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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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ICH SPITZE DIE OHREN UND BLEIBE AUFGESCHLOSSEN – Pesls Festwochentagebuch, Folge 1 im Falter 23/21

June 8, 2021 Martin Pesl
Anna Rispoli, „Einkommen“ © Franzi Kreis

Anna Rispoli, „Einkommen“ © Franzi Kreis

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In Autor Tags Falter, Tagebuch, Festival, Wiener Festwochen, Theater, Performance, Musik

ÜBER DEN TELLERRAND: ÜBERTITEL FÜR DAS THEATER – Interview mit Tamara Paludo im Universitas-Mitteilungsblatt 2/21

June 6, 2021 Martin Pesl
An der Arbeit © Martin Thomas Pesl

An der Arbeit © Martin Thomas Pesl

Martin, auch für dich gleich zu Beginn eine kleine Herausforderung: In einem Satz – was machst du und für wen?

Als Übertitler erstelle ich die Übersetzung eines Skriptes für eine Theateraufführung, passe diesen Text an das entsprechende Übertitelformat an und fahre die Übertitel dann live während der Vorstellung ab, und zwar für Zuseher:innen im Publikum, die der Sprache, die auf der Bühne gesprochen wird, nicht mächtig sind, der Sprache der Übertitel aber hoffentlich schon. Uff – das war tatsächlich nur ein Satz, wenn auch ein mehrteiliger!

Für welche Produktionen hast du schon Übertitel erstellt?

Begonnen habe ich diese Karriere bei den Wiener Festwochen, die internationale Produktionen nach Wien einladen, in meinem Fall englischsprachige, die hier für ein deutschsprachiges Publikum gezeigt werden. Es ist gar nicht mehr so üblich, auch englische Produktionen zu übertiteln, denn Englisch wird gerade im Performance-Bereich immer mehr als „Selbstverständlichkeit“ angesehen, aber bei den Wiener Festwochen herrschte damals noch ein traditionellerer Ansatz. 

Die übertitelten Produktionen reisten manchmal auch noch zu anderen Festivals im deutschsprachigen Raum, da gab es dann eine kleine Urheberrechtsentschädigung, oder ich durfte sogar mitfahren, etwa nach Mannheim, wo ich auch das Fahren der Übertitel übernommen habe). Wenn sich jemand mit dem gesamten Prozess auseinandersetzt, vom Übersetzen bis zum Fahren, ist das natürlich der Qualität immer zuträglich.

Von 2017 bis 2019 war ich am Volkstheater bei vier Produktionen für die englischen Übertitel zuständig. Das Volkstheater unter der Direktorin Anna Badora hat den Trend gestartet, die eigenen Produktionen auch einem nicht deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Außerdem leistete sie sich eine kleine Spielerei: Einige der Produktionen wurden auch in eine zweite Sprache übersetzt, je nach inhaltlichem Bezug zum Stück – beispielsweise Polnisch (bei „Die Zehn Gebote“, die in Polen spielen), Tschechisch („König Ottokars Glück und Ende“, wo Titelfigur, Hauptdarsteller und Regisseur aus Tschechien stammten) und Kurdisch (bei „Rojava“, das vom Kampf der Kurd:innen in Syrien handelt). Dabei war meine Aufgabe auch die Koordination mit den Übersetzer:innen für die jeweils andere Sprache.

Steht da dann eine Sprache links und eine rechts von der Bühne?

Genau. Wir hatten die Übertitel beider Sprachen auf einer Powerpoint-Folie, und die Videoabteilung hat das auf zwei Projektoren aufgeteilt, sodass eine Sprache links und eine Sprache rechts gezeigt wird. Damit hat es auch gereicht, dass immer nur eine Person die Übertitel abfährt – zum Glück, denn wenn zwei Übersetzer:innen ihren jeweiligen Übertitelwechsel nicht ganz exakt timen, erzeugt das eine unangenehme Unruhe. Wir haben uns Abend für Abend abgewechselt. 

Wie war dein persönlicher Weg zum Übertiteln? Gibt es eine Ausbildungsmöglichkeit in dem Bereich?

Nein, zumindest war das zu meiner Studienzeit noch nicht so. Ich habe am ZTW studiert und kann mich an einen einsamen Vortrag zur Untertitelung erinnern, aber zur Übertitelung gab es nichts. Ich hatte Glück und bin da eigentlich eher, wie es im Theaterbereich wohl üblich ist, „hineingerutscht“.

Ich stand in einer Dokumentartheaterperformance bei den Festwochen auf der Bühne. Die Festivaldramaturgin hat mitbekommen, dass ich Übersetzen studiert habe, und gefragt, ob ich bei einem Gastspiel aus Kanada, für das die Titel schon übersetzt waren, als Fahrer mitwirken wolle – das war eine neunstündige Produktion, darum wurde das Fahren aufgeteilt, ich bekam das letzte Drittel. Im Zuge der Proben habe ich in ersten Schritten gelernt, wie man eine Übersetzung für das Übertitelformat schneidet. Dank meines Übersetzungsstudiums hatte ich das nötige Werkzeug und Gefühl dafür, dem Text trotzdem treu zu bleiben.

Bei den Wiener Festwochen gibt es eine Übertitelbeauftragte, Monika Kalitzke, die selbst Übersetzerin für Französisch und Spanisch ist. Es ist toll, dass sich die Wiener Festwochen das leisten; das steigert die Qualität der Übertitel enorm. Monika hat mich eingeschult: Sie redigiert die Übertitel, ist bei den Proben anwesend und gibt mir Tipps, wo ich Text auf zwei Zeilen aufteilen sollte oder was ich gut zusammenfassen könnte. Bei Übertiteln kommt es darauf an, die Kernaussagen der Sprechenden auf einen Blick zu vermitteln, gewisse Details und Nuancen sind die Kür. Es muss und soll gar nicht alles übersetzt werden, weil die Zuschauer:innen manches ohnehin durch die Bewegungen auf der Bühne mitbekommen.

Wie sieht ein konkreter Übertitelungsauftrag von A bis Z aus?

Da gibt es einen großen Unterschied zwischen den Übertitelungsaufträgen für schon bestehende Inszenierungen, wie etwa bei Festspielen, und bei Produktionen, die gerade erst im Entstehen sind.

Bei bestehenden Inszenierungen bekomme ich den fertigen Text und im Idealfall auch ein Video von der Inszenierung. Da sind der Zeitaufwand und damit auch der Preis sehr leicht abzuschätzen. Ich übersetze dann den Text, immer schon mit Blick auf das Format (Übertitel sind in der Regel zweizeilig, ca. 100 Zeichen pro Folie), übe zu Hause das Übertitelfahren mit dem Video und gehe dann auch zu den Proben (bei einem Festival gibt es üblicherweise noch so zwei bis fünf Proben am Spielort, wo ich Anpassungen vornehme, wenn es nötig ist, wenn z. B. bestimmte Passagen gestrichen werden. Bei den drei bis vier Vorstellungen klicke ich im Rhythmus der Vorstellung auf den „Weiter“-Pfeil einer Laptoptastatur.

Und bei Inszenierungen, die gerade entstehen?

Am Volkstheater war es ein bisschen komplizierter, weil der künstlerische Betriebsdirektor nie genau sagen kann, wann der Regisseur (in meinem Fall waren es bisher wirklich nur Männer) die Textfassung finalisiert und wann die Inszenierung „fertig“ ist. Da schlug ich dann meist aufgrund wilder Spekulationen eine Pauschale vor und hoffte, das werde sich schon alles ausgehen. Dann bekam ich irgendwann – in der Regel arg knapp – eine Textfassung, begann mit der Übersetzung und bekam zwei Tage später eine komplett neue Textfassung. Man arbeitet da immer ein bisschen ins Blaue hinein, weil man aus dem Textbuch nicht herauslesen kann, wie der Text auf der Bühne umgesetzt wird – wenn ich z. B. einen Dialog übersetze, teile ich die Repliken folienweise auf: Person A eine Folie, Person B nächste, dann wieder A. Wenn ich dann aber feststelle, dass die beiden wahnsinnig schnell sprechen, muss ich kürzen und mehrere Repliken auf einer Folie zusammenfassen.

