Leander Haußmann ist wieder am Markt, also auf dem Marktplatz: Zum zweiten Mal inszeniert er beim Theatersommer im österreichischen Haag Moliére; diesmal das Stück, mit dem er schon 2020 zusammen mit Jens Harzer einen Hit gelandet hatte. Das Vergnügen ist groß – und der Intendant im Brautkleid mittendrin.
2. Juli 2026. Zurück zu den Wurzeln: Theater auf dem Marktplatz! Im ersten Moment war die Überraschung groß, als mit diesem Impetus die Berliner Regielegende Leander Haußmann im Vorjahr nach Haag inszenieren kam. Der Ort im westlichen Niederösterreich ist stolz auf sein Stadtrecht und auf die überdachte Tribünenkonstruktion am Hauptplatz, von der aus 500 Leute pro Abend jährlich die Produktion des lokalen Theatersommers erleben können.
Der Schauspieler und Kabarettist Christian Dolezal ist hier seit 2017 Intendant. Immer wieder erfindet er das Festival neu, und 2025 präsentierte er eben Leander Haußmann als Regisseur. Der wiederum machte, was er am liebsten macht: Molière. Fernsehstar Ursula Strauss war "Die eingebildete Kranke", und das Ensemble drumherum fuhr zu Beginn mit einem Theaterwagen ein wie die Wandertruppen anno dazumal.
Aus dem Tresor geschlüpft
Haußmann ist dafür bekannt, seine Inszenierungen mit heißer Nadel zu stricken, seine Spieler:innen beim Proben viel improvisieren zu lassen und lange zu warten, bis er Dinge festlegt. Dass ein unter einem gewissen Kommerzdruck stehendes Sommertheater sich darauf einlässt, zeugt von einem gewissen Mut und zerrt an den Nerven Mitwirkender. Am Ende klappte es aber bestens, also gibt's das "winning system" heuer gleich nochmal – fast. Der Theaterwagen hat diesmal die Form eines Tresors, der Star ist Gerti Drassl, und sie ist auch nicht "Die", sondern "Der Geizige", wenn sie rumpelstilzchenhaft über die Bühne huscht und als Harpagon das geliebte Geld verteidigt wie eine Katze das Futter.
