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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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Martin Thomas Pesl – Autor, Übersetzer, Sprecher und Lektor

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KULTUR HEUTE – Radiokritik aus dem Schauspielhaus Zürich im Deutschlandfunk

January 18, 2026 Martin Pesl

© Arno Declair

Auf dem Bühnenvorhang prangt ein QR-Code. Mit der Handykamera gescannt, führt er in den Familienchat der drei Schwestern – samt Emojis. Vor allem aber bietet der Code ein vergnügliches erstes Bild an diesem Abend im Schauspielhaus Zürich, wenn er sich nämlich in eine Live-Projektion des Bühnenbilds aus der Vogelperspektive verwandelt: Die Altbauwohnung, in der sich die Migrantinnen aus einem Balkanland im ersten Wiener Gemeindebezirk günstig eingemietet haben, sieht von oben aus wie ein riesiger, giftgrüner QR-Code. Hier liegen sie rum, wie verwachsen mit der Bettwäsche, die Haare am Kissen festgeklebt. Erschöpft.

Lejla: Ich unterrichte und schreibe mehr als jemals zuvor. Am Abend lese ich, zum Entspannen stricke ich. Ich bin müde. Müde wie ein HUND! Ich bin müde von Trends und Anpassung, ich bin müde von den Diskussionen, in denen alle immer denken, die Moral auf ihrer Seite zu haben auf Kosten der Schwächsten. Ich bin müde von eurem Nicht-Hinterfragen und von meinem Hinterfragen. Und weil ich so erschöpft bin, schlafe ich oft mitten in einer Situation ein. Das kann passieren.

Nina: Du könntest kündigen.

Geflüster: Kündigen!

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Kultur heute
Moderation: Michael Köhler
Sonntag, 18. Januar 2026, 17:30 Uhr, Deutschlandfunk

In Autor, Sprecher Tags Deutschlandfunk, Theater, Kritik, Schweiz

WEISST DU NOCH, DAMALS? – Nachtkritik aus dem Schauspielhaus Graz

January 17, 2026 Martin Pesl

© Lex Karelly

Einen Berg voll unheilbarer Verluste baut Rebekka David in ihrer neuen Stückentwicklung auf. Er fußt mitten im Herzen von Graz.

17. Januar 2026. Wahrscheinlich ist es einfach an der Zeit. Die Rezeptionsglocke klingelt nicht, die Telefonleitungen in den Zimmern sind defekt, und der Herr Rudolf vom Empfang kann sich den Namen des neuen Hoteldieners nicht merken, der in Gestalt Dominik Puhls eifrig den güldenen Gepäckwägen umplatziert. Der Anruf einer Frau Kommerzialrat schockiert Personal und Kundschaft gleichermaßen: Das Grand Hotel Steirerhof muss schließen, um zwölf kommt die Planierraupe.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Dieses Hotel gab es wirklich, am Grazer Jakominiplatz. Es galt als erste Adresse der Stadt, bis es Anfang der Neunziger abgerissen wurde. Heute steht da eine Mall mit Fitnesscenter, Restaurant und Rolltreppen, zuvor aber mieden viele Einheimische lange den zentralen Jakominiplatz, weil sie die Leerstelle nicht ertrugen. Das ist reale Historie, dem wissenden Gemurmel im Saal nach zu schließen, als Schauspielhaus-Urgestein Rudi Widerhofer in seiner Rolle als Herr Rudolf dieses Szenario skizziert. Er tut es freilich als visionäre Kassandra, denn noch erlebt das Fünf-Sterne-Hotel ja seine letzten Stunden. Wir schreiben das Jahr 1989, und es gibt Wählscheibentelefone mit Wahlwiederholungstaste.

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In Autor Tags Theater, Kritik, Nachtkritik, Steiermark, Geschichte

DER KRIEG IST EINE RAMPENSAU – Kritik aus dem Volkstheater Wien auf die-deutsche-buehne.de

January 16, 2026 Martin Pesl

© Marcella Ruiz Cruz

Am Volkstheater Wien zeigt Jan-Christoph Gockel eine Revue über den Schriftsteller Joseph Roth – geboren auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Doch vor vergnügliche Momente der Koproduktion mit dem Nationaltheater Marija Sankowezka in Lwiw drängt sich immer wieder das ernste Thema Krieg.

