Hochmut kommt vor dem Fall. Es ist 1937, und während seine Freunde im Salon schon ihre Ausreise nach Palästina planen, macht Kommerzialrat Dr. Isidor Geller noch Hitler-Witze.
Isidor:
Der Führer besucht eine Irrenanstalt. Er schreitet die Reihen der Insassen ab. Alle Patienten grüßen den Führer: „Heil Hitler, Heil Hitler. Heil! Hitler!“ Nur am Ende der Reihe steht einer, der sagt nix. Das sagt der Führer zu ihm: „Warum grüßen Sie mich nicht?“ Sagt der Mann: „Entschuldigen S‘, ich bin der Wärter, ich bin nicht verrückt!“
Später taucht die Sicherheitspolizei in Isidors 680-Quadratmeter-Wohnung in der Wiener Innenstadt auf und zwingt ihn, seinen gesamten Besitz – Original-Klimt-Gemälde eingeschlossen – abzutreten. Aus heutiger informierter Perspektive keine Überraschung. Doch Isidor, überzeugend arrogant dargestellt vom Wiener Schauspieler Stefko Hanushevsky, ist von sich und dem geltenden Recht bis zur Verblendung überzeugt.
Isidor:
Sie hören von meinen Anwälten. Das geht hier alles ganz sicher nicht so einfach, Herr Gau.
Herr Gau:
Hören Sie, Entschuldigung. Wo waren Sie die letzten Monate, wenn ich fragen darf?
Wie zur Strafe wählt Regisseur Philipp Stölzl drastische Bilder für den raschen Fall des Self-Made-Mans Isidor Geller. In einem Moment genießt er noch im Pelzmantel einen edlen Tropfen Wein, während Kanzler Schuschnigg im Radio die Unterwerfung Österreichs durch Hitler verkündet. Im nächsten wird der Protagonist splitternackt an den Füßen aufgehängt und baumelt zwischen den beiden Erzähler:innen Lilith Häßle und Itay Tiran hin und her.
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Kultur heute
Moderation: Antje Allroggen
Sonntag, 1. März, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk
