Ingeborg Bachmann und ihr Genresprenger von einem Roman: Vor 100 Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. Aufg’legt, dass Suhrkamp ihren einzigen vollständigen Roman „Malina“ neu auflegt. Wie macht er sich bei der Wiederlektüre?
Pink wie der „Barbie“-Film: Das Cover der Zentenariumsedition von Ingeborg Bachmanns „Malina“ behauptet einen positiven Feminismus, an dem sich auch Greta Gerwig versuchte, als sie die langbeinige Mattel-Puppe vor drei Jahren höchst erfolgreich zum Leben erweckte. Im Sommer 2023 konkurrierte ihr Werk mit Christopher Nolans „Oppenheimer“ medienwirksam um Platz eins an den Kassen. Ironischerweise ist das Schwarz-Weiß-Epos über den Vater der Atombombe im Grundton Bachmann um einiges näher.
„Es gibt nicht Krieg und Frieden, es gibt nur den Krieg“, zitiert Elfriede Jelinek sie in ihrem Nachwort der Suhrkamp-Neuausgabe. Die heutige Literaturnobelpreisträgerin hat es zwar schon 1983 verfasst, zehn Jahre nach Bachmanns Tod, im Auftrag des MagazinsSpiegel. Dort bezahlte man sie für ihren Text, druckte ihn aber nicht. Die Redaktion hatte sich wohl Bachmann-Bashing erwartet, Jelinek jedoch – die wieder eine knappe Dekade danach das Drehbuch zu Werner Schroeters „Malina“-Verfilmung schreiben sollte – pries ihre tote Kollegin und Landsfrau und verteidigte sie gegen männliche Übermachtfantasien. Vielleicht rechtfertigt diese Schwesternschaft ja wieder die pinken Buchdeckel.
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