Kaum werden Staaten bedroht, sind sie der heiße Scheiß auf deutschsprachigen Bühnen. Diese Erkenntnis wird spät verlautbart in „Ukrainomania – Revue eines Lebens“. Jan-Christoph Gockel weiß es aber natürlich schon länger. An den Münchner Kammerspielen hat er 2023 Natalka Vorozhbyts Stück „Green Corridors“ uraufgeführt, mit einem teils ukrainischen Ensemble, zu dem auch die Live-Zeichnerin Sofiia Melnyk gehörte.

Melnyk ist nun wieder dabei, da Gockel erstmals am Volkstheater Wien arbeitet. Frisch mit seinem Münchner „Wallenstein“ zum Theatertreffen eingeladen, nimmt der Regisseur diesmal keinen dramatischen Text als Grundlage, sondern eine interessante Tatsache: dass der Schriftsteller Joseph Roth – Kaffeehausliterat und etwa mit seinem Roman „Radetzkymarsch“ Chronist der untergegangenen Donaumonarchie – auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde. Roth schrieb: „Manchmal wird eine Nation modern. Diesmal sind es die Ukrainer.“ Mit anderen Worten: der heiße Scheiß.

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In Autor Tags Theater, Volkstheater, Krieg, Wien, Kritik, Die deutsche Bühne

„TAKE IT OR LEAVE IT“ – Interview mit Béla Tarr im Falter 23/19

January 6, 2026 Martin Pesl
© Béla Tarr

© Béla Tarr

Der große Avantgarde-Filmer Béla Tarr realisiert bei den Festwochen ein Projekt mit Wiener Obdachlosen. Ein Gespräch über Wiederholungen im Leben, seine Heimat Ungarn und darüber, ob man Film lehren kann

Wäre die Welt einer seiner Schwarz-Weiß-Filme, Béla Tarr würde glatt darin verschwinden. Vor seinem Hotel in der Josefstadt steht der ungarische Regisseur klein, grau, gezeichnet und müde und sagt: „Ich rauche hier jetzt noch zwei Zigaretten, dann können wir anfangen.“

Avantgarde-Kenner verehren Tarr als einen der prägendsten Regisseure der Kinogeschichte. Vor allem „Satanstango“ nach dem Roman von László Krasznahorkai steht in zahlreichen Cineastenlisten weit oben. Der 1994 erschienene Film dauert sieben Stunden, hat aber nur etwa 150 Einstellungen. Er schildert den Verfall eines Dorfes in den letzten Jahren des ungarischen Kommunismus und galt lange als verschollen. 2007 kündigte Tarr an, sein nächster Film „Das Turiner Pferd“ werde sein letzter sein. Daran hielt er sich eisern. Umso sensationeller ist es, dass die Wiener Festwochen den stillen Star für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Das Projekt „Missing People“ wird in der Halle E im Museumsquartier mit Obdachlosen aus Wien erarbeitet und dort auch als Installation mit Bewegtbild und Live-Musik gezeigt.

Der Falter trifft Béla Tarr schon im März im Zuge seiner Castings für das Projekt. Trotz seiner erst 64 Jahre hat der gesundheitlich angeschlagene Mann die Aura eines alten Weisen. Durch den Interviewer auf Ungarisch ehrfürchtig gesiezt, beharrt Tarr in seinen Antworten auf dem Du. Seine Stimme ist sonor und sanft. Wenn er über das Schicksal der Obdachlosen spricht, wird er leise wie bei einer Meditation. 

Herr Tarr, was hat Sie zu dieser Filminstallation mit Wiener Obdachlosen inspiriert?

Tarr: Einmal die Architektur der Halle E. Das Zweite war, dass am Tag meiner Ankunft in Wien ein ungarisches Gesetz in Kraft trat, wonach Obdachlose, die auf der Straße leben, ins Gefängnis gesteckt werden dürfen wie Verbrecher. Am selben Tag hat die Bürgermeisterin von Paris angekündigt, dass sie für die Wintersaison das Rathaus für Obdachlose öffnet.

Wien liegt ja zwischen Ungarn und Paris und wurde jüngst wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt ernannt. Welche Rolle spielt die Stadt in Ihrem Projekt?

Tarr: Ich muss sagen, dass ich Wien nicht kenne. Was ich kenne, ist das Wien der Obdachlosen. Was ich kenne, sind der Gürtel und die Außenbezirke. Ansonsten komme ich abends ins Hotel, esse, schlafe. In der Früh geht es dann wieder los. Aber eines ist sicher: Diese ganze Sache ist viel schwieriger, als ich je gedacht hätte. Ganz anders als einfach einen Film zu machen. Man wird auf ganz existenzielle Dinge aufmerksam. Man ist ja nicht gefühllos, und solche Menschenleben zu sehen, das laugt einen geistig völlig aus. 

Wie lief das Casting?

Tarr: Ich versuche, die Menschen kennenzulernen. Denn jeder Mensch ist anders. Jeder spricht eine andere Sprache, hat eine andere Kultur und Lebensgeschichte. Das Endergebnis ist gleich, aber auf die verschiedenen Wege dorthin muss ich mich einlassen. Ich habe ein einigermaßen umfassendes Gesamtbild des Projekts. Das versuche ich jetzt in eine Dramaturgie, in eine sehr lose Form zu packen. Das wird ja kein Film, den wir projizieren. Das werden Bruchstücke, Stimmungen, menschliche Gesichter.

Es gibt also keine Handlung?

Tarr: Nein, so wie es auch im Leben dieser Menschen keine Handlung gibt. Ich sage ja immer: Eine Story führt uns nur an der Nase herum, denn sie spiegelt uns vor, dass irgendetwas passiert. Diese Menschen haben so eine Starre, die mir manchmal einen Stich in die Brust versetzt. Sie bewegen sich von der nächtlichen Unterkunft, wo sie zwischen 18 Uhr und 7 Uhr bleiben können, an eine Tagesstätte, wo sie sich aufwärmen. Die wird aber um 15 Uhr zugesperrt. Dann gehen sie ein bisschen betteln, die Mutigeren stehlen oder tun etwas dergleichen, was natürlich gesetzeswidrig ist. Dieser Kreislauf ist die ganze Bewegung.

Und die Menschen rechnen auch gar nicht mehr damit, aus diesem Kreislauf auszubrechen?

Tarr: Für manchen ist der große Traum, Straßenkehrer zu sein. Davon kann er sich aber noch lange keine Wohnung leisten, höchstens Zigaretten und was zu trinken. Einige von ihnen leben seit acht Jahren auf der Straße und tragen ihr ganzes Leben mit sich herum.

bewege sich, und jetzt gehen wir wieder unter. Mich schmerzt dabei nicht so sehr, dass es verantwortungslose Politiker gibt, sondern dass die Menschen ihnen glauben. Aber ich will gar nicht hoffnungslos sein. Dass die Berliner Mauer je fallen könnte, hätte ich damals auch nicht gedacht. Die Welt lässt sich verändern, aber es hängt halt von uns ab.

Schon 2007 haben Sie erklärt, Ihr damals nächster Film „Das Turiner Pferd“ sei Ihr letzter. Wieso wussten Sie das damals schon?

Tarr: Ich habe dreißig Jahre lang Filme gemacht. Schritt für Schritt hat sich dabei ein Stil herausgebildet, der immer sauberer, klarer und eindringlicher wurde. Wenn man dann anfängt, vom Ende des Lebens zu erzählen, wie im „Turiner Pferd“, und das auch noch in einer sehr puren, minimalistischen Filmsprache, dann ließe sich das schon wiederholen – man könnte zehn solche Filme machen, aber es wäre einfach nur lächerlich. Daher weiß man: Das Paket ist jetzt hübsch verschnürt und zur Übergabe bereit. „Take it or leave it“, wie der Engländer sagt.

Nach dem Erscheinen von „Das Turiner Pferd“ 2011 waren Sie vor allem mit Unterrichten beschäftigt.

Tarr: Ja, ich habe eine internationale Filmschule in Sarajevo aufgebaut. Aus allen Ecken der Welt kamen junge Filmemacher, mit denen wir gearbeitet haben, und ältere Filmemacher, die schon mehr Erfahrung hatten. Es war wie eine Werkstatt, in der alle zusammen gelebt und gearbeitet haben, ganz anders als sonstige Filmakademien. Ich habe immer schon die Meinung vertreten, dass man Film nicht lehren kann, weil jeder Filmemacher eine andere Sprache hat. „No education, just liberation“, das war vier Jahre lang unser Geist.

Warum war es dann vorbei?

Tarr: Weil das eine Fakultät einer Privatuniversität war. Man hat mich immer nach dem Profit gefragt, den es selbstverständlich nicht gab. Im Gegenteil: Die anderen Fakultäten haben Gewinn gemacht, wir haben ihn verjubelt. Außerdem wurden wir ins Bologna-System aufgenommen, was einen strengen Lehrplan erforderte. Wie soll ich da erklären, dass ein Apichatpong Weerasethakul mit den Studierenden meditiert? Carlos Reygadas wiederum ging mit ihnen schwimmen, der Schauspielstar Gael García Bernal formierte sie zu einer Fußballmannschaft, die dann gegen die heimischen Straßenkinder verlor. Irgendetwas wurde immer daraus, aber das kann ich ja nicht in einen Lehrplan fürs Ministerium schreiben. Irgendwann hatte ich auch genug. 

Auch bei den Festwochen halten Sie eine Masterclass. Findet die auch im Freibad statt?

Tarr: Nein, nein. Da versuche ich zu formulieren, was ich beim Film für wichtig halte und wie ich seinerzeit gearbeitet habe.

Sie kritisieren offen die Regierung Orbán. Wie ist Ihr Stand in Ihrer Heimat? Kennt man Sie, nimmt man Sie an?

Tarr: Man weiß, wer ich bin. Aber ich bin sehr selten in Ungarn, weil ich dort nicht arbeiten kann. Also reise ich viel.

Bedauern Sie das?

Tarr: Selbstverständlich. Wer möchte nicht gerne im eigenen Bett schlafen? Der Mensch hat so ein instinktives Heimweh.

Wo ist denn im Moment Ihr Lebensmittelpunkt?

Tarr: Ich habe keinen. Allein in diesem Kalenderjahr war ich zweimal in Paris, habe in Deutschland einen Workshop gegeben, habe in Lille unterrichtet. Wo zum Geier war ich denn noch? Hier in Wien natürlich. Zu Hause war ich vielleicht zehn Tage. Nach diesem Projekt steht eine kleine Pause an, das spüre ich. Eigentlich sollte ich mich aber hinsetzen und ein Buch schreiben. Ein Verleger wartet darauf. 

Eine Autobiografie?

Tarr: Nein. Das wird wieder so etwas Undefinierbares. Es war nie meine Art zu erzählen, was mir passiert ist. Aber was ich wie sehe oder was mich mitnimmt, das ist etwas anderes. Je älter man wird, desto mehr sieht man Details. Und nur die Details werden wichtig. Denn im Großen und Ganzen wiederholt sich ja doch alles.

 

Zur Person:

Béla Tarr wurde 1955 im ungarischen Pécs geboren. Seinen ersten Film „Family Nest“ realisierte er mit Mitte 20. Ab dem Fernsehfilm „Macbeth“ (1982) entwickelte er seinen eigenen Stil mit wenigen, langen Einstellungen, oft in Schwarz-Weiß. Seit 1988 arbeitete er eng mit seinem Landsmann, dem Schriftsteller László Krasznahorkai zusammen. So entstanden etwa „Verdammnis“ (1988) und Tarrs siebenstündiges Opus magnum „Satanstango“ (1994). 2011 zog sich Béla Tarr, dessen Filme oft in Ko-Regie mit seiner Ehefrau Ágnes Hranitzky entstanden, endgültig aus dem Kino zurück.

In Autor Tags Interview, Falter, Film, Kunst, Wiener Festwochen, Ungarn, Ungarisch
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