Die Endproben – meistens vier Bühnenproben mit allen Kostümen, Maske und so weiter – sind oft sehr schweißtreibende Stunden. Da sehe ich dann erst, was mit dem Text genau passiert. Während auf der Bühne geprobt wird, sitze ich oben und habe nüchterne technische Fragen im Kopf: Wird der Rhythmus wirklich so langsam sein? War das gerade ein Hänger? Wurde das gerade gestrichen? Da helfen mir oft die Regieassistent:innen, nach jeder Probe muss ich die Übertitel neu anpassen. Die Premiere ist dann noch lange nicht perfekt – aber bei einer Premiere liegt ohnehin so viel Anspannung in der Luft, dass die Dynamik eine ganz andere ist als bei allen weiteren Vorstellungen. So nach zwei bis drei Vorstellungen, wenn alle entspannter sind und man schon weiß, was sie sagen werden, macht’s dann so richtig Spaß. Da bekommt man ein Gefühl, als könnte man aus dem Alltag aussteigen und in etwas einsteigen, was man schon gut kennt. Das ist schwer zu beschreiben … es ist ein bisschen, als hätte man einen Ohrwurm von etwas Schönem. Ich weiß, was passieren wird, der Rhythmus der Übertitel passt gut, man kann regelmäßig weiterklicken, das ist einfach toll.

Was passiert, wenn sich Schauspieler:innen nicht genau an den Text halten, den du in deinen Übertiteln hast?

Hmmm … Wenn etwas übersprungen wurde, kann ich versuchen, es auch zu überspringen, aber der Spielraum ist gering. Die meisten Fehler, die auf der Bühne gemacht werden, offenbaren sich bei Stücken mit Übertiteln dem Publikum. Da muss man dann einfach cool bleiben, weiterklicken, aber nicht zu schnell, und hoffen, dass es sich ein paar Folien später wieder einpendelt.

Was macht für dich den Reiz des Übertitelns aus?

Ich liebe es, gleichzeitig Teil der Aufführung, aber auch Außenstehender zu sein. Man lebt mit, man kennt den Text in- und auswendig (wenn auch nur akustisch – oft entdecke ich nach der zehnten Aufführung noch ein Requisit, das mir davor nie aufgefallen ist), die Vorstellung würde auch ohne Übertitel stattfinden, aber weil es sie gibt, müssen die Übertitel sich gut in das Stück einfügen und ein Teil davon werden. Das ist eine spannende Herausforderung.

Wo sitzt du? 

Im Volkstheater saß ich immer neben der Tonabteilung auf dem Balkon, bei den Festwochen in der Halle E oder G auf der Tribüne hinter der letzten Reihe. Ich musste mich erst daran gewöhnen, in meiner Fahrerfunktion plötzlich als Teil der Technikabteilung wahrgenommen zu werden und mich zum Beispiel mit Projektionen auskennen zu müssen. (lacht)

Gibt es eine witzige Begebenheit, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Schauspieler:innen merken sich Text gut, aber nicht sehr genau. Wenn es Übertitel gibt, wird ihr Text gleichzeitig auch schriftlich wiedergegeben – zwar in einer anderen Sprache, aber im Falle von Englisch doch in einer Sprache, die viele können. Diese Ungenauigkeiten fliegen also sofort auf, wenn es zum Beispiel um Zahlen geht! Ich kann mich an eine Anekdote erinnern, in der von einer Jahreszahl auf einer Briefmarke die Rede war und sich der Schauspieler die Zahl nicht und nicht gemerkt hat! Er hat mehrere Abende hintereinander dieselbe – falsche – Zahl gesagt hat, sodass meine Kollegin und ich beschlossen haben, wir ändern das jetzt in den Titeln – und natürlich kam am nächsten Abend wieder eine vollkommen andere Zahl, ironischerweise nämlich die, die ursprünglich im Text stand!

Wenn nach vielen Vorstellungen zum ersten Mal wieder der Regisseur zuschauen kommt, werfen die Schauspieler:innen gerne nach langem wieder einen Blick in ihr Textbuch. Da sind dann die ganzen Anpassungen, die wir im Laufe der Vorstellungen gemacht haben, hinfällig.

Danke für die spannenden Einblicke, lieber Martin!

In Übersetzer Tags Interview, Übertitel

TANZ MIT DISKURSWOLF – Nachtkritik von den Wiener Festwochen

June 6, 2021 Martin Pesl
Conférencier im weißen Anzug: Martin Wuttke – mit Rosa Lembeck + Marie Rosa Tietjen. © Luna Zscharnt

Conférencier im weißen Anzug: Martin Wuttke – mit Rosa Lembeck + Marie Rosa Tietjen. © Luna Zscharnt

Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer – Wiener Festwochen – René Pollesch präsentiert starbesetzt sein neues Stück

Wien, 5. Juni 2021. Obwohl er selbst nie auftritt, hat René Pollesch eines mit Kabarettist:innen gemein: Sie müssen oft Monate im Voraus zu Marketingzwecken den Titel ihres neuen Programms nennen und dazu einen knackigen Ankündigungstext verfassen, obwohl sie noch keine Zeile geschrieben haben. Polleschs neueste Inszenierung "Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer" – erster Vorbote der neuen Berliner Volksbühne – feierte seine Premiere im Rahmen der Wiener Festwochen, die diesmal erst Ende April ihren Katalog herausgaben. Polleschs Text darin liest sich trotzdem wie "Schreib uns bitte irgendwas, wir gehen heute in Druck." Etwas mit Zahnärzt:innen, der "vierten Sache" und dem Tanzfilm. Flapsig, verschwurbelt, ganz sympathisch, aber nicht aufschlussreich. Pollesch halt.

Mit frontalem Blick ins Publikum

Nun, niemand bohrt, was die "vierte Sache" ist, werden wir nie erfahren, getanzt und gefilmt wird dafür aber ordentlich. Auch Frau Kathrin Angerer ist anwesend und stellt sich an einer Stelle sogar selbst so vor (während alle einander sonst Bill, Dusty oder Liebling nennen). Charakteristisch rehäugig mit ängstlichem Duckface Tragik verströmend und dadurch erst recht Komik ausstrahlend, erläutert sie sogar halbwegs schlüssig, warum sie keine Gewehre dabei hat.

Pollesch scheint diesmal verblüffenderweise daran gelegen, die Zusammenhänge hinter seinen ausufernden, mit Füllwörtern gespickten Selbst-, Zwie- und Gruppengesprächen zu erklären. Zu diesem Behufe nimmt Martin Wuttke eine Conférencier-Rolle im weißen Anzug mit frontalem Blick ins Publikum ein. Dass er schon nach dem ersten Satz "Ein Filmstudio in Hollywood, 1938" mehrmals mit seinen allzu glatten Steppschuhen ausrutscht, ist natürlich Absicht, die sehr, sehr häufige Zuhilfenahme der Souffleuse Leonie Jenning eher nicht. Sie macht die Inhaltsangabe zu einer zähen Angelegenheit.

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In Autor Tags Theater, Festival, Wiener Festwochen, Berlin, Kritik, Nachtkritik

SCHURKENSTÜCKE: LOUISE LANIER – Kolumne in der Buchkultur 196

June 5, 2021 Martin Pesl
© Martin Thomas Pesl

© Martin Thomas Pesl

In meinem 2016 erschienenen „Buch der Schurken“ versammelte ich 100 der genialsten Bösewichte der Weltliteratur in einem Minilexikon. Einige blieben dabei auf der Strecke. Schändlicherweise. Hier begleiche ich nach und nach die schurkische Schuld.

Wenn sie lächelt, kann nichts schiefgehen. Die Frauen, die sie durchschauen, beneiden sie. Die Männer durchschauen sie nicht und verfallen ihr. Mit ihrem geheimnisvollen Lächeln bleibt „Der französische Gast“ in England „Someone at a Distance“ – um den deutschen und den original englischen Titel des Romans von Dorothy Whipple vorzustellen – und zerstört nach und nach aus verletztem Stolz ein perfektes, wenn auch unspektakuläres Familienglück. 

Louise verachtet ihre Eltern in der französischen Provinz und kann nicht verkraften, dass ihr heimlicher Liebhaber sie für eine häuslichere, vornehmere Frau sitzen ließ. So nimmt sie das Angebot einer ältlichen Britin an, ihr Gesellschaft zu leisten, erbt von ihr eine hübsche Summe und rückt daraufhin ihrem Sohn Avery so lange auf die Pelle, bis der sich irgendwann von ihr verführen lässt, just als seine Frau Ellen und die gemeinsame Tochter Anne bei der Tür hereinkommen. Der englische Ausdruck „to overstay one’s welcome“ ist hier – seinerseits sehr englisch – ein Understatement.

Mehr in der Buchkultur 196

In Autor Tags Buchkultur, Kolumne, Schurke
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