem Tod und wirft einen detaillierten Blick auf das Wien des frühen 20. Jahrhunderts und die Zerstörung der Demokratie.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Marietta Schwarz
Samstag, 28. Februar 2026, ab 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

In Sprecher Tags Theater, Kritik, Deutschlandfunk Kultur, Wien, Burgtheater

FAZIT – KULTUR VOM TAGE – Radiokritik aus dem Akademietheater auf Deutschlandfunk Kultur

January 28, 2026 Martin Pesl

© Tommy Hetzel

Auftrag

Kritik der Premiere „Der irrende Planet“ im Gespräch mit Gabi Wuttke

Auftraggeber

Deutschlandfunk Kultur

Projektinfo

Der Schweizer Schriftsteller Robert Walser ist, in rund 40 Sprachen übersetzt, ein Weltdichter. Dabei scheint sein Interesse nicht den großen Weltdeutungen zu gelten, sondern den vermeintlich kleinen Dingen am Rande des Daseins. Dort, an den Rändern, finden seine dichterischen Spaziergänge statt, von denen Susan Sontag sagte, sie verwandelten „obsessiv Zeit in Raum“.

Wer so neugierig und demütig spaziert wie Walser, erforscht nichts weniger als das ganze Leben. Auf Walsers Fährte erkunden wir die zarte Schönheit der Existenz – aber der Abgrund bleibt uns nicht erspart.

Fazit – Kultur vom Tage
Moderation: Gabi Wuttke
Mittwoch, 28. Januar 2026, 23:05 Uhr, Deutschlandfunk Kultur

In Sprecher Tags Deutschlandfunk Kultur, Theater, Wien, Kritik, Burgtheater, Schweiz

KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Schauspielhaus Zürich im Deutschlandfunk

January 18, 2026 Martin Pesl

© Arno Declair

Auf dem Bühnenvorhang prangt ein QR-Code. Mit der Handykamera gescannt, führt er in den Familienchat der drei Schwestern – samt Emojis. Vor allem aber bietet der Code ein vergnügliches erstes Bild an diesem Abend im Schauspielhaus Zürich, wenn er sich nämlich in eine Live-Projektion des Bühnenbilds aus der Vogelperspektive verwandelt: Die Altbauwohnung, in der sich die Migrantinnen aus einem Balkanland im ersten Wiener Gemeindebezirk günstig eingemietet haben, sieht von oben aus wie ein riesiger, giftgrüner QR-Code. Hier liegen sie rum, wie verwachsen mit der Bettwäsche, die Haare am Kissen festgeklebt. Erschöpft.

Lejla: Ich unterrichte und schreibe mehr als jemals zuvor. Am Abend lese ich, zum Entspannen stricke ich. Ich bin müde. Müde wie ein HUND! Ich bin müde von Trends und Anpassung, ich bin müde von den Diskussionen, in denen alle immer denken, die Moral auf ihrer Seite zu haben auf Kosten der Schwächsten. Ich bin müde von eurem Nicht-Hinterfragen und von meinem Hinterfragen. Und weil ich so erschöpft bin, schlafe ich oft mitten in einer Situation ein. Das kann passieren.

Nina: Du könntest kündigen.

Geflüster: Kündigen!

Weiterhören:

Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Sonntag, 18. Januar 2026, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Kritik, Schweiz
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