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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ZWISCHEN SCHWARZ UND WEISS – Porträt von Artem Tschech in der Buchkultur 228

October 3, 2026 Martin Pesl

Artem Tschech möchte Romane schreiben, aber er muss auch für die Freiheit seines Landes kämpfen. Wie sich das anfühlt, macht das neue Buch des ukrainischen Schriftstellers greifbar. Die Playlist zur eigenen Lektüre liefert „Musik für einen Soldaten“ gleich dazu.

Vorsicht: Rauchen kann Ihr Leben verkürzen. Wenn Ihr Leben aber sowieso jeden Tag von akuter Verkürzung bedroht ist, dann sieht die Sache anders aus. Auf dem Cover der deutschen Ausgabe von Artem Tschechs neuem Buch „Musik für einen Soldaten“ prangt ein Schwarz-Weiß-Foto des Verfassers, wie er gerade mit geschlossenen Augen an einer Zigarette zieht. Der Tschech mit Tschick ist keine beliebige Wahl. In seinen Notizen von der Front erwähnt der 1985 geborene Autor mehrmals beiläufig, wie er oder seine Kameraden sich Zigaretten anzünden. Als er auf „Dienstreise“ nach Amerika fährt, bringt er ihnen Zigarren mit.

„Viele Soldaten rauchen“, erklärt Artem Tschech. „Nicht alle, aber viele. Es rauchen sogar die, die eigentlich nicht rauchen. Vor Beginn der großangelegten Invasion hatte ich eigentlich vor, aufzugeben, aber als ich den Krieg herannahen spürte, verwarf ich den Plan – ich hätte sowieso wieder mit dem Rauchen angefangen. Aber oh, welch Genuss ist es im Krieg!“

Was für ein Medienprofi Tschech ist, merkt man spätestens, als er im schriftlich auf Englisch geführten Buchkultur-Interview dem Ausdruck „the Great War“ in Klammer jenen Begriff hinzufügt, der dafür auf Deutsch en vogue ist: „großangelegte Invasion“. Auf dass der österreichische Kulturjournalist ja keinen Fauxpas begehe! Wahrscheinlich hat Tschech da seine Erfahrungen gemacht.

Im September 2022 schrieb er über seine ersten Monate an der Front einen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Einer von deren Reportern hatte ihn 2020 bei militärischen Übungen begleitet. Denn dass Russland unter Wladimir Putin früher oder später angreifen würde, mag im Westen zwar viele überrascht haben, nicht aber die Menschen in der Ukraine.

Erstmals war Artem Tschech ab Mai 2015 mehr als ein Jahr für die ukrainische Armee in den Krieg gezogen. Damals hatte Putin die Halbinsel Krim überfallen und annektiert, die Ukraine wehrte sich. Tschech war in seiner Heimat nach etlichen Publikationen als Schriftsteller etabliert, zögerte aber keine Sekunde, sich eine Uniform anzuziehen und sich im Gebrauch von Waffen ausbilden zu lassen. Als die – lange befürchtete – großangelegte Invasion am 24. Februar 2022 begann, wusste er: Jetzt ist es wieder so weit. Es gilt, die Armeetasche aus dem Kasten zu holen, seine Frau – eine landesweit bekannte Filmemacherin –, und den gemeinsamen Sohn in Kyjiw zurückzulassen und auf Kampfstation zu gehen. Befehle anzunehmen und an einen überschaubaren Trupp an Männern weiterzugeben. Der angefangene Roman bleibt erst einmal liegen.

Weiterlesen in der Buchkultur 228

In Autor Tags Porträt, Literatur, Krieg, Buchkultur, Ukraine
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