Elf Regiepersonen bestreiten zum Intendanzstart in St. Pölten „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Bertolt Brecht
Mit Intendanzstarts ist das immer so eine Sache. Die mediale Aufmerksamkeit wird vermutlich nie mehr so selbstverständlich vorhanden sein wie bei der ersten Produktion, das erzeugt enormen Druck. Oft haben die neuen künstlerischen Leitungskräfte das Gefühl, sich die eigene Latte gleich mal so hoch legen zu müssen, dass sie mit späteren Arbeiten nie wieder an diesen ersten Aufschlag heranreichen können. Manchmal nicht einmal mit dieser ersten.
Während also regieführende Intendant:innen gerne mit eigenen Neuinszenierungen starten, verwirklicht Patricia Nickel-Dönicke zum Auftakt ihrer ersten Spielzeit am Landestheater Niederösterreich eine ungewöhnliche Idee. Nicht nur sämtliche Ensemblemitglieder stehen in der Eröffnungsproduktion in St. Pölten nahe Wien auf der Bühne, auch alle Regisseur:innen des ersten Jahres wirkten daran mit. Die Vorlage: Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.
Aus den im Spielzeitheft noch angekündigten zwölf Namen wurde schließlich eine ungerade Elf – genauso viele Schauspieler:innen zählt das Ensemble –, und das ganz ohne die obligatorischen Fußballwitze. Kosten (schließlich wird Brecht erst ab Januar 2027 gemeinfrei) und logistische Mühen wurden nicht gespart: Im Programmheft wird betont, wie kompliziert es war, so viele Menschen gleichzeitig unterzubringen, und dass nur dank eifriger Mitwirkung aller Gewerke fünf Probebühnen gleichzeitig bespielt werden konnten.
„Theater kann man nicht alleine machen“, steht da als Ausgangspunkt für das Kollektivregieprojekt. Zudem wird das Konzept mit Brechts Entwurf des Epischen Theaters sowie Hans-Thies Lehmanns postdramatischem Ansatz begründet. Letzteres macht angesichts des Endergebnisses stutzig, denn die Szenen mögen zwar von verschiedenen Personen inszeniert worden sein, Rollenverteilung und Figurengestaltung bleiben aber insgesamt kohärent. Dass einige der elf Ensemblemitglieder in mehrere Rollen schlüpfen, während der Titelheld nicht nur von Bettina Kerl, sondern auch von Max Kurth verkörpert wird, ergibt noch nicht die große postdramatische Verfremdung.
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