Ich bin wieder da! Ja, schön, aber wo? In Ewe Benbeneks neuem Stück treiben die Figuren in Vielsprachigkeit durch eine Vielvölkerheimat. Von der k.u.k.-Zeit bis in die EU-Gegenwart. Marie Bues realisiert die Uraufführung in einem Get-Together von drei Theatern.
27. September 2026. Die Sprachen der einstigen österreichisch-ungarischen Donaumonarchie verfügen über einen Laut, auf den sich alle einigen können. Geschrieben wird er unterschiedlich: auf Polnisch "sz", auf Tschechisch und Slowakisch "š", Ungarisch schlicht "s", Deutsch "sch". Sogar ein arabisches Zeichen haben die Muslime in Bosnien zu Zeiten der Donaumonarchie dafür erfunden. Ausgerechnet der Laut also, der zum Schweigen auffordert, schafft Völkerverständigung: eine schöne Erkenntnis aus Ewe Benbeneks neuem Stück – einem Text, der von Buchstaben und Gemeinschaft handelt.
Ein Hoch auf die babylonische Sprachverwirrung
Die Buchstaben bilden das Bühnenbild – auf bunten Bahnen werden sie ausgerollt. Die Gemeinschaft spiegelt sich zuallererst auf der Metaebene: Gleich drei Theater arbeiten hier zusammen. Einer vor zwei Jahren geknüpften Allianz zwischen den Schauspielhäusern Wien und Graz in der Regie von Marie Bues, der künstlerischen Ko-Leiterin des Ersteren, hat sich neu das Budapester Katona József Színház angeschlossen. Jedes Haus entsandte zwei Spieler:innen. Der Text wurde ins Ungarische übersetzt, die Uraufführung (im Partnerprogramm des steirischen herbst) zelebriert babylonische Sprachverwirrung – nicht nur im Titel "ФielföلkaŠtát".
Ewe Benbenek, preisdekoriert für "Tragödienbastard" (2020) und "Juices" (2023), wurde in Polen geboren und kam mit ihren Eltern als Kleinkind nach Deutschland. Ähnlich geht es jener in Du-Form angesprochenen Figur, die man noch am ehesten als Protagonistin des aktuellen Werks bezeichnen kann. Sophia Löffler (Team Wien) spielt dieses namenlose Kind von Migrant:innen. Ziellos reist sie durch die ehemaligen Kronländer und kritisiert pointiert die Ignoranz des Tourismus (wer noch nie in Prag auf Junggesell:innenabschied war, werfe den ersten Stein). In SMS tauscht sie sich mit dem besorgten Vater (Tim Breyvogel, Graz) aus, der auf ein "Ich bin wieder da" hin fragt, wo das denn eigentlich sei.
